Veröffentlichungen
im Zusammenhang mit dem
Kunst und Museumskreis Bad Essen e.V.
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Wittlager Kreisblatt
Autor: Christa Bechtel 11. Oktober 2011
Ausstellung von Bernd Spriewald im
Schafstall
"Randfiguren" bis zum 20. November in Bad Essen
Bad Essen. „Wir können heute Abend eine
Vielzahl von Personen begrüßen: Einen kranken Raucher, eine Großmutter mit
Kindern, mit und ohne prügelnden Vater, Käsemann und Biernat aus der Kneipe, die
sich das vorne im Foyer gemütlich gemacht haben, die Schlagersängerlegende Graf
Hermann Jennebach, Reinhold Glowatzky mit seinem Königspudel Napoleon oder das
Monstrum vom Montparnasse“, erläuterte Andreas Arlinghaus-Deutschmann zur
Ausstellungseröffnung.
Dabei
blickte er im Schafstall an der Bergstraße in Bad Essen auf die „Randfiguren“,
der Titel der neuen Ausstellung des Kunst- und Museumskreises Bad Essen.
Keine ‚Randfigur‘ sei Bernd Spriewald aus Petershagen, der all das in seinen
Gemälden und Zeichnungen festgehalten habe, unterstrich Arlinghaus-Deutschmann,
der das Wort an Rudolf Uhlig aus Rahden übergab, der in die Ausstellung
einführte.
„Schreib, was du willst, aber quäl dich nicht“, habe ihm Spriewald vorgegeben,
erklärte Uhlig, der äußerst humorvoll mit einer Kunstanalyse auf das größte Bild
‚losging‘: „Schrank mit Katze und Selbstbildnis mit Gewehr“. Detailliert
schilderte er, was der Betrachter dort sieht, zauberte daraus eine launige
Geschichte, was dort geschehen sein könnte, und meinte anschließend: „Man kann
sich nur wundern, was alles in so einem Bild steckt, wenn das, was man sieht,
und das, was nicht zu sehen ist, zusammengeführt wird.“ Dies gelte in besonderer
Weise für die Bilder Bernd Spriewalds. Uhlig sah seine Erzählung als eine
Einladung an die Betrachter, die Geschichten zu den anderen dargestellten Szenen
zu finden.
„Was wird der abscheuliche Rupert vor dem gedeckten Tisch als Nächstes tun,
nachdem er offenbar schon der Kasperpuppe ein Auge ausgerissen hat? Wieso duldet
Herr Jennebach, dass sie in seinem Cadillac die Luft so verpesten, dass sie
durch die Scheiben nicht mehr zu erkennen sind?“, warf Rudolf Uhlig nur einige
Fragen zu den verschiedenen Werken auf. Oder der Strand: Auf den ersten Blick
azurblau, auf den zweiten satanisch. Je ruhiger der erste Eindruck sei, desto
abgründiger, was unter der Oberfläche lauert. Das mache das Werk Spriewalds
unverwechselbar, betonte Uhlig.
Realistisch, ironisch, grotesk, skurril, doppelbödig konzentriert sich das
malerische und grafische Werk von Bernd Spriewald auf Menschendarstellung. Woher
bekommt Bernd Spriewald seine Inspirationen? „Die fliegen mir zu“, antwortet er
sofort und verdeutlicht weiter: „Ich reagiere auf meine Umwelt, und was mich
interessiert, das verarbeite ich.“ Wie zum Beispiel seine Arbeit „Strand“ aus
diesem Jahr. „Ich hatte Lust, einen Strand zu malen, und das entwickelte sich
dann mit so einigen Kleinigkeiten“, blickt er schmunzelnd auf sein teilweise
sarkastisches Werk. Er arbeite ohne, aber auch mit Fotos, „und vermenge das“,
sagt Spriewald, der aber auch völlig frei in Öl und Acryl arbeitet. Über Wilhelm
Busch entdeckte er seine Leidenschaft zur Malerei. „Das Erste, an das ich mich
erinnern kann, war diese ‚Maler Klecksel‘-Geschichte, die ich nachgemalt habe.
Dieser dicke Bauch mit der Suppe drin“, blickt er auf seine Anfänge zurück, die
sich dann verselbstständigten. Auf dem Gymnasium lernte er einen Maler kennen,
„der mich sehr gefördert hat.“
Die Ausstellung kann bis zum 20. November täglich (außer montags) von 15 bis 18
Uhr im Schafstall besucht werden.
Wittlager Kreisblatt
Quelle: pm/Wittlager Kreisblatt
17. August 2011
Neue Kunstausstellung wird Freitag
eröffnet
Schafe
kehren in den Bad Essener Schafstall zurück
pm Bad Essen. Wo sich in früheren Zeiten
Schafe an den Fachwerkbalken schubberten, sind ab dem 19. August gemalte
Versionen diverser Kreaturen in den Räumen des Kunst- und Museumskreises Bad
Essen zu sehen.
Tiere
haben sich erst in die jüngsten Bilder Bernd Rüsels eingeschlichen, diese stehen
beinahe gleichwertig neben den menschlichen Figuren und treten mit ihnen in
einen Dialog. Die große Faszination am Thema speist sich – neben ihrer formalen
Anders- und Fremdartigkeit – aus der Beobachtung, dass diese zutiefst seelenvoll
und zugleich selbstvergessen erscheinen können. In der Konfrontation mit dem
menschlichen Figurenpersonal entsteht somit eine besondere Spannung.
Rüsel geht sehr sparsam mit der Darstellung des Umfeldes seiner Figuren um, wenn
er überhaupt verraten will, wo er seine Figuren oder Figurengruppen gesehen
haben möchte. Es reicht ihm eine Horizontlinie, um eine Strandsituation zu
manifestieren, ein Kissen, um ein Sofa oder eine Liege als Erzählort zu
kennzeichnen oder die Spitzen einer Dachlandschaft, die den Betrachter an einen
verborgenen Platz in den Stadtraum mitnehmen.
Ein Großteil der Arbeiten ist auf rohe Holzbohlen gemalt und wird durch diesen
Untergrund stark geprägt. Die Spuren von Gebrochenheit und Verwitterung
erscheinen in der Fläche oder an den Bildrändern und geben dem Ganzen einen
morbiden Charakter, der eine eigene Wirkung auf das Gesamtbild hat.
Die Struktur des Holzes wird zum Bestandteil des Bildes. Es kann zu einer
wundersamen Ergänzung kommen, wenn Tiere auf Holz erscheinen. Denn die
Holzstruktur bringt lederartige Haut oder Fell aufs Beste hervor.
Farben sind bei Rüsels Arbeiten das entscheidende Mittel zur Erzeugung einer
Stimmung. Der Farbklang, der im kontrastiven Nebeneinander wie in feinen
Übergängen entsteht, kann sowohl Ruhe, Gelassenheit und Intimität als auch
Unruhe und Fragilität erzeugen.
So, wie wir das Vergangene und Verlorengegangene idealisieren, künden die Bilder
vom Traumhaften, Paradiesischen und zugleich von der Endlichkeit des Seins und
dem Verlorenen.
Die Ausstellungseröffnung im Schafstall
Bad Essen, Bergstraße 31, findet am Freitag, 19. August, ab 20 Uhr statt.
Die Ausstellung läuft bis zum 3. Oktober und ist dienstags bis sonntags von 15
bis 18 Uhr geöffnet.
Wittlager Kreisblatt
Veröffentlicht am: 07.03.2011
Von Christa Bechtel
Bad Essen.
Innere Welt sichtbar machen Patienten stellen Bilder und Objekte im Schafstall Bad Essen aus
Bad
Essen. „Die Kunsttherapie gehört zu den sogenannten nonverbalen Therapien und
ist mittlerweile an vielen Universitäten als fester Studiengang etabliert. Sie
wird erfolgreich im ambulanten und stationären Bereich oder auch in freier
Praxis bei vielen Zielgruppen eingesetzt“, verdeutlichte Gerda Dingemann,
Kunsttherapeutin der Paracelsus-Berghofklinik.
Im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße führte sie in die aktuelle Ausstellung des Kunst- und Museumskreises (KMK) mit dem Titel „Inside – Outside“ ein.
Zum zweiten Mal biete der Kunst- und Museumskreis Bad Essen, auf Initiative seines Vorsitzenden Dr. Caspar Sieveking und dessen Frau Martina, Patienten der Paracelsus-Berghofklinik und der Wiehengebirgsklinik ein Forum, ihre Bilder und Objekte im Schafstall auszustellen, freute sie sich. Kunsttherapie allgemein gehe davon aus, „dass viele Menschen sich gerade auf emotionaler Ebene besser nonverbal als verbal ausdrücken können.
Da, wo Worte fehlen, setzen in der Kunsttherapie Farben, Formen, Symbole ein“, erklärte Gerda Dingemann, die eingehend darüber informierte, wie dieses Heilverfahren in der Berghofklinik eingesetzt wird. Dieses kunsttherapeutische Konzept hätten sie und Dr. Peter Subkowski, Ärztlicher Direktor der Berghof- und Wittekindklinik, mittlerweile auf vielen internationalen Kongressen wie in Luxemburg, Budapest oder London vorgestellt.
Jeder Mensch, so Dingemann, sei in der Lage, sich authentisch, expressiv und originell auszudrücken und bewirke dadurch eine Veränderung und Verbesserung seiner Lebenssituation. Denn: „Erst in einer angstfreien, von Empathie geprägten Atmosphäre ist es den Patienten möglich, sich authentisch und expressiv auszudrücken, ihre innere Welt nach außen hin sichtbar zu machen. Deshalb haben wir diese Ausstellung „Inside Outside“ genannt“, unterstrich die Therapeutin, die weiter herausstellte, dass im spielerischen Umgang jeder Patient das für sich geeignete Material herausfinden könne. „Kunsttherapie, wie ich sie verstehe, geht über die eigentliche stationäre Therapie hinaus. Das Ziel ist der schöpferische Mensch, der Lebenskünstler, der sein Leben selbst gestaltet, in Eigenverantwortung und sozialer Kompetenz“, schloss Gerda Dingemann. Kreativität fördern
Im Namen des Kunst- und Museumskreises hatte eingangs Martina Sieveking die Patienten, Künstler und Gäste begrüßt, insbesondere Klaus Bogler, Verwaltungsdirektor des Therapiezentrums Bad Essen, sowie die beiden Chefärzte Dr. Peter Subkowski und Dr. Caspar Sieveking, Wiehengebirgsklinik. „Wir hatten 2000 bereits eine Kunsttherapie-Ausstellung, die großen Anklang gefunden hat“, bemerkte sie.
Satzungsgemäß gehöre es zu den Zielen des Vereins, so Vorsitzender Caspar Sieveking, nicht nur Ausstellungen von professionellen Künstlern zu präsentieren, sondern auch die Aktivierung von künstlerischer Betätigung zu fördern. Dies sei des Öfteren mit Schüler-Ausstellungen geschehen, betonte der Vorsitzende. Im Eingangsbereich des Schafstalls sehe man Werke von Patienten der Wiehengebirgsklinik Hüsede, die in der Ergotherapie im Bereich Kreativtherapie entstanden seien, stellte Sieveking dar.
Dazu gehören Acryl-Arbeiten wie „Pferd“, „Leben“ „Stürmisches Leben“ oder die Skulpturen „Gefühle“, „Geborgenheit“, „Ruhe“. In den beiden weiteren Räumen findet der Besucher Exponate der Kunsttherapie von Patienten der Berghofklinik wie Leinwandbilder mit dem Titel „Umarmung“, „Kaos“, „Süchte“. Techniken auf Papier
Zu den unterschiedlichen Techniken auf Papier zählen zur Serie Natur „Stone“, „Air“ oder „Face“, zu den Porträts „Leben I und II“, zu den Gesichtern „Gesichter I, II und III“ sowie Objekte/Skulpturen wie „Die Beiden“ aus Draht und Pappmaschee oder das Gruppenprojekt „Die zerbrochene Säule“ aus Draht, Pappmaschee, Gips, Metall, Acryl.
Bis zum Sonntag, 3. April, kann die neue Ausstellung täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr im Schafstall Bad Essen besucht werden. Einige Exponate können käuflich erworben werden, andere wiederum sind unverkäuflich.
Wittlager Kreisblatt
Veröffentlicht am: 03.10.2010
Betrachter wird Teil der Bilder
Von Christa Bechtel
Bad Essen.

Bad Essen. Ist das nicht Napoleon? Nein, wohl eher nicht... Aber diese Zitronen, sie dominieren stark! Tatsächlich: Das Werk heißt auch „Zwei Zitronen“. Solche oder ähnliche Gedanken werden den Besuchern durch den Kopf gehen, sobald sie den Bad Essener Schafstall betreten und dieser signifikanten Arbeit begegnen.
Arsentij Pawlow stellt seine Werke bis zum 14. November im Bad Essener Schafstall aus.
Auf Einladung des Kunst- und Museumskreises stellt dort Arsentij Pawlow aus Osnabrück etwa 30 seiner Werke mit Lithografie und Malerei aus. Titel: „Aut regem aut fatuum nasci oportere“ (zum König oder zum Narren muss man geboren sein).
Waren es früher Stadtansichten, so stellt Pawlow seit geraumer Zeit Menschen in den Mittelpunkt. Warum? „Ich mag Menschen“, sagt er spontan. Die stehen ihm entweder Modell, er fotografiert sie oder stellt Situationen nach. In seinem „Napoleon“ Werk – übrigens ein Gaukler – sieht der russische Künstler eine Art Symbol für das Künstlerische in jedem Menschen. „Nicht nur in der bildenden Kunst, sondern jeder Mensch hat schöpferische oder zerstörerische Kraft“, ist sich der 1983 in St. Petersburg geborene Maler sicher. Mit seiner Kunst möchte er in keine Schublade ,gesteckt‘ werden, sondern sieht sich im frühen Mittelalter angesiedelt.
„Es hat knapp zwei Jahre gedauert – von der Vorbereitung bis jetzt, dass diese Ausstellung geklappt hat“, freute sich Andreas Arlinghaus-Deutschmann, der im Namen des Vorstandes des Kunst- und Museumskreises die Besucher zur Vernissage willkommen hieß..
„Ich kenne Arsentij nun schon ein paar Jahre und konnte seine künstlerische, wie ich finde, erstaunliche Entwicklung beobachten“, sagte Toni Walz, der in die Ausstellung einführte und nicht nur kunstkritische Gespräche mit dem jungen Künstler führt, sondern: „Wir haben auch seit einem Jahr eine Ateliergemeinschaft“, bekannte er. Die Motive der künstlerischen Arbeiten Pawlows seien in der jüngeren Vergangenheit zusehends fragmentarischer, leerer geworden; die klare Erzählstruktur früherer Bilder habe einen Destruktionsprozess durchgemacht, und auch seine künstlerische Technik habe sich verändert, so Walz. Materielle Eigenart und Motivik würden zu einer spannungsvollen Symbiose finden. Walz: „Bildteile werden auseinandergeschnitten, rücken voneinander weg und schaffen so einen Leerraum, einen Denkraum. Oder sie rücken zusammen, bis sie beginnen, einander zu überlagern oder finden sich hineincollagiert, hineingedruckt in einem völlig neuen Kontext wieder.“
Arsentij Pawlow nehme Figuren, kontrastiere sie mit abstrakten Formen und verbinde die künstlerischen Ausdrucksformen Malerei und Grafik, hier der Lithografie in einem Bild. „Die Figuren in Pawlows Bildern verwickeln den Betrachter in eine Auseinandersetzung, ein zärtliches Augenspiel oder auch Schabernack, bevor Sie es merken“, wandte Walz sich an die Zuhörerschaft. Der Betrachter nehme also an den Bildern teil, und sobald er sich auf diesen Blick einlasse, „ist er gefangen, er ist im Bilde, wird Teil dieser Bilder und ihrer Geschichten. Deren Dramatik ist die des Lebens“, meinte der frühere Bauzeichner. Ein Schauspiel – komplex, tragisch oder komisch, manchmal ganz logisch, dann wieder unverständlich oder hintergründig. „Das Leben eben!“ Die Ausstellung dieses vielversprechenden Malers kann bis zum 14. November täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht werden; der Eintritt ist frei.
Von Christa Bechtel
Bad Essen.
Er ist ein
exzellenter Geiger, er schreibt, er dichtet und er malt: Die Rede ist vom
weltweit gefeierten Schauspieler Armin Mueller-Stahl. Passend zur
Landesgartenschau in Bad Essen präsentiert der Kunst- und Museumskreis (KMK) bis
zum 26. September etwa sechzig „Bildwelten“ von ihm im Bad Essener Schafstall an
der Bergstraße. Zum 1. August werden die Bilder gewechselt.
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| Selbstbildnis, August 1998. |
„Die Frauen wurden zunehmend nervös beim Herannahen dieses Abends. Meine Frau hat heute Nachmittag noch versucht, die Agentur zu erreichen, um doch irgendwie ein Date zustande zu bringen“, meinte launig zur Begrüßung KMK-Vorsitzender Dr. Caspar Sieveking. So wies er eingangs der Vernissage auf das Fehlen des charismatischen Künstlers hin, der zurzeit in Amerika weilt. Danke sagte Sieveking Wolfgang Middelberg von der Osnabrücker Kunsthandlung Hülsmeier, „der den Künstler vertritt und ganz entscheidend an der Vorbereitung und Organisation der Ausstellung mitgewirkt hat“.
„Armin Mueller-Stahl – ein
Name, der für die Darstellung von Charakterrollen internationalen Rangs steht.
Nun macht er sich mit 80 Jahren daran, eine weitere Kunst mit seinem Namen fest
zu verbinden: die Malerei“, unterstrich Petra Schiprowski, Kunsthistorikerin und
langjährige Mitarbeiterin der Galerie Hülsmeier, die in die Ausstellung
einführte. Für Mueller-Stahl sei der Mensch das Zentrum seiner künstlerischen
Tätigkeit: „Der wechselnde Blick auf den Menschen ist Gegenstand seiner Kunst.“
Mit wenigen Strichen oder Pinselführungen hält er das Zentrum seiner Botschaft
fest, „minimalisiert, was durch genaues Hinsehen oder Beobachten erkannt wurde,
und das setzt er mit sparsamen Gesten darstellend um“, erläuterte die
Kunsthistorikerin.
Die starke Expressivität seiner Arbeiten werde durch hohe emotionale Intensität
bedingt. Innere Einfühlung und abstrahierende Vorstellungskraft fänden
dauerhaften Fortbestand auf dem Bildgrund. Stilistisch habe das Multitalent eine
eigene individuelle Ausdrucksform entwickelt, „seine einmalige Zeichensprache,
die die Handschrift, die Persönlichkeit seines Schöpfers spiegelt. Der Künstler
zeigt Präsenz in jedem Bildwinkel“, betonte Petra Schiprowski.
Bis 2000 habe Mueller-Stahls Schaffen ausschließlich seiner Selbstreflexion
gedient; er führte Tagebuch in Bildern. Bedrängt durch seine Freunde, habe er an
seiner früheren Wirkungsstätte Babelswerk eine Auswahl seiner Bilder
ausgestellt, stellte die Osnabrückerin dar. Fünf Jahrzehnte sei er nun
bildkünstlerisch tätig, unzählige Arbeiten auf Papier und viele Malereien seien
entstanden. So sei die Originalgrafik neben Aquarell, Acryl- und Federzeichnung
für ihn zu einem wichtigen künstlerischen Ausdrucksmittel geworden. Seit 2002
vertrete Hülsmeier mit zunehmendem Erfolg und Erstaunen über die wachsende
Qualität der Arbeiten und mit viel Freude Mueller-Stahls grafisches Werk.
Die meisten ausgestellten Werke in Bad Essen stammen aus den letzten fünf
Jahren. Oft hat Armin Mueller-Stahl Motive aus Film und Theater verarbeitet oder
Porträts – mit Vorliebe porträtiert er bekannte Zeitgenossen wie das weltweit
nachgefragte Bildnis „John Lennons“ oder Emil Nolde, einen der bekanntesten und
populärsten deutschen Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts. Aber auch
aktuelle politische Themen, manchmal mit einem Augenzwinkern, reflektiert er in
seinem Atelier in Sierksdorf. Metaphern als Transportmittel für Emotionen, die
den Betrachter berühren, finden sich unter anderem in seinen Buddenbrook-Werken,
seinem der Musik gewidmeten „Jazz in Venice“-Zyklus oder „Ouvertüre zum
Sommernachtstraum“, „Menschheitszirkus“.
Die Ausstellung kann täglich – außer montags – von 15 bis 18 Uhr besucht werden.
Wittlager Kreisblatt, 21.04.2010
Von Christa Bechtel
Bad Essen.
Harald Bircks Orte laden das Auge des Betrachters zu einem Spaziergang ein,
vermitteln eine brillante Farbigkeit, räumliche Tiefe, strahlen aber auch eine
Aura von Geheimnis aus. Spannend komponiert, erzielt der Maler eine lebhafte
Bildwirkung, ausgewogen verbindet er die Bildebenen miteinander. Trotz der
realistisch, jedoch oft abstrahierten Wiedergabe des Motivs entsteht ein
expressiver Ausdruck.
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Harald Birck mit seinem Werk „Ryvarden“. Bis 6. Juni ist die neue Ausstellung zu sehen. Foto: Christa Bechtel |
„Orte“ ist auch der Titel
der neuen Ausstellung des Kunst- und Museumskreises, zu der Dr. Elisabeth
Mardorf Harald Birck im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße begrüßte.
Musikalisch entführte zur Vernissage Gitarrist Hartwig Ventker zu Orten wie
Madrid, Rio oder London. Elis abeth Mardorf stellte sodann den Künstler, der
1960 in Heidenheim an der Brenz geboren wurde, näher vor. Die Anregung zur
Ausstellung sei von der Bad Essenerin Ursel Petrenke gekommen, die ein Werk des
Künstlers besitzt.
„Orte“ habe sehr viel mit dem Leben von Harald Birck zu tun, „denn er hat sich
an vielen Orten bewegt und auch gelebt“, erläuterte Mardorf. Seit 1990 lebt und
arbeitet er in Berlin; Stationen waren oder sind unter anderem der Jemen,
Norwegen, Frankreich. Zu sehen seien sein malerisches und zeichnerisches Werk.
Als Bildhauer habe er ebenfalls sehr viele Skulpturen gefertigt.
„Orte werden, sobald wir sie verlassen haben, unsere Erinnerungswelten“, stellte
Harald Birck heraus, der selbst in seine Ausstellung einführte. Der Titel würde
sehr gut zum Schafstall passen, denn: „Man betritt hier beinahe ein Bild, und
die Wirkung, gerade der Raumbilder, sind wie Fenster zu verschiedenen Welten,
die besonders zur Wirkung kommen“, gab der Künstler seine Empfindungen wieder.
Jede Ausstellung sei ein Fest für die Bilder. „Hier für mich ein Besonderes“,
unterstrich der Wahl-Berliner, dessen besonderer Dank dem Kunst- udn
Museumskreis und Thomas Bochniak galt, „der mit Feingefühl und viel Energie dazu
beigetragen hat, dass die Ausstellung so aussieht, wie Sie sie vorfinden“,
betonte Birck.
„Orte haben mit Menschen zu tun, auch mit Tieren; deshalb findet man meinen Hund
Pablo ebenfalls in der Ausstellung, aber auch einige Porträts“, so Harald Birck.
Seine Inspirationen bekomme er durch Wahrnehmungen, nicht unbedingt in seinem
Atelier, sondern live vor Ort.
„Den direkten Kontakt zum Porträtierten, zum Raum, zur Landschaft, zum
Stillleben muss ich erleben, um sie vielleicht später noch mal abstrakter im
Atelier umzusetzen.“
Im Bild festgehalten hat er ebenfalls in Ryvarden das Leuchtturmareal, auch ein
bekanntes Ausflugsziel an der Westküste Norwegens, das sich ebenso im
Eingangsbereich des Schafstalls befindet, wie beispielsweise ein großes Atelier
Stillleben oder „Fahretoft“, die „Dächer von Marval“. Weitere Motive sind Akte,
Porträts, Stillleben, Landschaften in Öl oder Acryl auf Segeltuch, Eitempera,
Aquarell sowie Kohle- und Tuschzeichnungen.
Wittlager Kreisblatt, 16.02.2010
Von Christa Bechtel (Text
und Fotos)
Bad Essen.
„Erich Begalke
ist ein Künstler, der zum Schmunzeln einlädt. Wer hier durchgeht, wird sehr
konzentriert auf die Bilder schauen und irgendwann denken: Da ist jemand, der
uns als Philosoph etwas durchschaut", meinte Siegfried Hentke, der zur jüngsten
Vernissage des Kunst- und Museumskreises im Bad Essener Schafstall an der
Bergstraße in Vita und Werk des Malers und Bildhauers einführte.
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| Der Künstler Erich Begalke (l.) mit Martina Sieveking vom Kunst- und Museumskreis und Siegfried Hentke (r.), der in die Ausstellung einführte. |
„Sie sehen hier ein sehr
heterogenes Werk“, setzte Siegfried Hentke seine Ausführungen fort und stellte
Begalkes Arbeiten im Eingangsbereich, Hauptraum und den Nebenräumen näher vor.
„Man braucht Zeit, um die Dinge in sich aufzunehmen“, unterstrich er. Im
Mittelpunkt stehe der Mensch, „der gleichzeitig ein Teil einer Landschaft ist;
beides gehört zusammen“, erläuterte der Kunstlehrer.
„Herr Begalke ist hier in Bad Essen nicht unbekannt; er hat zusammen mit Julia
Meiners von der Kunstschule Bad Essen in Osnabrück studiert“, hatte eingangs
Martina Sieveking vom Kunst- und Museumskreis Bad Essen herausgestellt, die die
Besucher zur ersten Ausstellung im neuen Jahr begrüßt hatte.
„Seit meiner Schulzeit habe ich schon gezeichnet beziehungsweise gemalt.
Heimlich, wenn es in den Mathematikstunden zu langweilig war“, bekennt der 1941
in Ehrenfeld/Posen geborene Künstler im Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe
von den Schülern gelernt, „und die hoffentlich von mir auch“, sagt der bis 2007
tätige Kunstlehrer impulsiv. Seine Motive und Themen bekommt er, während er
arbeitet, „abgesehen von den gezielten Karikaturen, da weiß man, was man will“,
betont der heutige Nordhorner.
Heraus kommen burleske Gestalten in verzwickten Situationen, dicke und dünne
Menschlein – Menschliches und Allzumenschliches – die aufsteigen, schweben und
wieder fallen. In Erich Begalkes Werken findet sich die ganze Fragilität des
Daseins wieder, die er als stiller Beobachter in sich aufgenommen hat. Sein
wichtigstes Gestaltungsmittel dabei ist die Farbe, die eine eruptive Kraft
vermittelt. Akribisch trägt der Maler meist Acrylfarbe, zu der später noch etwas
Ölfarbe hinzu kommt, mit Schwämmchen oder kleinen Tüchern auf seinem
vorgrundierten Werk auf, schafft Schraffuren und erzeugt nicht nur eine enorme
Plastizität, sondern auch eine besondere Farbbrillanz und Leuchtintensität, die
unübertrefflich ist.
Märchenhafte, romantischen Fabelwesen begegnet der Betrachter beispielsweise in
Begalkes Werken „Gartenzwerge bei der Nachtschicht“, „Romantische Mondnacht“
oder „Blaue Stunde eines Waldschrates“, „Sterngucker“. Skurril, fast schon
absurd muten dagegen seine Kleinskulpturen wie „Stopp“, „Sechs Tanzende“ oder
„Schwebezustand“ an, die aus Streichhölzern, Pappmachée, Modelliermasse und
Bronze entstanden.
Von Hartwig Ventker
Bad Essen.
Eine der beständigsten Traditionen im hiesig en Kulturleben ist das alle Jahre
wiederkehrende Konzert zum 2. Weihnachtsfeiertag im Bad Essener Schafstall an
der Bergstraße.
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Das Konzert im Schafstall gestalteten in diesem Jahr Sayaka
Schmuck (links) und Isabel von Bernstorff (rechts). Jutta Kröning vom Kunst-
und Museumskreis Bad Essen begrüßte die Künstlerinnen. Foto:
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Zu Gast in diesem Jahr waren die
Klarinettistin Sayaka Schmuck mit ihrer Klavierbegleitung Isabel von
Bernstorff, die zu Beginn von Jutta Kröning vom Kunst- und Museumskreis dem
Auditorium in einem Kurzporträt vorgestellt wurden. Die musikalische
Visitenkarte des international vielfach ausgezeichneten Duos erstreckt sich von
Europa über Kairo bis nach New York.
Vorbereitet hatten die beiden Künstlerinnen ein Programm mit Werken des Barock
und der Früh- beziehungsweise Hochromantik. Zu Beginn erklang ein sogenannter „Gassenhauer“ der Barockzeit: die Air aus der
3. Orchestersuite D-Dur von Johann Sebastian Bach. Ein Werk, das bis heute in
allen nur denkbaren Instrumentalkombinationen zu Gehör gebracht wird. Dem
Publikum wurde sofort deutlich, wie hier zwei professionelle und seriös
agierende Musiker die lyrische Seite des Komponisten darlegten, ohne in einen
übertriebenen romantischen Schmelz zu verfallen.
Beeindruckend, wie dem Werk bis heute immer wieder neue Facetten der
Darstellung abgewonnen werden. In den 1849
erschienenen Fantasiestücken op.73 von Robert Schumann, der Sonate Es-Dur,
op.102 von Johannes Brahms, einem hochromantisch abgeklärten Alterswerk aus dem
Jahre 1894 sowie dem 1815 veröffentlichten Grand Duo Concertante
op.48 von Carl Maria von Weber, dem Entwickler der deutschen romantischen Oper,
entwickelte sich die gesamte Ausdruckspalette der romantischen
Interpretationsgeschichte von ihren zartesten Lyrismen über federleichte und
tänzerische Spielweisen bis hin zu lebhaften und derb zupackenden Rhythmen mit
zeitweise ekstatischen Ausbrüchen.
Sehr geschmackvoll, wie das Duo inmitten dieser klassisch-romantischen
Gefühlswelt den Zuhörern eine Eigenbearbeitung der Sinfonia
Nr. 10 aus dem zweiten Teil des Bachschen Weihnachtsoratoriums präsentierte.
Ein Werk mit dem höchsten Wiedererkennungswert, das
den Hörern die Gelegenheit gab, in der permanenten Hochspannung und
Konzentration der romantischen Literatur des 19. Jahrhunderts die „musikalische
Seele“ im Sinne einer musikantisch-religiösen Kontemplation der
Weihnachtsfeiertage ein wenig baumeln zu lassen.
Ein großartiges Duo war hier am Werk. Sayaka Schmuck verfügt über einen exquisit-kantablen Klarinettenton,
und ihre Begleiterin Isabel von Bernstorff wurde den Ansprüchen an eine
romantisch-sinfonische Klavierbegleitung mehr als gerecht. So entwickelte sich
eine meisterhafte Verschmelzung von Klaviersatz und Klarinettenstimme mit
feinstem Gespür für einen intelligenten kammermusikalischen Dialog.
Wieder einmal – wie in all den Jahren zuvor – war das Publikum Zeuge eines
großartigen Kammerkonzerts, welches die Mitarbeiter des Kunst- und
Museumskreises mit viel Einsatz, Umsicht und sicherem Gespür für ein
hochkarätiges Niveau im Schafstall organisieren. Wie auch immer der sogenannte Feiertagsstress sich bei jedem Einzelnen
ausprägt – ein Weihnachtskonzert im Schafstall hat heilende Wirkung.
Wittlager Kreisblatt, 26.11.2009
Von
Bad Essen.
„Ich male gerne, weil ich dann meine Mitte finde. Das ist der Moment, wo sich
das Malen verselbstständigt“, erläutert Mechthild Darquenne
-Danwerth. Auf Einladung des Kunst- und
Museumskreises stellt die Künstlerin bis zum 3. Januar 36 ihrer
fotorealistischen Ölbilder unter dem Motto „Augenschmaus“ im Bad Essener
Schafstall an der Bergstraße aus.
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Fotorealistisch: ein „Löffelbild“ aus dem Jahr 2005. Fotos:
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„Willkommen
zum Festmahl des Sehens“, begrüßte Andreas Arlinghaus Deutschmann im Namen des
Kunst- und Museumskreises etliche Kunstinteressierte. Er führte mit der Malerin
ein lockeres Sofagespräch. Begonnen habe Mechthild Darquenne-Danwerth
mit naturalistischen Momentaufnahmen und Kinderporträts.
Während ihrer Lehrtätigkeit habe die in Mentrup-Hagen
aufgewachsene heutige Kunst- und Französischlehrerin an einem westfälischen
Gymnasium viele Preise bekommen, wie den Picasso-Preis vom Picasso-Museum
Münster.
„Wenn ich als leidenschaftlicher Bekenner von Schokosoße diese dort sehe, bin ich
begeistert“, meinte Andreas Arlinghaus Deutschmann. Präzision im Detail und
etwas detailliert wahrnehmen, erfahren, begreifen: „Das ist Sinnlichkeit,
Wahrnehmung, Ästhetik pur“, betonte er. Auch Thomas Bochniak,
Betreuer der Ausstellungen im Schafstall, habe ihm versichert: „Andreas, nach
dieser Ausstellung bin ich drei Kilo schwerer ...“
„Der hat mich auch drei Wirsinge gekostet“, ging Mechthild Darquenne-Danwerth
in dem äußerst humorvollen Gespräch auf ihre Arbeit „Wirsing“ ein. Sie habe
festgestellt, dass er wie eine Pflanze in einem Topf wachse, „wenn man ihn
unten immer wieder abschneidet.“ Es seien vertraute Motivobjekte, grundlegende
Lebensmittel wie Brot, Eier, Porree oder Zitrone. „Nach welchen Kriterien
suchen Sie überhaupt ein Motiv aus?“, fragte Arlinghaus Deutschmann die
Malerin. Zum einen seien es Fotos, „die mich ansprechen“. Dann konstruiere sie
auch, wähle interessante Optiken von unten oder von oben oder durch die
Vergrößerung. „Mich interessieren vor allem visuelle Reize, die Darstellung im
Licht, denn wo Licht ist, ist auch Schatten. Und das sind eigentlich alles
meine Betrügereien hier“, stellte sie augenzwinkernd fest.
„Außerdem kann ich nur in Öl malen, weil ich dieses Nass in Nass einfach
herbeisehne“, gestand sie. Mechthild Darquenne-Danwerths
farbenfrohe Bild er wirken fast schon surrealistisch,
da sie überdimensioniert arbeitet. Penibel, mit Minipinseln fokussiert sie auf
bestimmte Zentren des Bildes, schafft dreidimensionale Strukturen, dass man
meint, die Trauben, den grünen Spargel, die Artischocke oder den Lachs auf
Alufolie anfassen beziehungsweise sogar verzehren zu können. Und nicht selten
läuft dem Betrachter dabei das Wasser im Mund zusammen.
Wittlager Kreisblatt, 01.10.2009
cb Bad Essen.
„Ich be obachte die
Bewegungen, ihren Ausdruck“, so Susanne Heitmann, die bis zum 15. November im
Schafstall in Bad Essen ausstellt. Schemenhaft, verschwommen, manchmal auch
geheimnisvoll wirken die Figuren, deren Gegenständlichkeit sich durch
Farbdichte und Struktur ausdrückt. Der Betrachter begegnet hier einem inneren
Bild der Künstlerin Susanne Heitmann, die zurzeit ihre aktuelle Bildserie
„Momente – Im Strom der Zeit“ bis zum 15. November im Schafstall an der
Bergstraße in Bad Essen ausstellt.
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Im
Namen des Kunst- und Museumskreises begrüßte
„Die Malerei fand ich immer schon faszinierend, und ich wollte gerne auch etwas
Künstlerisches machen“, erzählt Susanne Heitmann im Gespräch mit unserer
Zeitung. Nachdem sie Agrarwissenschaften in Bonn studiert hatte, widmete sie
sich erst im reiferen Alter dem Studium der Kunstpädagogik mit den
Schwerpunkten Malerei, Druckgrafik und Literaturwissenschaft. Die „inneren“
Bilder der gebürtigen Kölnerin entstehen meist aus genauen Beobachtungen der
Menschen im Alltag. „Das sind Personen aus meinem engsten Umkreis – Kinder,
Freunde – und wenn ich in einem Café oder einer Kneipe bin, setze ich mich
immer so, dass ich ganze viele Leute sehe. Ich beobachte die Bewegungen, ihren
Ausdruck und wie sie zueinander sind. Das spiegelt sich in meinen Bildern
wider“, verdeutlicht die Künstlerin. Dazu gehöre auch ihr Archiv an Fotos,
Studien, Skizzen, Abbildungen, „daraus schöpfe ich.“
Warum widmet sich Susanne Heitmann der Zeit, der Vergänglichkeit, dem Verfall?
„Das finde ich unwahrscheinlich spannend, in einer Zweidimensionalität eine
Dreidimensionalität einzufangen. Das bewegt mich immer wieder, dass
verschiedene Gesten, Figuren oder seelische Ausdrücke in einem bestimmen
Zeitablauf sich auch verändern.“ Besondere Inspirationen würden ihr römische
Hauswände bieten, „wo immer Schicht auf Schicht draufgemalt wurde, die jetzt
abblättern. Diese Vergänglichkeit ist auch ein Zeitzeichen: der alte Mann geht
schattenhaft in die Hauswand rein, löst sich auf in der Struktur. Das Kind aber
kommt ebenfalls schattenhaft heraus“, weist Susanne Heitmann auf ihr Werk „Im
Strom der Zeit I“ (2008).
Anfangs habe sie viele Bewegungen gemalt, aber „die Figuren werden jetzt etwas
stiller, sitzen teilweise, oder ich halte nur einen Ausschnitt fest“, bemerkt
die Malerin, die in Öl arbeitet, die Pigmente selbst anmischt, sodass sie die
Konsistenz frei wählen kann. Strukturen erzeuge sie durch Farbe, die sie jedoch
sehr dünn in Schichten aufträgt.
Zur Ausstellung im Schafstall, die dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr
besucht werden kann, gehören weiter Arbeiten wie „Aufbruch“, „Aus dem Dunkel I,
II, III“ oder „Freunde“ und verschiedene Porträts.
Wittlager Kreisblatt, 13.08.2009
Menschengestalten im Mittelpunkt
Von
Bad Essen.
Anmut, Energie, Kraft und Lust, Bewegung und Ruhe: all das vermitteln die
kunstvoll gestalteten Figuren der Kasseler Künstlerin Karin Bohrmann, die dabei
zu vollendeter Formensprache findet.
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Am Büfett. Die Kasseler Künstlerin Karin Bohrmann stellt
ihre Menschengestalten bis zum 20. September im Bad Essener Schafstall aus.
Fotos: |
Mit
dem Titel „Menschengestalten“ und dem Thema „Bewegung und Tanz“ stellt sie 54
ihrer plastischen Arbeiten und Zeichnungen bis zum 20. September im Bad Essener
Schafstall an der Bergstraße aus.
Vorsitzender Dr. Caspar Sieveking konnte zur Vernissage wieder etliche Freunde
und Gäste des Kunst- und Museumskreises begrüßen. Für den musikalischen Rahmen
sorgte Michael Grubschat am Klavier.
„Karin Bohrmann entdeckte schon in ihrer Kindheit ihr künstlerisches Talent. In
der Schule entstanden die ersten Karikaturen von ungeliebten Lehrern, und in
ihrer Freizeit zog sie sich oft in ihr Malzimmer zurück“, erklärte Sara Grubschat aus Münster, die die Einführung in das Leben und
das Werk von Karin Bohrmann, ihrer Mutter, gab.
Seit Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeiten stehe das Thema „Mensch“ im
Vordergrund. Mit verschiedenen Materialien habe sie sich mit diesem Thema
bildhauerisch und zeichnerisch auseinandergesetzt, so Sara Grubschat.
„Ich wollte eigentlich in die Malerei, bin aber durch Zufall in der Bildhauerei
gelandet“, berichtet Karin Bohrmann im Gespräch mit unserer Zeitung.
Nach dem Studium habe sie ihr erstes Atelier mit ihrem Ehemann Georg Roth
gegründet, der auch Bildhauer ist. „Ich bin nun seit 30 Jahren Bildhauerin“,
sagt sie fröhlich. Nebenbei male und illustriere sie gerne.
Was bedeutet für sie eigentlich Bewegung und Tanz? „Ich tanze selber sehr
gerne, und Leute, die mich tanzen sehen, sagen: Jetzt weiß ich, wieso die
Figuren sich so bewegen“, entgegnet sie. Sie interessiere die Bewegung,
insbesondere sehe man das auch in ihren Zeichnungen – die Bewegung könne man
mit einem spontanen Strich darstellen.
Das gehe in der Bildhauerei leider nur sehr schwer, „jedoch mit der Technik des
Wachsaufbaus, wo man sehr filigran und bewegt arbeiten kann“, versuche sie es
dennoch.
Meistens beginne sie mit dem Kopf, „was etwa eine halbe Stunde dauert, aber ich
fertige zehn Köpfe und beginne mit dem Körper“, verdeutlicht die Künstlerin den
Arbeitsablauf, der möglichst spontan und zufällig sein soll.
Karin Bohrmann arbeitet die Figuren aus Wachsplatten, die anschließend in
Bronze abgegossen werden, wodurch die eigentliche Form verloren geht.
Woher bekommt sie ihre Inspirationen? „Eigentlich aus der Beobachtung der
Menschen heraus, und zwar interessiert mich besonders die versteckte
Körpersprache“, bekennt sie.
Diese versuche sie in den Figuren wie gehemmte, angespannte Sprache
wiederzugeben.
Weitere Ideen erhält sie in Tanz-Workshops. „Manchmal ist es ein Paar oder ein
Einzelner; hier versuche ich, wie in Trance zu zeichnen, das heißt, ich darf
nicht mehr denken, sondern es muss schnell gehen, und dann kommt die Dynamik“,
erläutert sie. Diese Zeichnungen seien manchmal Inspirationen für ihre Figuren.
Zu sehen in der Ausstellung, die dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr
besucht werden kann, sind farbig angelegte Zeichnungen zum Thema Bewegung und
Tanz. Ein besonderer Blickfang sind die farbig bemalten Betonfiguren, die die
Stiefmutter und Stiefschwestern aus dem Märchen „Aschenputtel“ zeigen.
cb Bad Essen.
„Das, was sich sehe, ist wahrscheinlich in fünf Jahren nicht mehr da!“ Mit
diesen Worten erklärt der freischaffende Zeichner und Grafiker Holger Kerkhoff die für einen jungen Künstler des Jahrgangs 1968
eher erstaunliche Motivation, ausgerechnet alte Häuser, verfallene Schuppen,
Viehtränken oder alte Zäune zu zeichnen und zu malen.
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Der Künstler, Zeichner und Grafiker Holger Kerkhoff stellt insgesamt 40 seiner Werke noch bis zum
19. April im Bad Essener Schafstall aus. Fotos: |
Unter
dem Motto „Mal wieder vorbeigeschaut“ stellt Kerkhoff
auf Einladung des Kunst- und Museumskreises bis zum 19. April insgesamt 40
seiner gezeichneten Beobachtungen im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße
aus.
„Schön, dass Sie heute vorbeigeschaut haben“, begrüßte denn auch zur Vernissage
Andreas Arlinghaus-Deutschmann, der die Ausstellung
organisiert hatte, die Kunstinteressierten. Bevor er Dr. Lisa Mardorf, die in
die Ausstellung einführte, das Wort übergab, stellte er kurz den Künstler
biografisch vor, der auf einem Resthof in Schüttorf,
Grafschaft Bentheim, aufwuchs und mit feinem Strich und einer enormen
Detailgenauigkeit altbäuerlich-ländliche Architektur in seinen Fokus stellt.
„Hier zeichnet keiner, der einfach nur detailbesessen Dinge festhalten will.
Hier ist ein Künstler am Werk, der Vergangenes würdigt und ihm die Chance gibt,
einen Platz der Erinnerung zu finden“, unterstrich Lisa Mardorf. Holger Kerkhoff gehe es aber nicht um Nostalgie, nicht um
romantische Verklärung einer vermeintlich heilen Vergangenheit, nicht um
malerische Ansichten: „Ihm geht es um Bewahren, aber er ist kein Archivar,
sondern er hält mit Bleistift und Federn mit Papier und Farben eine Welt fest,
die nur noch in der Erinnerung existiert, deren materielle Form immer mehr
verschwindet, abgerissen oder renoviert wird“, sagte die gebürtige Emsländerin.
Auf Holger Kerkhoffs Bildern sehe man keine Menschen,
„aber die Häuser, in denen sie gelebt haben, die Schuppen voller Werkzeuge und
die Zäune, deren Pfosten mühsam in den Boden gerammt wurden, lassen diese
Menschen erspüren“, so Lisa Mardorf. Die Werke würden neugierig machen auf die
Lebensweise früherer Generationen, „und es ist sicher kein Zufall, dass er oft
von Museen um Mitarbeit gebeten wird“, betonte sie weiter. Manchmal begleite er
Gebäude über Jahre hinweg, wie ein mehr als 300 Jahre altes Bauernhaus in der
Grafschaft Bentheim, das ihn zu dem Titel „Mal wieder vorbeigeschaut“
inspirierte.
„Ein zeichnerisches Grundtalent war vorhanden“, erklärt Holger Kerkhoff im Gespräch mit unserer Zeitung. Dieses habe sich
während seines Studiums intensiviert mit Beginn einer Thematik, „eben dieser
bäuerlichen Zeichnungen“. Ohne Kanalisation und mit Einfachverglasung sei er
auf einem Resthof, der nicht mehr bewirtschaftet wurde, aufgewachsen. „Das hat
geprägt“, ist er sich sicher, „und das Beobachten über die Jahre hinweg, dass sich da etwas ändert.“
Das Verschwinden der alten Architektur schreite immens voran, „und diese
authentischen Fragmente aufzuschnappen, macht mir Spaß“, bekennt Holger Kerkhoff lächelnd.
cb Bad Essen.
Während der Mitgliederversammlung des Kunst- und Museumskreises Bad Essen im
Schafstall an der Bergstraße wurde Jutta Kröning zur neuen zweiten Vorsitzenden
gewählt. Auf eigenen Wunsch trat
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Der Vorstand des Kunst- und Museumskreises Bad Essen ist
für die nächsten zwei Jahre gewählt worden. Foto: |
„Die
neuen Mitglieder haben sich intensiv um Ausstellungen gekümmert, sowohl sie zu
akquirieren als auch zu sie organisieren. Sonst wäre das Programm der letzten
zwei Jahre sicher nicht so reichhaltig gewesen“, lobte Vorsitzender Caspar
Sieveking während seines Berichtes das sachkundige Engagement der neuen
Vorstandsmitglieder, die vor zwei Jahren in dieses Gremium kamen. Elisabeth
Mardorf habe inzwischen einen Flyer erstellt, mit dem
der Verein sich zukünftig der Öffentlichkeit präsentieren wolle, und
„Wir sollten uns früher um Künstler und Ausstellungen kümmern, um die
Vorausplanung besser zu gestalten“, war nur ein Wunsch des Vorsitzenden, der
sich weiter wünschte, „dass wir ein Büro und Archiv haben und dass es eine
Verjüngung des Vorstandes gibt“. Mit der Gemeinde, mit Bürgermeister Günter Harmeyer, „der auch Gründungsmitglied war“, so Sieveking,
kooperiere man ebenso hervorragend wie mit dem Kur- und Verkehrsverein, der
Kunstschule Bad Essen sowie Kurios, dem Kulturring Ostercappeln. Des Weiteren
stellte Caspar Sieveking die Aktivitäten wie Ausstellungen, Fahrten und
Konzerte der vergangenen zwei Jahre vor. Das Weihnachtskonzert am 26. Dezember,
17 Uhr, im Schafstall gestalten Sandra Schumacher, Oboe, und Masako Eguchi, Klavier, teilte
Jutta Kröning weiter mit.
„Wir haben nach wie vor hohe Energiekosten“, mahnte Kassenwart Andreas Hoff-meier in seinem Bericht. Dadurch, dass der Verein 2007
einige Gönner gehabt hatte, „konnten wir uns ein wenig retten“, so Hoffmeier,
der die Mitglieder auf rund 160 bezifferte. „Ohne Unterstützung der Gemeinde
wären wir nicht überlebensfähig“, unterstrich der Kassenwart abschließend. „Wir
haben eingehend geprüft“, lobten die Kassenprüfer Heiko Hiese
und Ursula Möhr-Loos die korrekte Führung der Kasse.
Wiedergewählt wurden der Vorsitzende Caspar Sieveking, Kassenwart
„Wir hatten im Sommer- und Wintersemester durchschnittlich 25 Kurse mit etwa
200 Aktiven“, teilte
cb Bad Essen.
„Ich habe so etwas noch nie gesehen, aber ich bin sehr beeindruckt, wie
spannend das hier präsentiert wird“, sagte Jutta
Kröning vom Kunst- und Museumskreis Bad Essen im Schafstall an der Bergstraße.
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Nicht gemalt und nicht gezeichnet, aber dennoch
ausdrucksstark und mit eigener Botschaft. Fotos: |
Ihr besonderer Gruß galt Isabella
Hannig, die bis zum 11. Januar im Schafstall ihre „Erinnerungsstücke“
präsentiert, „die auch in England, Frankreich, Tschechien und Ungarn gezeigt
wurden“, so Jutta Kröning. In die Ausstellung führte Isabella Hannig dann
selbst ein.
Warum hat Isabella Hannig ihrer Ausstellung den Titel „Erinnerungsstücke“
gegeben? „Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Erinnerungsstücken,
Erinnerungen, da ich einige Ereignisse in meinem Leben hatte, wo Erinnerung
wichtig geworden ist“, erklärte die Künstlerin im Gespräch mit unserer Zeitung.
Da sei ihr die meditative Technik ihrer Fadengrafik entgegengekommen, „weil ich
finde, dass diese Fäden auch Erinnerungen festhalten, die ich gestaltet habe“.
Sie nähe einfach, „anstatt dass ich zeichne, und die
Fäden verbinden das Gezeichnete und Bezeichnete fest mit dem Bildgrund. Ihre
Reste lasse ich hängen, Erinnerungsstücke, die ich zurücklassen muss“,
beschreibt Isabella Hannig ihre Vorgehensweise.
So wirken die Zeichnungen/Grafiken ausgefranst oder vermitteln dem Betrachter
eine filigrane Zerbrechlichkeit. „Die Fäden können verknüpfen, verschleiern,
ordnen oder verwirren“, sagt die Künstlerin, die ihre Arbeiten alle per
Handarbeit Stich für Stich gestaltet. Der Untergrund ist meistens transparente
Seide mit der sie Tiefe, Räumlichkeit, aber auch Verfremdung erzeugt.
Oft wählt Isabella Hannig die Farbe Schwarz, wohingegen ihre roten Arbeiten
direkt ins Auge des Betrachters fallen. Warum Rot? „Im Jahr 2002 habe ich nur
in Rot gearbeitet, weil Rot für mich Leben bedeutet. Sie ruft mir viele
Erinnerungsstücke sehr lebendig ins Gedächtnis, sie brennt sich ein. Je
fröhlicher sich mein Leben gestaltete, desto schwärzer habe ich wieder
gearbeitet“, gesteht die frühere Studienrätin, deren künstlerisches Anliegen es
ist, Erinnerungen erfassbar zu machen.
Mit den Fäden will sie die Flüchtigkeit der Erinnerung darstellen, jedoch auch
die Beharrlichkeit, mit der diese sich im Gedächtnis einprägen. Ebenso können
und sollen die Vernetzungen von Erinnerungen, zum Beispiel an Menschen oder
Ereignisse, deutlich werden.
Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist ihre Bildsäule „Wichtigkeiten? –
Nichtigkeiten?“. Die Installation von 50 transparenten Einzelbildern hält
wichtige Tagesereignisse mit schwarzem Faden fest, so wie sie in Schlagzeilen
der Tageszeitungen dokumentiert und kommentiert wurden und werden, stellt
Isabella Hannig dar.
Die schwarze Farbe erinnere dabei an die Druckerschwärze der Zeitungen.
Dazwischen gestreut sind einzelne Bilder in roter Farbe, die persönliche
Situationen zeigen.
„Die Tagesereignisse sind vergangen, die Erinnerung daran ist fadenscheinig
geworden, nur die roten Bilder haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt“, so
die freischaffende Künstlerin.
Werke mit besonderer Tiefenwirkung sind ihre „Lustvoll diskutierenden Hände“,
„Transparente Portraits“ oder „Bin ich schön?“, „Goldmarie“, „Friedensstadt“
oder die Trilogie „Rapunzel, lass dein Haar herab!“.
Von
Bad essen.
Einen gelungenen Cocktail aus Musik, teils haarsträubenden Miniaturen,
schwarzhumorigen Kurzgeschichten, grotesken Dramoletten
und schrägen Epigrammen präsentierten Sänger und Gitarrist Wolfgang Rieck und
sein Freund, der Schriftsteller Michael Augustin, zur letzten Runde der 14. LiteraKur im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße.
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Ein unterhaltsames Duo: Michael Augustin (links) und
Wolfgang Rieck. Foto: |
Veranstalter
war der Verband deutscher Schriftsteller, Landesbezirk Niedersachsen-Bremen –
Jutta Sauer hatte in bewährter Weise wieder für einige literarisch-musikalische
Highlights gesorgt – in Kooperation mit dem Kur- und Verkehrsverein Bad Essen.
„Heute Abend zum Abschluss haben wir zwei Hanseaten aus Lübeck und Rostock mit
ihrem Programm ,Zu Hülfe‘ zu Gast“, begrüßte Wolfgang
Bielefeld vom Kur- und Verkehrsverein Michael Augustin, als Poet und Erzähler
mit vielen Auszeichnungen bedacht, und Wolfgang Rieck mit seinen zahlreichen
Instrumenten. „Man könnte meinen, es kommt ein ganzes Orchester, sagte
Bielefeld.
„Wir freuen uns, heute in diesen
heiligen Hallen zu sein“, betonte Wolfgang Rieck zum Einstieg. Es gebe, wie
beim Wein, gute Jahrgänge. „Ein besonders guter ist der Jahrgang 1953. Er ist
Hanseat, in Lübeck geboren, hat einen literarischen Virus der sehr gesunden Art
in sich, lebt als Schriftsteller und Rundfunkredakteur seit vielen Jahren in
Bremen und ist berühmt geworden durch ,Augustins Miniaturen‘“, stellte Rieck
Michael Augustin vor.
„Da kann man kaum noch was sagen, da
muss man gleich arbeiten“, konterte der Wahl-Bremer, der sogleich einige
Miniaturen zum Besten gab und unter anderem das Regelwerk des DFB veränderte: „Ersatzspieler
dürfen lediglich zu 49 Prozent aus Ersatzteilen bestehen...“ „Wir sind ja beide
an der Ostseeküste aufgewachsen, etwa 80 Kilometer auseinander. Wir haben in
unserer Kindheit im selben Sande gespielt, hatten aber nie Gelegenheit, uns
zwischen 1953 und den 80er Jahren zu treffen, weil es einen Zaun zwischen den
Stränden gab“, stellte einige Zeit später Augustin Wolfgang Rieck vor. Er habe
mit großer Freude die Entwicklung des „jungen Mannes“ verfolgt, der damals im
Duo Piatkowski & Rieck spielte. Später gehörte er
zur Gruppe „Liederjan“. „Mit ganz großem Atem trägt er auch plattdeutsche Texte
vor“, sagte Augustin über diese künstlerische Freundschaft.
Mit gefühlvollen Balladen,
raubeinigen Shantys oder vertonten Gedichten über Seefahrt, Liebe, Tod und
Teufel fesselte auch Wolfgang Rieck mit seiner markanten Stimme die Zuhörer.
Aber: „Sie haben alle Eintritt bezahlt, den sie auch richtig absingen können.“
Während des Shantys über einen Smutje unterstützte das Publikum Rieck lautstark
mit „Seggt he“. Ein kurzweiliger, sehr persönlicher
Abend zwischen Bühne und Auditorium, der erst nach mehreren Zugaben endete.
Von
Bad Essen.
„Solange ich denken kann, habe ich Spaß am Malen und Zeichnen“, betonte Stephan
Thörner während der Vernissage des Kunst- und
Museumskreises im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße. Unter dem Motto
„Improvisation – Komposition“ mit dem Thema „Raum & Zeit“ stellt der
Künstler bis zum 13. Juli einige seiner Werke dort aus.
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Der Künstler war bei der Eröffnung anwesend. Stephan Thörner mit seinem Werk „Square Dance“. Fotos:
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Andreas
Arlinghaus Deutschmann vom Kunst- und Museumskreis begrüßte die
Kunstinteressierten und stellte die Vita des 1958 in Osnabrück geborenen Malers
und heutigen Wahl-Hamburgers kurz vor. In die Ausstellung führten die
Literatur- und Kunstwissenschaftlerin Nanne Leimkühler und Kunstlehrer Wolfgang
Echelmeyer, beide Studienfreunde von Stephan Thörner, ein.
Raum und Zeit manifestieren sich in
der Anschauung, im Sehprozess, sagt Stephan Thörner.
„Für mich ein kantiger Satz. Wie funktioniert das mit der Anschauung und dem
Seh-Prozess?“, fragte Nanne Leimkühler Wolfgang Echelmeyer.
Das experimentelle, improvisierte Verschränken von Flächen, Linien und
Techniken führe bei Thörner zu einer vielperspektivischen Malerei, erklärte Echelmeyer,
der an die Malerei bis zum Klassizismus erinnerte. „Da geht die Blickrichtung
des Betrachters ins Bild hinein, es entsteht gewissermaßen eine Vis-à-vis-Situation“, so der Kunstlehrer. Seit dem
Impressionismus würden sich die Bildgrenzen auflösen, das Bild dehne sich in
alle Richtungen und führe den Blick des Betrachters über die Bildgrenzen
hinaus.
Und genau diesen
grenzüberschreitenden Effekt versuche Stephan Thörner
zu verstärken. In seinen Arbeiten wechseln die Bildelemente ihre Positionen im
Seh-Prozess, sie gehen vor und zurück und weisen über den Bildrand hinaus. „So
entstehen szenisch immer neue Bilder, Ansichten und Eindrücke desselben
Werkes“, verdeutlichte Echelmeyer.
Der Betrachter finde sich im Dialog
mit dem Bild in einem Raum-Zeit-Gefüge wieder, in dem die
Objekt-Subjekt-Beziehung aufgehoben sei. Die Farbe sei Thörners
Medium für Raum und Zeit, seine Rip-off-Technik
erwirke die Materialität der Farbe, ihre haptische Qualität. Echelmeyer: „Sie bröckelt, ist lose oder ganz fest. Sie
bildet eine raue Oberfläche und erinnert an verwitterte Fassaden. Mit dieser
Technik zeigt Thörner Zeit, macht ihren Ablauf, ihr
Fortschreiten erfahrbar und zeigt gleichzeitig den Augenblick.“ Die
Improvisation sei ein Arbeitsprozess, der Zufälligkeiten zulasse und spontanes
Agieren erfordere. Genau darin stecke für Thörner
eine außerordentlich große Kraft. „Durch sein kompositorisches Eingreifen wird
diese Kraft, dieser Impuls beim Anschauen von Stephans Bildern deutlich, und
für den Betrachter wird Thörners Arbeitsprozess im
eigenen Seh-Prozess anschaulich“, erläuterte Wolfgan
g Echelmeyer, und Nanne Leimkühler wünschte den
Besuchern: „Gönnen Sie sich alsbald einen echten Thörner
für daheim.“
Die 34 Tafelbilder und Objekte der
Ausstellung hat Stephan Thörner überwiegend in
Mischtechnik auf Leinwand, Karton, Holz oder Papier gearbeitet. Seit den 90ern
arbeitet er mit seiner eigenen „Rip-off“-Technik.
Hier bringt er Farbe auf zwei Leinwände und klebt diese aufeinander. „Wenn ich
sie abziehe, bleiben manche Sachen stehen oder fallen ab“, veranschaulicht er
die Zufallseffekte.
Daher begegnet man in seinen Werken
überwiegend Rastern und Karos, „um diese Zufälligkeiten zu bändigen, sie in
eine gerichtete Energie zu lenken“, so Thörner, für
den Karos und Raster etwas Universelles sind, wo die Bildgrenzen aufgehoben
werden. Und das Auge vervielfältige diese Karos und Raster.
cb Bad Essen.
„Das Rot des Sofas ist zwar nicht echt, aber der Künstler, seine Bilder und wir
sind echt, und wir stellen auch echte Fragen“, sagte Andreas Arlinghaus
Deutschmann vom Kunst- und Museumskreis, der mit Dr. Elisabeth Mardorf zur
Vernissage mit Werken von Markus Tepe im Schafstall
einführend ein Künstlergespräch auf dem Sofa führte.
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Noch bis 16. Mai sind Arbeiten von Markus Tepe in Bad Essen zu sehen. Fotos:
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Sechzehnjährig
entdeckte der 1971 in Dinklage geborene Markus Tepe
für sich die Malerei und das Zeichnen. Bücher von Hermann Hesse setzte er
seinerzeit in Malerei um. Da habe er Feuer gefangen, besuchte Museen, wo er für
sich die Frühe Moderne entdeckte. Diese verbinde er mit den Expressionisten und
Surrealisten; eines seiner Vorbilder wurde Joseph Beuys. Doch ab diesem
Zeitpunkt war für Markus Tepe klar: „Ich will an die
Kunstakademie.“ Die absolvierte er von 1994 bis 1998 in Münster. „Dann hatte
ich genug vom Westen und ging in den Osten (Dresden), der 1998 sehr spannend
wurde“, erläutert Tepe. Seit 2006 arbeitet der
Künstler als Dozent für Malerei an der Europäischen Kunstakademie Trier.„Es geht mir nicht um das Realistische, sondern um einen
Dialog mit der Natur, mit dem Erlebten, letztendlich mit sich Selbst zu
finden“, verweist Markus Tepe auf seine Arbeiten. Er
zeichnet Dinge, vor allem Pflanzen und Landschaftliches, nach der Anschauung
und nach der Erinnerung. Tepe: „Meiner künstlerischen
Arbeit liegt ein Interesse zu Grunde, das die Zusammenhänge von Erfahren,
Empfinden, Medialisierung und deren Rückkopplungswirkungen aufeinander
untersucht.“
Zeichnen heißt für Markus Tepe in der suchenden
Linie, in ihrer Entfaltung, ihrem Formwandel und ihrem Charakterzug, kurz
gesagt, im Fluss der Zeichnung Sinnfälligkeit in Erfahrung zu bringen.
Richtungen werden Linien, verspannen sich mit der Fläche, bilden
Nachbarschaften, formen Rhythmus, verdichten sich, ballen sich zu energetischen
Zentren, die sich in gegenläufigen Bewegungen entladen. Eine Linie die „hier“
noch Baumkrone ist, verwandelt sich „dort“ zu einer Uferböschung. Das, was im
Raum schwerer Körper ist, gebiert im Blatt vielleicht nur eine leichte amorphe Graphitspur.In der Ausstellung, die bis zum 18. Mai täglich
(außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht werden kann, finden die Betrachter
Werke wie „Bäume“, „Pflanzen“, „Wald (Böschung)“, „Brandung bei Lentas (Kreta)“ oder „Orchideen über Landschaft“, in
Techniken wie Lithografie auf Bütten, Tusche mit Rohrfeder, Graphit und
Fettkreide oder Acryl auf Nessel.
cb Bad Essen.
"Ich hoffe, dass wir am Ende viel über ,Wenig'
und nicht wenig über viel wissen", meinte humorvoll
Sie konnte zur ersten Vernissage im
neuen Jahr im Schafstall nicht nur die ausstellende Bielefelder Künstlerin
Sabine Wenig, sondern auch Oliver Stümann (Galerist,
Kurator und Freier Ausstellungsmacher aus Berlin, der in die Ausstellung
einführte) sowie etliche an Kunst interessierte Gäste begrüßen.
"Es ist ein spannender Moment,
wenn Kunstwerke den Ort ihrer Entstehung verlassen", erklärte Oliver Stümann zu Beginn seiner Ausführungen. Oft würden sie ein
überraschendes Eigenleben entfalten, sobald sie vom Atelier des Künstlers an
ihren neuen "Wirkungsort" gebracht werden.
Unaufdringlich und zugleich
unaufhaltsam würden sie sich ihren Raum erobern, zuweilen in einer Weise, wie
sie selbst dem Künstler nicht vorgeschwebt hat.
Die drei Themen der neuen
Schafstall-Ausstellung, chiffrierte Kindheitserlebnisse aus der Serie "Umbrella Kid", kulinarische Collagen aus der Reihe
"To eat or to be eaten" und
"Süffisante Ansichten aus der Heimat" aus der Serie "Naherholung
Heimat", die im Schafstall verteilt seien, sind nach den Worten Stümanns eine kleine Retrospektive einiger Arbeiten, ein so
genanntes "Best of" einiger der seriellen Arbeiten der vergangenen
fünf Jahre der Künstlerin.
"Mein Vater hat immer gemalt,
und schon als kleines Kind nahm ich ihm die Farben weg", berichtete Sabine
Wenig im Gespräch mit unserer Zeitung.
Vierjährig bekam sie daher ihren
ersten Kasten mit Malkreide. Ob im Urlaub oder am Wochenende: "Wenn mein
Vater .malte, war ich an seiner Seite" Mit zehn Jahren bekam sie ihre
eigenen Aquarellfarben, und als ihr Vater begann, in Öl zu malen, "mischte
ich mich wieder ein." Mit zwölf Jahren war Sabine Wenig in Sachen Farben
voll ausgestattet.
Nach ihrem Kunststudium mit dem
Schwerpunkt Malerei folgte ein Lehramtsstudium in den Fächern Musik und
evangelische Theologie. Danach reiste sie als freie Künstlerin durch einige
west- und südeuropäische Länder. Aber "mein Steckenpferd war
Mittelamerika", bekennt sie strahlend. Hierzu entstand 2000/02 die Serie
"Campus".
"Ich konstruiere meine
Biografie neu", geht Sabine Wenig auf ihre Serie "Umbrella
Kid" ein, zu der bereits über achtzig Arbeiten entstanden sind, und sie
wächst weiter. Das Original ist ein winziges Schwarzweiß-Foto mit den Maßen
7x9, das die Bielefelderin als dreijähriges Mädchen mit großem schwarzen Schirm in einer Dünenlandschaft zeigt. Sabine
Wenig variierte es am Computer, schuf Elemente als Collage, die sie wiederum
mit dem Programm und per Hand zerschnitt. Mit unterschiedlichen Techniken und
stellenweise in Wachs konserviert, setzte sie sie wieder zusammen.
"Zuerst das Alte, dann das
Neue. Es macht Spaß, mit Möglichkeiten zu spielen", sagt sie zum Ideen-
und Entstehungsprozess.
Ihre kulinarischen Collagen wie
"Stockente", "Kaninchen - bretonische Art",
"Sardinen-Büchse" oder "Forellenquartett" vermitteln dem
Betrachter ein großes Gespür von Farbigkeit und plastische Tiefe. Dazu hat die
Malerin manchmal Fotografien von ihren Reisen in südliche Gefilde montiert oder
Auszüge aus Kochbüchern geklebt.
Sabine Wenigs
"Naherholungs"-Serie ist zwar
gegenständlich, strahlt aber Charme, Witz, Ernst und Ironie aus.
Da begegnen den Besuchern im
Schafstall "Banale Schafe", der "König der Schützen", der
so einige Wildschweine erlegt hat und sie - wie Trophäen - um sich geschart
hat, oder die "Freigänger" (im Tiergarten) und "Still ruht der
See".
Die Ausstellung mit insgesamt 66
Arbeiten von Sabine Wenig kann bis Sonntag, 30. März, täglich - außer montags -
von 15 bis 18 Uhr besucht werden.
cb Bad Essen.
"Fassaden sind für mich Gesichter, die von der Zeit geprägt sind und die
ich in meinen Werken sichtbar machen möchte", sagt Rolf Escher. Zurzeit
präsentiert er unter dem Titel "Das Leben der Dinge" über 60 seiner
Arbeiten im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße.
"Es ist das zweite Mal, dass
wir eine Ausstellung von Rolf Escher zeigen. Ich habe viele Freunde gesprochen,
die die erste von 1992 noch in guter Erinnerung haben", erklärte Caspar
Sieveking als Vorsitzender des Kunst- und Museumskreises (KMK), der zur
Vernissage in die Ausstellung einführte. Darin fänden die Besucher verschiedene
Themenbereiche, "denen sich Rolf Escher in seiner künstlerischen Laufbahn
gewidmet hat."
Da sei zunächst einmal das
Hauptthema "Venedig". Ausgehend von dem kleinen Hotel Pensione Calcina, hat der
Künstler Venedig durchstreift auf der Suche nach Objekten für sein künstlerisches
Schaffen.
In seinem Venedig-Bildband schreibt
der frühere Kunstpädagoge und Professor der Fachhochschule Münster (Fachbereich
Design) über die venezianischen Paläste: "Ich habe in diesen Räumen Tag
für Tag viele Stunden verbracht auf der Suche nach der verlorenen Zeit, darum
bemüht, die Dinge beim Zeichnen zum Sprechen zu bringen. Das wurde mein Thema:
Das alt gewordene, abgenutzte Ding in seiner Stofflichkeit zu erforschen, in
seiner sinnlichen Ausstrahlung sichtbar zu machen, überdeutlich bis zur
Befremdlichkeit, und damit eigentlich den Menschen in seiner
Zeitverfallenheit."
Ein weiteres Thema, so Sieveking,
seien die Bücherwelten.
"Rolf Escher hat altehrwürdige
und berühmte Bibliotheken in verschiedenen Ländern besucht und als Motiv
genutzt", verwies Sieveking auf einige Beispiele im Eingangsbereich des
Schafstalls: "Was ich an den Bildern bewundere, ist die zeichnerische
Präzision und die vermeintliche Klarheit der künstlerischen Aussage. Ich sage
vermeintlich, denn je klarer eine Aussage ist, umso mehr Fragen wirft sie
auf." Diese Klarheit bestehe für ihn in der freundlichen Einladung zu
einem zirkulären Frage-Antwort-Spiel, zu einer Zwiesprache, "wobei jede
Antwort eine neue Sichtweise ins Spiel bringt und neue Fragen aufwirft",
so der KMK-Vorsitzende, der weiter feststellte, dass der Mensch in Eschers
Bildern fast überhaupt nicht vorkommt. Sieveking: "Nur wir selbst als
Beobachter sind die einzigen Menschen, die sich in den Bildern bewegen."
Oder, wie es eine Besucherin ausdrückte: "Er deutet an, und das Auge denkt
weiter."
Rolf Escher ist einer der
bedeutendsten Maler und Zeichner der Deutschen Gegenwartskultur. Seit Jahren
ist er in ganz Europa auf Motivsuche in Bibliotheken von Oxford bis Berlin.
"Ich habe immer schon
gezeichnet", erzählt er im Gespräch. Später kam die Malerei, dann die
Radierung, eine Schwarzweißphase, bis er sich der Grafik und der Federzeichnung
widmete.
Auf seinen zahlreichen Reisen spürte
Rolf Escher geheimnisvollen Welten und der Magie der Räume nach. In seinen
Impressionen oder auch Kompositionen aus unbelebten Gegenständen verdichtet er
suggestiv seine Erlebnisse im Medium der Zeichnung und macht sie sinnlich
erlebbar.
"Die Dinge, die ich sehe, oder
die Hinterlassenschaften, mit denen möchte ich etwas erzählen, Dinge zum
Sprechen bringen", ist der Wunsch des Künstlers.
Zum Titel der Ausstellung, die im
Schafstall bis einschließlich 6. Januar täglich von 15 bis 18 Uhr zu sehen ist
(außer montags), gibt es auch einige Bücher von Rolf Escher: "In Venedig
gezeichnet" (Skizzenbuch), "Spuren nach innen - Zeichnerische Suche
in Deutschland", "Bücherzeiten" und "Das Leben der
Dinge".
Wittlager Kreisblatt, 26.11.2007
cb Bad Essen.
Der Kunst- und Museumskreis feierte im schmucken Ambiente des Bad Essener Schafstalles
an der Bergstraße sein 25-jähriges Bestehen.
"Wir wollten keine pompöse
Jubiläumsfeier", unterstrich 1. Vorsitzender Dr. Caspar Sieveking, der
Gäste von nah und fern begrüßen konnte.
Festredner Bürgermeister Günter Harmeyer überbrachte eingangs Grüße und Glückwünsche zum
25-jährigen Jubiläum von Rat und Verwaltung der Gemeinde Bad Essen und
erklärte, dass er bei der Gründung am 4. August 1982 im Hotel Reckum an der Lindenstraße mit dabei gewesen sei.
"Warum ich damals die Gründung des Kunst- und Museumskreises (KMK) mit
unterstützt habe, das hatte Gründe", betonte Harmeyer.
Ende der 1970er/Anfang der 1980er
Jahre habe sich der Schafstall, "ein ohne Zweifel ortsbildprägendes
historisches Fachwerkgebäude", in einem trostlosen Zustand befunden. In
dieser Zeit sei er im Bauamt für den Bereich "Baudenkmale" zuständig
gewesen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit habe er aber auch, sozusagen als
"Fan", ein privates Interesse an der Erhaltung historischer
Fachwerkarchitektur entwickelt, so Harmeyer, derzehn Jahre lang als Schatzmeister des KMK für die
Finanzen zuständig war. "Diese Aufgabe hat mir viel Freude bereitet, war
sie doch verbunden mit der Planung und finanziellen Betreuung der kompletten
Instandsetzung des Schafstalles mit dem Ergebnis, dass das renovierte Gebäude
am 7. Juni 1986 neu eröffnet werden konnte" , bemerkte der Rathauschef,
der nun Rückblick auf die Geschichte des Schafstalles hielt.
Das Besondere bei der Errichtung des
Schafstalles sei gewesen, dass das Gebäude als sogenannter
"Fachwerk-Wandständerbau" errichtet worden sei: "Das heißt, das
gesamte Gebäude wird durch die Fachwerkaußenwände, die Deckenbalken und
Dachkonstruktion statisch gehalten und getragen", verdeutlichte der
Festredner, dass "mit dieser Wandständerkonstruktion der Schafstall
einmalig weit und breit ist".
Als nun 1982 der KMK gegründet
worden war, "war es von Anfang an das Ziel, sich auch für die Erhaltung
des Schafstalles einzusetzen und zu einem kulturellen Zentrum in der Gemeinde
Bad Essen auszubauen". Viele Mitglieder, Freunde und Gönner des KMK hätten
hier ein beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement gezeigt, unterstrich Harmeyer, der an dieser Stelle Thomas Bochniak,
der guten Seele des Hauses, für eine fast 25-jährige Mitarbeit dankte.
Heute sei der Schafstall das
kulturelle Zentrum für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. Im Durchschnitt
kämen jährlich bis zu 6000 Personen, "also von 1986 bis heute rund 130000
Besucher", freute sich Harmeyer. Dies sei nur
möglich, weil sich immer wieder Bürger, insbesondere die Mitglieder, engagieren
würden. Harmeyer erinnerte hier an die früheren
Vorsitzenden Helmut Horstmann, Karin Schiller und Anneliese Meyer zur Capellen. Zwei Familien hätten die Arbeit aber besonders
geprägt: Hiltrud und Helmut von der Heyde und Martina und Caspar Sieveking.
"Als der KMK gegründet wurde,
habe ich noch nicht gewusst, dass es Bad Essen gibt" ,
räumte Caspar Sieveking ein. Seit 1990 habe er sich mit seiner Frau dem aktiven
Kern angeschlossen.
In diesen Jahren sei die Tätigkeit
immer aufs Neue spannend und interessant gewesen, so Sieveking. - Im Anschluss
an den Jubiläumsakt wurde die Ausstellung "Das Leben der Dinge" mit
Werken von Rolf Escher eröffnet
Wittlager Kreisblatt, 17.09.2007
Von
Bad Essen.
"Ich habe heute das Vergnügen, nicht nur eine Künstlerin vorzustellen,
sondern vier", freute sich Andreas Arlinghaus-Deutschmann,
der im Namen des Kunst- und Museumskreises zur Vernissage im Bad Essener
Schafstall die Bielefelder Künstlerinnen Magdalene Bischinger
(Malerei, Holzschnitte, Radierungen),
In die Ausstellung
"Menschengestalten", die bis zum 11. November täglich von 15 bis 18
Uhr (außer montags) geöffnet ist, führte Bildhauerin Claudia Winkel ein.
"Menschen gestalten Menschengestalten. Schon immer. Blicken wir zurück,
dann sind es zahllose Künstler, die sich in den verschiedensten Epochen diesem
schwierigen Thema zu nähern versucht haben", stellte Claudia Winkel zu
Beginn fest. Behutsam ergründe Magdalene Bischinger
das Holz, arbeite sich langsam, aber beharrlich und bestimmt Schritt für
Schritt immer tiefer in die Materie hinein. Die organischen Körperformen, wie
man sie auf dem Skizzenblatt sehe, würden sich zu grafischen, klaren Linien
verwandeln, Spannung entstehe, werde gesteigert durch den experimentellen
Einsatz unüblicher Arbeitswerkzeuge wie die Radiernadel oder die elektrische
Säge.
"Bei den hier ausgestellten Arbeiten
handelt es sich um die Technik des verlorenen Druckstocks", so Claudia
Winkel. Die Drucke seien Zeugnisse einer Spurensuche, schemenhaft die
menschliche Figur umreißend. Ebenso schemenhaft, jedoch von ungleich atmender
Leichtigkeit die Radierungen.
Bewegung in der Skulptur würden in
Einem Orchester gleich erscheine das
facettenreiche Spektrum an Farben und Formen, mit welchen Christine Venjakob arbeitet. Den Besuchern begegnen üppige Formen,
satte Farbtöne, gesetzt in heftigem, unmittelbarem, zuweilen gar brutal
gesetzten Duktus, um im nächsten Moment von einer an Zerbrechlichkeit
grenzenden Zartheit überrascht zu werden. Neu in ihrem Schaffenszyklus sind
Materialkollagen aus verschiedensten wertvollen Stofffragmenten und sogar
originalen, handschriftlichen Notenblättern oder Kuriositäten, von der
Künstlerin im Laufe vieler Jahre auf Reisen gesammelt.
Eigens für die Ausstellung hat die
Dichterin Sigrid Lichtenberger für Christine, Jutta
und Magdalene Gedichte geschrieben. "Gedichte können Brücken sein,
geschwungene Wege vom Ich zum Du", so die Poetin. Der Gedichtband kann
übrigens im Schafstall erworben werden.
Wittlager Kreisblatt, 20.06.2007
cb Bad Essen.
"Ich habe nichts anderes gemacht als gemalt", erklärt August Ohm, der
unter dem Motto "Im Licht Italiens - Neue Bilder" 35 seiner Arbeiten
in Mischtechnik bis zum 29. Juli im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße
ausstellt.
"Italien inspiriert mich ganz
intensiv. Ich habe mein Atelier in Florenz so ausgesucht, dass ich in
unmittelbarer Nachbarschaft von Donatello, Botticelli
und Michelangelo arbeite. Das sind für mich starke Herausforderungen: Entweder
man lässt den Pinsel fallen, oder man stellt sich diesen
Herausforderungen", verdeutlicht der gebürtige Berliner seine Liebe zu
diesem Land, in dem er seit 1975 wirkt. 1991, nachdem er sieben Jahre lang
gesucht hatte, fand er endlich in Florenz das Atelier, das ihm vorschwebte.
Ohm: "In Italien verdichtet sich Kunst wie in keinem anderen Land."
Die Medien Farbe und Formen wurde
Ohm bereits in die Wiege gelegt, denn sein Vater war der bekannte Maler und
Architekt Wilhelm Ohm, von dem er die erste künstlerische Ausbildung erhielt.
Nach seinem Abitur bekam er den Diplomabschluss an der Werkkunstschule Hamburg.
Es folgten kultur- und kunstgeschichtliche Studien. Auf Wunsch seiner Eltern
übernahm Ohm für kurze Zeit bühnen- und kostümbildnerische Arbeiten für Theater
und Fernsehen. "Danach war ich nur noch als freier Maler und Zeichner
tätig", verrät Ohm seine Passion. Ein weiteres Atelier hat er in Hamburg
und ein Studio in Berlin.
Leuchtende Gegenwart und prachtvolle
Vergangenheit vereinen sich in August Ohms Werken. Im Eingangsbereich des
Schafstalls begegnen die Besucher zum Beispiel der Trilogie "Wiese auf
Torcello". Ohms Kontrastprogramm zum reichen, prächtigen Venedig, das pure
Natur - greifbar, irdisch und kosmisch zugleich - vermittelt. "Perseus nach Cellini"
beinhaltet drei Zeitebenen: die antike Mythologie, die Renaissance und das Hier
und Jetzt des Geschehens. Expressiv die topografischen Landschaftssituationen
in der Toskana, in der der Künstler gekonnt das besondere Licht dieser Landschaft
eingefangen hat.
"Ich habe immer die Tendenz,
Werkgruppen zu schaffen", sagt Ohm, der als Hommage an Botticelli
"Madonnenköpfe" für die Ausstellung zur Verfügung stellte. Hier
wählte der Maler immer wieder den gleichen Ausschnitt. Doch durch Farbe,
Farbauftrag und Struktur gewann jedes Bild einen völlig anderen Charakter. In
Anlehnung an den romantischen Dichter Novalis wählte Ohm dazu ein
wiederkehrendes Schleiermotiv. "Hinter diesem Schleier verbirgt sich die Welt
der Assoziation, der Erinnerung und der Fantasie."
Im letzten Raum dann die deutschen
Werke wie Sylt - die eingerüstete Keitumer Kirche
oder die Dresdner Frauenkirche - hier hat Ohm den Beginn des Wiederaufbaus
festgehalten - sowie Schloss Sanssouci. "In einer Balance von Einfühlung
und Verwandlung gelingen August Ohm ganz neue Interpretationen des mitunter nur
scheinbar Bekannten. Mit einer reichen Variation von Farbe, Farbauftrag und
malerischem Duktus schafft er eine immer wieder beeindruckend frische
Anschauung von Kunst", stellte
Wittlager Kreisblatt, 26.04.2007
Von
Bad Essen.
"Quirlige Arbeiten entstanden in diesem "drunter und drüber", an
denen Schüler mit Lust und Freude gearbeitet haben", unterstrich Alfred
Möllers, Schulamtsdirektor i.R., im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße. Damit
verriet er auch gleich den Titel der jüngsten (Schul-)Ausstellung, zu der der
Kunst- und Museumskreis Bad Essen bis zum 10. Juni einlädt.
"Die Arbeiten
,drunter und drüber' entstanden im Bereich der musisch-kulturellen
Bildung", verdeutlichte Organisatorin und 2. Vorsitzende des Kunst- und
Museumskreises,
"Es ist ein inhaltliches Thema,
das zu uns gehört. Denn in welchem Leben geht es nicht
,drunter und drüber'?", warf Möllers als Frage auf und ging
speziell auf einige Werke ein. Was passiert eigentlich im Kunstunterricht?
Möllers: "Kunst hat auch etwas mit Können zu tun, verlangt Präzision und
Durchhaltevermögen. Das kann nur gelingen, wenn Hingabe, Emotionen, Empathie
dabei sind."
Was beeindruckt an dieser
Ausstellung?, fragte Möllers. "Dass in jedem
Menschen ein kreatives Potenzial steckt, dass die soziale Dynamik in der Gruppe
genutzt wurde." Und schließlich habe ihm die Farbintensität sehr
imponiert. "Man muss ja fröhlich werden, wenn man durch diese Ausstellung
geht", schloss Möllers.
Bereits im Eingangsbereich begegnen
die Besucher der Ausstellung dem farbenfrohen Wandbehang "Erwachen".
Freies Weben mit unterschiedlichen Materialien haben die Schüler der
Astrid-Lindgren-Schule hier zu einem echten Hingucker
entwickelt. Weiter entdeckt man Collagen wie den "Karneval der Tiere"
oder "Unten + oben = arm + reich" sowie als Applikationen "Kuck
mal drunter" und "Masken mit Durchblick". Herausragend auch die
Fotoüberarbeitung/Sticktechnik. Hier wurden in bestehenden Fotos textile
Techniken durch wichtige Merkmale verstärkt.
Ein Highlight der Ausstellung ist
zweifelsohne das Monumentalwerk "Drehbilder - Hommage an Escher", das
in Acryl auf Holz gearbeitet wurde. "70 Schüler und Schülerinnen der
Klassen acht bis zehn haben mehrere Monate daran gearbeitet", erläutert
Anja Nobbe, die Kunst und Mathematik studiert und
zurzeit an der Haupt- und Realschule Bohmte ein
Praktikum absolviert. Hommage an Escher? Die flächenfüllenden
Bilder des Holländers M. C. Escher, der ausschließlich grafische Arbeiten schuf
und es in den Techniken des Holzschnitts, der Lithografie und der Radierung zur
technischen Perfektion brachte, sind weltweit bekannt. Menschliche oder
tierische Formen reihte er lückenlos zu Flächen aneinander.
Auch in dem Werk der Bohmter Schüler ist das Zusammenspiel von Mathematik und
Kunst faszinierend und regt die Fantasie an. "Archetypische Urelemente
wurden hier verarbeitet", zollte auch Alfred Möllers den Drehbildern
Respekt.
Wittlager Kreisblatt, 26.02.2007
Von
Bad Essen.
Er ist ein romantischer Träumer mit Witz und Tiefgang, Poesie und Leichtigkeit:
der Maler, Musiker, Grafiker, Autor, Holzschneider, Karikaturist und Chansonier
Dieter Huthmacher, der jetzt auf Einladung der Tourist Information Bad Essen in
Kooperation mit dem Kunst- und Museumskreis im Schafstall an der Bergstraße in
Bad Essen gastierte.
Das Allroundtalent sorgte bereits im
vergangenen Jahr mit seiner Ausstellung "Kopfstand der Fantasie" für
Furore. Jetzt kehrte der 1947 in Pforzheim geborene Liedermacher und
Kabarettist mit seinem Konzertprogramm "Federleicht" zurück.
"Ich habe mir ein Lied geschrieben, als ich 55 war", eröffnete
Huthmacher sein Programm, die "55" betonend, mit "Ich weiß
nicht, was alles noch kommt, wenn die Sonne ins Meer fällt", und die
Zuhörer erfuhren, was er in den Jahren aus seiner Zeit gemacht hat.
"Ein Mann schafft alles -
irgendwie", erklärte der Pforzheimer augenzwinkernd, um dann nuancenreich
die empfindsame Seele des Mannes mit "Das muss was Ernstes sein" zu
beschreiben. Dabei provozierte er die ersten Lachsalven.
"Zwei Gründe, warum Schwaben
verreisen: Es ist umsonst, oder es kostet nichts", erklärte der
Textdichter und Komponist, der hier den "Urlaubskick - Urlaubsklick"
vermittelte mit dem Fazit: "Das Schönste war der Bastelkurs am Vierwaldstätter See!" Noch blieb das Publikum beim
Thema Urlaub, denn in vier Wochen Freizeit könne man durchaus ein Regal von
Ikea aufbauen. Die Gebrauchsanweisung dazu gab Huthmacher erst auf Schwedisch,
dann Chinesisch, Russisch, Arabisch... Die Lachtränen rollten.
Was ist typisch Deutsch? Die
Doppelhaushälfte, Dosenpfand, Gartenzwerge, Öffnungszeiten für
Altglascontainer... Beeindruckend sein Zeitungs-Rap und seine Version von
Hänsel und Gretel in der heutigen Null-Bock-Sprache. Voll krass! Zur Pause dann
ein Liebeslied für seinen Großvater: "Du warst mein Haus, meine Brücke,
mein Dach", anrührend und voller Wärme.
Schlag auf Schlag ging's auch im
zweiten Teil weiter mit einem Unfallbericht, der vor schwarzem Humor nur so
triefte, der besonderen Studie über eine Ehe. Das Bad Essener Publikum bekam
den Tipp: "Wenn du einen Engel siehst, lerne 'Engelisch'."
Dieter Huthmacher ist ein
feinsinniger Liedermacher und Kabarettist, der Texte und Gedichte vorträgt, mal
schwäbisch-derb, mal hintersinnig-philosophierend, er
karikiert die Sprache der Politiker messerscharf. Seine Lieder singt er voll
lyrisch einfühlsamer Poesie und verliert sich dennoch nicht in der heilen Welt.
Denn immer, wenn es zu harmonisch zu werden droht, bringt er die Zuhörer zurück
in die Realität. Kurzweilig erlebten diese im Schafstall einen sehr
humorvollen, lebendigen, manchmal bissigen, aber auch hintersinnigen Abend, der
"federleicht" mit einigen Zugaben endete.
Wittlager Kreisblatt, 13.02.2007
Von
Bad Essen.
Ihre Arbeiten vermitteln große Ruhe, ihre Formen und Farben versprühen
mediterrane Leichtigkeit. Sie versteht es, der Atmosphäre und dem Klang einer
Landschaft nachzuspüren und ihre Harmonie und Poesie sichtbar werden zu lassen:
Die Osnabrücker Künstlerin Ruth
Stahl, die auf Einladung des Kunst- und Museumskreises Bad Essen bis zum 15.
April im Schafstall an der Bergstraße in Bad Essen Aquarelle, Zeichnungen und
Radierungen ausstellt.
Zur Vernissage konnte Vorsitzender
Dr. Caspar Sieveking etliche Besucher begrüßen. Die Einführung in die
Ausstellung übernahm Dr. Elisabeth Mardorf, die vorab Biografisches und dann
das Oeuvre der 1928 in Nürnberg geborenen Künstlerin vorstellte.
Auf vielen Reisen, die Ruth Stahl
gemeinsam mit ihrem Mann, dem Bühnenbildner Robert Stahl, unternommen habe,
seien Aquarelle, vor allem von südlichen Städten und Landschaften, entstanden.
Diese Bilder malte und malt die Künstlerin
grundsätzlich direkt vor Ort. Um eine authentische Stimmung aufnehmen und
wiedergeben zu können, baut sie ihre Staffelei an Straßen, Plätzen und in der
Natur auf, verdeutlichte Elisabeth Mardorf. So strahle in ihren Werken förmlich
das Licht mediterraner Länder.
Ebenso in ihren Radierungen
verwirkliche Ruth Stahl ihre Vorstellung von Leichtigkeit und Transparenz, aber
gleichzeitig auch Prägnanz. Mardorf: "Einige Radierungen haben
zeichnerische Klarheit, andere die Durchsichtigkeit und Zartheit von
Aquarellen." In ihren Buchgrafiken greife sie literarische Motive auf. Als
Beispiel können die Besucher die Illustration zu Oskar Kokoschkas Erzählung "Der
Brunnen" betrachten.
Nachdem Ruth Stahl mit ihrem Ehemann
Südfrankreich, die Provence, kennen gelernt hatte, reizte es sie, die
Architektur, das Licht und die Atmosphäre von Städten wie Venedig, Florenz oder
Rom kennen zu lernen. "Ich war in diesen Städten immer wieder. Wenn man
länger an einem Ort ist, lernt man ihn besser kennen und sieht immer wieder
etwas Neues", verdeutlicht Ruth Stahl, die oftmals drei bis vier Wochen in
diesen Städten weilte.
"Ich lasse mich stets auf das
jeweils vorherrschende spezielle Licht ein. Setze ich mich ein weiteres Mal mit
diesem Motiv auseinander, wird deshalb ein ganz neues Ergebnis entstehen",
erklärt die gebürtige Nürnbergerin, die ihre Farben zum Klingen bringen möchte,
denn "ich muss sie wie Töne in der Musik zueinander in Beziehung
setzen".
In der Ausstellung, die täglich
außer montags von 15 bis 18 Uhr besucht werden kann, befinden sich neben den
südländischen Motiven wie "Unter Platanen in Südfrankreich",
"Siena, Stadttor" oder "Venedig, Quartiere Cannaregio"
auch heimische Motive. Hierzu zählen die "Schelenburg",
"Wassergraben am Schloss Hünnefeld" sowie
"Abend am Schloss Hünnefeld". Zu ihren
Zeichnungen gehören auch ein Selbstbildnis, das sich
aber im Privatbesitz befindet. Vervollständigt wird das breite Spektrum von Ruth
Stahls Arbeiten durch 13 Aquatinta-Radierungen.
Wittlager Kreisblatt, 30.12.2006
Von Hartwig Ventker
Bad Essen.
Einen guten Griff tätigte der Bad Essener Kunst- und Museumskreis mit der
Verpflichtung der Harfenistin Assia Cunego zum traditionellen Weihnachtskonzert im Schafstall.
Hoch waren die Erwartungen an die 1983 in Italien geborene und mehrfach
international ausgezeichnete Künstlerin. Sie wurden nicht enttäuscht. Die
zahlreichen Zuhörer wurden Zeuge eines äußerst stimmungsvollen Solokonzerts.
Die Harfe, bisher eher als farbgebendes Orchesterinstrument bekannt, ist auf dem
besten Weg, sich mehr und mehr als Kammermusik- beziehungsweise Soloinstrument
im Konzertleben zu etablieren. So ist es auch das Ziel der jungen Harfenistin,
bei ihren zahlreichen Konzertreisen quer durch Europa, dem Publikum weniger
bekannte, aber nicht minder interessante Originalliteratur für ihr Instrument
vorzustellen.
Gleich zu Beginn des Konzerts konnte
A. Cunego in den "Variations
sur les Folies d'Espagne" des französischen Komponisten Xavier Desargus ihr gesamtes technisches und künstlerisches
Ausdruckspotenzial entfalten. Variationswerke stellen gerade in dieser Hinsicht
höchste Anforderungen an den Interpreten, die die junge Künstlerin souverän und
mühelos meisterte. Das Werk liegt im Spannungsfeld zwischen Klassik und
Romantik, wobei sich rasch abwechselnde Moll-Figuren immer wieder zu feurigen Prestissimi-Einlagen steigern.
Die spielerische Virtuosität, die
gestalterische Kompetenz und der Sinn für interpretatorische Freiheit waren bei
der Künstlerin durchweg zu spüren. So erlebte man bei dem belgischen
Komponisten Felix Godefroid: Les Danses
des Sylphes (Tanz der Luftgeister) ein elegantes,
wohlklingendes Stück, das Assia Cunego
mit viel Sinn für dynamische Ausprägungen und enormer Taktsicherheit darbot.
Das konzertant-freie, mit tänzerischer Grazie
gespielte Werk, das spätromantische Züge mit leichtem Hang in den
"nordischen" Dunstkreis aufwies, zeigte einmal mehr die spielerische
Reife der Künstlerin.
Ein Bonbon für das Bad Essener
Publikum mit entsprechend Wiedererkennungswert war
das bekannte Werk Frederik Smetanas: die Moldau. Auch
hier beeindruckte die Harfenistin mit einer spannenden Abwechslung zwischen
zarten, sphärischen Klängen und perlend-kraftvollem Spiel.
In der Konzert-Suite "Around the clock"
der 1981 in New York verstorbenen Komponistin Pearl Chertok
geht es um die klangliche Umsetzung eines belanglos anfangenden
Allerweltstages, der sich im weiteren Verlauf dramatisch steigert, um sich
schließlich gegen Mitternacht in einen wahnsinnigen Harfenmord (Harpicide) zu entladen. Viele musikalische Elemente des 20.
Jahrhunderts wie Swing, Jazz und Blues fanden bei dieser Komposition ihre
harfenimmanente Ausdeutung und großartige Gestaltung. Sehr aufregend und
mittlerweile typisch für die neueste Musik unserer Tage ist das Einbeziehen von
schauspielerischen Einlagen, die zum selbstverständlichen Bestandteil einer
zeitgenössischen Interpretation gehören.
Nach einer Umbaupause, nach der das
Publikum aus dramaturgischen Gründen in einer neuen Sitzordnung um die
Harfenistin herum platziert wurde, fand das Programm seinen Abschluss mit dem
50-minütigen Werk des holländischen Komponisten Simeon ten Holt aus dem Jahre
1979. "Canto Ostinato" lautete der Titel, der Programm war.
Kurze minimalistische
Melodiefragmente, bestehend aus fünf Tönen, wurden in geradezu unendlicher
Variationsvielfalt wiederholt und geringfügig verändert, bis eine
meditativ-hypnotische Atmosphäre entsteht. Die Gefühle für Raum, Klang und Zeit
lösen sich auf und bilden ein neues musikalisches Ritual jenseits von
traditionellem Spiel und ritualisierten Hörgewohnheiten. Ein Ritual ganz dicht
an musikalisch-religiöser Ewigkeit.
Um den Bruch mit der überlieferten
bürgerlichen Konzertatmosphäre zu verdeutlichen, sollen die Zuhörer nach dem
Willen des Komponisten selbst aktiv werden. Die unendlichen ostinaten Figuren
sollen einladen, im Raum zu wandeln, zu tanzen, zu meditieren oder sich einer schöpferischen
musikalischen Kontemplation hinzugeben. Tatsächlich gelang es der Künstlerin,
einige Zuhörer in einen Zustand zu versetzen, der die Grenze des leichten
Nickerchens überstieg.
Fazit: ein hochinteressanter
Konzertgenuss, geprägt durch kraftvoll zupackendes sowie himmlisch-sphärisches
Spiel einer höllisch gut aufgelegten Künstlerin.
Wittlager Kreisblatt, 27.12.2006
cb Bad Essen.
Rund 170 Mitglieder zählt der Kunst- und Museumskreis (KuMuK)
Bad Essen inzwischen. Während der Mitgliederversammlung im Schafstall an der
Bergstraße wurden Dr. Caspar Sieveking als 1. Vorsitzender,
Für Jutta Kröning, die als
Schriftführerin nicht mehr kandidierte und nun Beisitzerin ist, wählte die
Versammlung
Während seines Berichtes ging Dr.
Caspar Sieveking auf die Ausstellungen des vergangenen Jahres intensiv ein.
Die Ausstellung
"Papiermusiken" von Hiltrud Schäfer läuft noch bis zum 7. Januar. Am
26. Dezember lädt der Verein wieder traditionell zu seinem Weihnachtskonzert
ein. Mit dem Titel "Radierungen und Aquarelle" wird Ruth Stahl ab 9.
Februar im Schafstall ausstellen" nahm Sieveking Ausblick auf das Jahr
2007. "Drunter und drüber" heißt die Ausstellung, die die Schulen des
Altkreises Wittlage ab 22. April starten werden.
Weitere Veranstaltungen, so der 1.
Vorsitzende, seien in Zusammenarbeit mit dem Kur- und Verkehrsverein geplant,
da dieser ein wichtiger Kooperationspartner sei. "Die Zusammenarbeit mit
Annette Ludzay klappt hervorragend", freute sich Caspar Sieveking. Sie
habe sich bereit erklärt, öfter an den Vorstandssitzungen teilzunehmen, um
schnelle Absprachen zu erleichtern.
"Wir haben das Jahr mit Verlust
abgeschlossen", teilte Kassenwart
Mit Bescheid des Finanzamtes im
September sei die Gemeinnützigkeit des Vereins für weitere fünf Jahre anerkannt
worden, so Hoffmeier.
Zu weiteren Beisitzern wählte die
Versammlung dann Helmut von der Heyde, Dr.
Die 2. Vorsitzende der Kunstschule,
Christine Sturmann-Dahmen, berichtete als Vertreterin
der ersten Vorsitzenden Anne Apel vom Kind des Vereins, der Kunstschule, die 20
Jahre alt wird. Aus diesem Anlass soll am 24. Juni 2007 eine Geburtstagsfeier
stattfinden. Zusammen mit der Semesterausstellung wird es einen Künstlermarkt geben
und natürlich Angebote für Kinder. Aktuell findet am 10. Dezember die
Ausstellung des vergangenen Semesters im Atelier am Bahnhof statt.
Durch die Neubelebung von Kurios
(Kulturring Ostercappeln) soll auch die Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Museumskreis
aktiviert werden.
Wittlager Kreisblatt, 14.11.2006
Von
Bad Essen.
Mit ihren Einzelarbeiten und insbesondere mit ihren Installationen gelingt es
Hiltrud Schäfer, das Spannungsverhältnis zwischen Geburt und Leben, zwischen
Vergehen und Tod künstlerisch und ästhetisch überzeugend in eine aktuelle
Bildsprache umzusetzen.
Auf Einladung des Kunst- und
Museumskreises stellt die Osnabrücker Künstlerin unter dem Titel
"Papiermusiken - Objekte und Installationen aus Papier" bis zum 7.
Januar im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße aus. Die Ausstellung kann
täglich, außer montags, von 15 bis 18 Uhr besucht werden. Erst war es die
Ausstellung "Textil", dann "Hemden und Schalen" und nun
"Papiermusiken", begrüßte
Mit fünf "Notizen" näherte
sich Professor Dirk Manzke aus Osnabrück dem Schaffen
von Hiltrud Schäfer, um in die Ausstellung einzuführen. "Ihr stoffliches
Interesse erweitert sich seit geraumer Zeit um das Selbstschöpfen des Papiers
und dessen Ausdruckswelten", erläuterte Manzke.
Inzwischen erforsche sie im Papiernen nicht nur die Sphären des Stofflichen,
sondern längst auch deren räumliche Möglichkeiten. Manzke:
"Waren es anfänglich Arbeiten in der Fläche, so sind es inzwischen
räumliche Werke und Leibassoziationen. Sie münden in Installationen, Hängungen,
Gefäßen, Figurinen, Skulpturen." Ihre Papierschöpfungen würden sich mit
Pflanzen, Holz, Metall vermischen und so das Spektrum des Stofflichen
erweitern. Die Ausstellung erfülle sich in einem sich wandelnden Klang, der
zwischen Raum, Material und Licht, je nach Standort und Bezugspunkt, zu
verfeinernder Atmosphäre gerinne.
"Wer sich dieser Ausstellung
zuwendet, wird verstehen, dass ein trockenes Querschnittkonzept nicht die
Intention von Hiltrud Schäfer in Bad Essen sein konnte. Es musste ein
besinnendes, erweiterndes, öffnendes "Papiermusiken" sein. Möge die
Welt auch diese Klänge in sich empfangen", wünschte sich Dirk Manzke.
"Ich zeige hier den vollen
Akkord", weist Hiltrud Schäfer auf ihre 20 Einzelarbeiten und
Installationen der Ausstellung hin: "Von dem aus verschiedenen Pflanzen
hergestellten handgeschöpften Papier bis zum Artefakt", so die Künstlerin,
die mit ihren Arbeiten überraschende Impulse setzt.
Beim Eintreten in den Schafstall
trifft der Besucher auf Hiltrud Schäfers Wandinstallation
"Augustaschacht", fünf Epitaphtafeln als Hommage an die
Zwangsarbeiter im Dritten Reich - faszinierend und beklemmend zugleich. Auf dem
Boden entdeckt man die Skulptur "Fisch" ,
ein "Kindersarg" aus Weide, Leinengarn, Kozo
(Japanpapier). Aufsehen erregt ihre Installation aus diesem Jahr mit dem Titel
"Zustandsarchiv". Vogelkäfige - offen und geschlossen - alte
Flurkartenbehälter, Fundstücke, Papier und Wachs laden den Betrachter ein,
seinen Assoziationen freien Lauf zu lassen...
Wittlager Kreisblatt, 12.09.2006
cb Bad Essen.
"Nur wenigen ist heute noch bekannt, woher der Begriff "Grand
Tour" kommt und was er bedeutet", stellte Rainer Krause vom
Anthologie Quartett zur Vernissage im Schafstall in Bad Essen fest.
Unter dem Motto "Grand Tour -
Möbel, Leuchten und Objekte aus 200 Jahren Designgeschichte" eröffnete der
Kunst- und Museumskreis seine neueste Ausstellung, die bis 5. November täglich,
außer montags, von 15 bis 18 Uhr besucht werden kann.
"Anthologie Quartett arbeitet
mittlerweile mit ca. 150 Designern international zusammen, darunter sehr
berühmte, die schon Objekte in den Museen der Welt platzieren konnten",
gab Michael von Jakubowski eine Darstellung des
Betriebes.
Die gesamte Kollektion werde mehr
oder weniger handwerklich gefertigt, "meist in kleineren
Familienbetrieben, die sich im Laufe der Zeit bestimmte Techniken erarbeitet
haben. Diese qualitativ hohen Handwerksbetriebe können im Umkreis von Bad Essen
liegen, aber auch in Städten oder Ländern, die gerade für ihre traditionelle
Handwerkskunst berühmt geworden sind wie Meißen, Böhmen oder Stoffe aus Lion", verdeutlichte von Jakubowski.
"Junge begüterte Adlige,
zunächst aus England, zu Ende des 18. Jh. aber auch aus Deutschland,
Skandinavien und Russland nutzten die 'Grand Tour' in einer Zeit ohne Foto,
Radio und sonstige moderne Medien, um ihren Geschmack zu entwickeln,
Sprachkenntnisse und ihr Wissen um unterschiedliche Völker und Kulturen zu
erweitern", gab Rainer Krause die Erklärung zur "Grand Tour".
Die englische Tour habe zumeist mit der Überfahrt von Dover nach Calais, Paris
begonnen. Weitere Stationen, so Krause, seien unter anderem die Schweiz, über
die Alpen nach Turin, Mailand, Venedig, Neapel und Rom gewesen. Krause:
"Seit Ende des 18. Jahrhunderts waren dann auch deutsche Kulturzentren wie
Dresden, Potsdam und Dessau/Wörlitz Ziel dieser Reise nicht mehr nur allein von
Adligen, sondern auch Literaten, Künstlern und Architekten."
"Warum heißt unsere Ausstellung
'Grand Tour'?", fragte Krause. Seit Beginn ihrer Arbeit hätten sie sich
für die Archäologie des Designs interessiert, so der Geschäftsführer. Das
bedeute, Produkte wiederzuentdecken, die ein wichtiger Teil der
Designgeschichte seien.
Herzstück der Schau ist
Karl-Friedrich Schinkels Erstlingswerk, das Zelt auf dem Pomonatempel
Potsdam (1800), das nach einer KPM-Tasse
rekonstruiert wurde. Eine Designione ist der Ginbande
"Tabula Rasa" Ausziehtisch und -bank (1987 - für 18 Personen), der
mittlerweile in vielen Designmuseen der Welt steht.
So genannte Eyecatcher sind
"Familie Herz" - drei stumme Diener (Robert Wettstein), der Stuhl von
Alessandro Mendini "Redesign
Thonet" oder die Ginbande "Kindermöbel". Aus den 20er Jahren des
letzten Jahrhunderts stammt das Richard Riemerschmid "Tablett", auf
dem das Teeservice von Kasimir Malevitsch platziert ist. Die Originalform von
1923 wird noch heute in der Lomonosov Manufaktur in
St. Petersburg hergestellt.
Ein weiteres Highlight der
Ausstellung ist ein Leuchter aus Edelstahl mit Swarovski-Kristallen
bestückt, ein Eigenentwurf von Rainer Krause und Michael von Jakubowski, für den sie mit dem Designpreis 2005
ausgezeichnet wurden. "Momentan ist der Leuchter für das Bundeskanzleramt
in Berlin vorgesehen", erklärt von Jakubowski.
Die Vernissage endete abermals mit
einem gemeinsamen Essen, für das wieder Mitglieder des Kunst- und
Museumskreises gesorgt hatten.
Wittlager Kreisblatt, 30.05.2006
cb Bad Essen.
Er ist ein Meister der Vielseitigkeit, ein Künstler, der in vielen Künsten zu
Hause ist, er ist bildender Künstler, ein brillanter Vertreter der Wortkunst,
und er ist Musiker.
Es handelt sich um den Pforzheimer
Dieter Huthmacher, der auf Einladung des Kunst- und Museumskreises derzeit 59
seiner Aquarelle und Holzschnitte im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße
ausstellt. Die Ausstellung mit dem Titel "Kopfstand der Fantasie"
kann bis Sonntag, 23. Juli, täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht
werden.
Zur Vernissage führten Jutta Kröning
und Dr.
Wilms: "Sie verdeutlichen die
Haltung von Dieter Huthmacher zu seiner Kunst und zur Welt." Ironisch,
sarkastisch manchmal, aber immer mit dem verschmitzten Blick, der ein Lächeln
herausfordere, kommentiere er die Zeit. Die Ausstellung zeige Märchenwelten, in
denen sich der Betrachter verlieren könne und die doch an konkrete Sujets
erinnere: an die Via Mala zum Beispiel, wo sich der
Künstler wiederholt aufhielt und Anregungen holte, die Gegend von Siena und
Orvieto oder Assisi.
"In der Schule habe ich bereits
eine Zeichnung von Dürer nachgezeichnet", blickt Dieter Huthmacher auf die
Anfänge seiner Malerei zurück. Wie kommt er zu seinen Motiven? "Dazu
gehört viel Nachdenken, und irgendwann ist es dann so weit", erklärt der
Künstler augenzwinkernd.
Charakteristisch für seine Arbeiten:
die Kombination von ungewohnten Inhalten, zum Beispiel das verschachtelte
Hochhaus in einer Berglandschaft, ein Murmeltierkopf neben einer Tür, die dem
Betrachter entgegen- fällt, oder ein hölzernes Pferd vor einer
Hochhauskomposition. Gedankliche Assoziationen werden geradezu herausgefordert.
Eine Vielfalt von Holzschnitten
zeigt oft Tiere wie Ziege, Kater oder Eule, in leichter Überzeichnung der
Tiergestalten. "Mit diesen Tierbildern möchte ich die menschlichen
Verhaltensweisen deutlich machen", sagt der Poet mit Charme und verschmitztem
Humor. Seine skurrilen, personifizierenden Darstellungen erheben die Naturwesen
zu Bewohnern einer fabelhaften Fantasiewelt.
Seine Kunst ist vordergründig
gegenständlich, jedoch mit einem Hang zur individuellen Abstrahierung und stets
mit einer starken poetischen Färbung. Und Dieter Huthmacher liebt die zarten
Farben, spielt gerne mit den Verzauberungen der Optik.
"Die leisen Töne sind es, die
seine Kunst ausmachen, dieser besondere Blick auf die Welt, die den Betrachter
aufmerken und manchmal schmunzeln lässt und zum Nachdenken anregt",
stellte Wilms im Schafstall fest. Anschließend gab der Liedermacher und
Gitarrist Dieter Huthmacher einen kleinen Ausschnitt aus seinem aktuellen
Kabarettprogramm "Federleicht".
Wittlager Kreisblatt, 03.04.2006
BAD ESSEN.
"Ich will nie etwas anderes tun, als malen", sagte sich die
Düsseldorferin Gabriele Gusinde bereits als
Fünfjährige. Unter dem Titel "Augenblicke" präsentiert die heute
58-jährige Malerin bis zum 14. Mai ihre Arbeiten in Mischtechnik und Grafik im
Bad Essener Schafstall an der Bergstraße.
Die Ausstellung, in die Jutta
Kröning vom Kunst- und Museumskreis Bad Essen während der Vernissage einführte,
kann täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht werden.
"Meine Ideen springen mich an;
inspiriert werde ich von den 'Augenblicken'", erzählt Gabriele Gusinde. Das könne ein Strohhalm auf nassem Asphalt sein
oder auch eine Feder, ein Zweig. "Im weitesten Sinne bin ich ein
Erdmensch, denn auf der Erde passieren die interessantesten Dinge",
gesteht die Grafikerin. Abenteuerlich gehe es auch in Mauern und Ritzen zu,
erinnert sich die Künstlerin an ihren früheren Schulweg. Sehr behütet
aufgewachsen habe sie schon immer eine starke Verbindung zum Garten, zu allem
"erdigen" gehabt.
Heute experimentiert die
"Naturfrau" gerne, überlässt aber auch manches den Zufälligkeiten.
Einige Jahre in Werbeagenturen tätig, machte sich Gabriele Gusinde
1981 selbstständig und arbeitet seitdem nur noch als Malerin. So findet man in
ihren Werken, die überwiegend mit einer aufwändigen Technik gearbeitet sind,
fast nur erdige Töne. "Sie sind haptisch vielfältig, bieten dem Auge so
etwas wie eine plastische Landschaft, die man durchwandern kann", stellte
Jutta Kröning zur Ausstellungseröffnung fest.
In ihren Arbeiten verwendet Gabriele
Gusinde Materialien wie Erde, Sand, Pigmente, Steine
oder Teer, denen sie reizvolle Strukturen gibt. "Es ist ein Kratzen und
Schaben, Trocknen und wieder Abschlagen", verdeutlicht die gebürtige
Düsseldorferin ihre Arbeitsschritte. Aber nicht nur diese amorphen Substanzen
kommen bei ihr zum Einsatz, sondern auch Zweige, Federn, Blätter oder Reste von
Pflanzen. Ebenfalls entstanden Zyklen wie "Verbindungen" oder
"Experimente", in denen sie Reste von Laken, Hemden, Gaze, Sisal und
Leinwand faltete, raffte oder grob zusammennähte. "Das ist manchmal
richtig Knochenarbeit", verdeutlicht die Wahl-Neusserin,
die sogar eine künstliche Alterung herbeiführt, indem sie Büttenpapier in die
Erde vergräbt. Dies ergibt dann wiederum reizvolle strukturelle Elemente für
ihre Collagen.
"Zwar gibt es malerische
Tendenzen und viele ihrer Collagen folgen kompositorischen Maßstäben, sind
bisweilen, wenn mehrteilig, sogar erzählerisch. Aber
das Bild ist nicht nur Produkt der bildnerischen Aktion, sondern auch ein
wirkliches Erzeugnis der Realität, wenn auch eins, das stets im Vergehen
begriffen ist. In diesem Sinne zeigen Gabriele Gusindes
Arbeiten sinnliche Dringlichkeit, gemahnen aber gleichzeitig an deren
Vergänglichkeit", resümierte Jutta Kröning zum Schluss ihrer Einführung.
Wittlager Kreisblatt, 06.02.2006
Bad Essen (cb)
Rätselhafte, farbenfrohe Bilder- und Traumwelten sind jetzt mit Hinrich van
Hülsens Werken in den Schafstall an der Bergstraße in Bad Essen eingezogen.
Unter dem Titel "Bilder gegen die Leere im Herzen" lädt der Kunst-
und Museumskreis bis Sonntag, 26. März, täglich von 15 bis 18 Uhr - außer
montags - in diese Ausstellung ein.
"Ich wollte von klein auf
Künstler werden", gesteht Hinrich van Hülsen. Doch bis dahin war es für
ihn ein langer Weg. Bis Anfang der 80er Jahre wirken seine Themen und auch die
Farben eher ein wenig düster. "Da habe ich mit dem Kopf gemalt. Heute
kommt es aus dem Bauch heraus", gibt der gelernte Schildermaler unumwunden
zu. Seine Motive begegnen ihm in seinen Träumen, die der Multimedia-Designer
mit einer eigenen inneren Kraft suggeriert. Von den Ideen und den Gedanken ist
der Künstler Max Ernst sein Vorbild. - "Die sind ganz frisch
geschlüpft", weist Hinrich van Hülsen auf seine Skulpturen, denen er sich
seit Anfang 2006 widmet.
"Diese Kunst spricht mir sehr
aus der Seele", unterstrich Dr. Caspar Sieveking, Vorsitzender des Kunst-
und Museumskreises, zur Ausstellungseröffnung.
"Der Ausschnitt neuen Schaffens
des Künstlers Hinrich van Hülsen stellt sich uns als logisch konsequente
Entwicklung dar, denn er entdeckte schon in seiner Jugend Form, Farbe und
Fläche als sein Sprachrohr, sein Ausdrucksmedium", stellte Lucy Knollmeyer aus Osnabrück fest, die in die Ausstellung
einführte. Durch die ihm eigene Unbeirrbarkeit und Geradlinigkeit habe er
diesen schöpferischen Weg ohne Unterbrechung bereisen können. Dadurch sei van
Hülsen zu der sich heute darbietenden Bildsprache gelangt, in welcher Mensch
und Tier im Mittelpunkt ständen.
"Die Gestalten van Hülsens, ob
Mensch oder Tier, haben sich befreit aus geometrischen Konstrukten,
Schlauchformationen und Paralyse", so die Studentin der Kunst weiter. Sie
hätten die beengende, verpflichtende Bühne verlassen, um in einem Metaraum des
Humanen, der sich häufig als Naturanalogie zeige, eine neue Dimension des Seins
zu manifestieren und die Unendlichkeit ihrer Seelenlandschaften zu
durchwandern. Knollmeyer: "Hier offenbart sich
uns natürlich auch die ,wundersame Parallelität der
Dinge', Wahrnehmung und Umsetzung eines Künstlers, Zeitgeschehen und die
Geschichten unserer Selbstreflektion durch die uns
angebotenen Bilder und Titel vereinen sich, wenn alles gut läuft."
Der Künstler Hinrich van Hülsen
biete dem Betrachter ein Schlüsselloch, "durch welches wir schon einmal
spekulieren können". Denn gerade da van Hülsen formal nicht die
Abstraktion wähle, biete er in seinen Bildwelten
Weiten und Tiefen, "welche mit ihrer Fusion aus Realität, Magie, Surrealem
und Metaphorik unsere eigene innere Gedanken- und Gefühlswelt animieren".
Wittlager Kreisblatt, 14.11.2005
Christa Bechtel
Bad Essen
Wer noch Geschenke für Weihnachten sucht, ist im Bad Essener Schafstall an der
Bergstraße zurzeit genau richtig: Am Freitagabend hatte dorthin der Kunst- und
Museumskreis Bad Essen zu einer Vernissage eingeladen.
Bis zum 8. Januar stellen Hannelore
Windhorst (Skulpturen), Brigitte Gerlach stellvertretend für 25 junge kurdische
Frauen (Kelims) und Anette Künsting (Schmuckdesign) aus. Die Ausstellung ist
täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
Zur Vernissage konnte Martina Sieveking
nicht nur die Künstlerinnen und die aus Rotenburg/Wümme kommende Ärztin Brigitte
Gerlach im Schafstall begrüßen, sondern auch etliche Kunstinteressierte. "Aus
Zufälligkeiten wird Kunst, aus Finden wird Erfinden", sagt Hannelore Windhorst
aus Vechta, die vor etwa 25 Jahren begann, mit dem Material Ton zu arbeiten.
Zunächst sei es ein reines Hobby gewesen, das aus den Angeboten der
Erwachsenenbildungswerke erwuchs. Doch dann folgte eine Phase, in der sie die
vorhandenen Grundkenntnisse durch Studien vertiefte.
Parallel dazu besuchte die gebürtige
Diepholzerin Kurse, um die Rakutechnik zu erlernen. Das Wort "Raku" bedeutet
Gelassenheit, Zufriedenheit, Wohlgefühl, Freude und Glück. Als Brenntechnik
wurde es im 16. Jahrhundert bekannt. Die Kunst des Raku hat sich seitdem in
Japan beständig erhalten. Erst mehr als 350 Jahre später fasziniert auch
europäische Keramiker die natürliche Einfachheit und der Reiz, dem Zufall eine
Chance zu lassen, zu der diese Brennart zwingt. In der Ausstellung finden die
Besucher von Hannelore Windhorst Stelen, Torsos (männliche und weibliche) und
Figuren. Keramik, Fundstücke wie Treibholz, Fragmente von Bäumen und Steine
sowie Stahl verbindet sie zu einer kunstvollen, ausdrucksstarken Symbiose.
Die farbenfrohen Kelims der Ausstellung
entstanden im Rahmen des Kelim-Projektes "Rûnas" in der Stadt Hakkari in der
Türkei. Seit September 2001 existiert dieses Projekt. Es soll den Frauen helfen,
das Überleben der meist kinderreichen Familien zu sichern. Seither weben
kurdische Frauen im geschützten Rahmen eines Ateliers traditionelle Webteppiche.
Die Hakkari-Kelims (Teppiche) sind berühmt wegen ihrer reichen mythologischen
und farbenfrohen Muster. Unterstützt wird das Projekt durch den "freundschaftskreis
schweiz kurdistan" (fsk) in Zusammenarbeit mit Vertretern der Gemeinde Hakkari
und des Vereins Göc-Der (Zusammenschluss der Vertriebenen der Dorfzerstörungen).
Arbeitsmaterialien von Anette Künsting
sind Süßwasserperlen, Turmalin, Granat, Onyx, Feueropal, Aquamarin oder
Korallen. Sie ist ihrem Berufswunsch - Goldschmied - seit 28 Jahren treu
geblieben. Vor sieben Jahren machte sie sich mit ihrem Schmuckatelier
"Spiegelstein" selbstständig. Ein besonderes Hobby von ihr ist "aus Alt mach
Neu". Spezialisiert hat sie sich auf den magischen, farbenfrohen Opal. In diesem
Jahr setzte sie sich besonders mit dem in ihrer Nachbarschaft entstandenen
Museumsbau "MARTa" in Herford auseinander. "Daraus entwickelte ich eine
limitiere Schmuckserie aus dem original Edelstahl des Daches des MARTa-Gebäudes,
erklärt die Schmuckdesignerin. Durch Weiterentwicklung erarbeitete sie eine
Goldkollektion mit Brillanten und Edelsteinen. "So möchte ich stets im Dialog
stehen mit dem Geschehen um mich herum und meine Gedanken und Emotionen im
kreativen Prozess der Schmuckherstellung einfließen lassen", so Anette Künsting.
Wittlager Kreisblatt, 07.09.2005
Bad Essen (cb)
"Ich habe immer geometrisch konstruktiv gemalt, denn die Geometrie ist für mich
das Sauberste, die Wahrheit. Da kann man nicht 'matschen', jeder Punkt ist
kontrollierbar", betont Karl August Wilhelm Wierspecker, der etwa 50 seiner
Werke und einige Skizzen bis einschließlich 6. November im Schafstall in Bad
Essen an der Bergstraße ausstellt. Die Ausstellung kann täglich - außer montags
- von 15 bis 18 Uhr besucht werden.
"Ich bin sehr froh, dass wir mit Dr.
Gerhard vom Hofe, Literaturwissenschaftler an der Universität Heidelberg, einen
Fachmann haben, der zugleich in enger Verbundenheit zum Werk von Karl
Wierspecker eine Einführung zu den hier ausgestellten Kunstwerken geben wird",
freute sich Caspar Sieveking, Vorsitzender des Kunst- und Museumskreises Bad
Essen, bei seiner Begrüßung.
Für ihn stelle die Ausstellung ein
besonderes Erlebnis dar, ein Erlebnis, das er unter das Motto "paradox" stellen
würde, so Sieveking, der weiter unterstrich: "Für mich sind Paradoxien so etwas
wie ein Lebenselixier: Man trinkt es und bleibt trotzdem gesund." So habe er
bisher die Auffassung gehabt, dass ihm abstrakte Kunst nichts sage. Sieveking:
"Aber das hat sich im Laufe der Beschäftigung mit dieser Ausstellung
schrittweise verändert."
"Karl Wierspecker in Bad Essen
vorzustellen ist ein beinahe paradoxes Unterfangen. Bedeutet ihm, der seit
langem in Düsseldorf residiert, Bad Essen doch fast ein Stück früherer Heimat",
stellte Dr. Gerhard vom Hofe zu Beginn seiner Einführung fest. Nachfolgend ging
er auf die verschiedenen beruflichen Stationen des Künstlers, der eine
innovative Fantasie und vielseitige Kreativität habe, ein.
Bis 1994 habe Wierspecker große Erfolge
als mustergültiger Unternehmer mit eigener Werbeagentur gefeiert. Vom Hofe:
"Dann aber schien ihn die Kunst doch leise zu mahnen und als vernachlässigte
Disziplin ihre Ansprüche erneut anzumelden." In der Ausstellung sehe man nun die
Früchte dieser reumütigen Rückkehr zur Kunst. Karl Wierspeckers Bilder zeigen
ein konsequentes Arbeiten mit einfachen Formen, mal mit geometrischen,
quadratischen oder dreieckigen und rechteckigen Figuren. Sie sind auf der Fläche
mit bewusst geplanter Raumwirkung geordnet und operieren mit wenigen Farben. Die
Dominanz hat oftmals ein dunkles/helles Blau. "Blau ist die Farbe, die
zurücktritt, die den Betrachter nicht erreicht, sich ihm nicht aufdrängt",
erklärt der 1933 in Melle geborene und in Bad Essen aufgewachsene Künstler, der
sich auf immer neue Versuche, mit den konstruktiven Prinzipien von Fläche und
Raum zu experimentieren und in abstrakten Konfigurationen spannungsreiche
Harmonie- und Ordnungsverhältnisse zu schaffen, konzentriert.
Durchaus ist eine Tendenz zur Serie, wenn
nicht sogar zum Zyklischen in seinen Arbeiten zu beobachten.
Seine Werke gehen auf Bleistiftskizzen
zurück, deren Entwürfe er in Öl auf Leinwand überträgt. "Die Bilder sind
abhängig von der Fantasie des Betrachters", lädt Karl Wierspecker die Besucher
der Ausstellung ein, seine gewollte Reduktion der Ausdrucksmittel für sich zu
einem Ganzen zusammenzufügen.
Wittlager Kreisblatt, 14.11.2005
Bad Essen
Wer noch Geschenke für Weihnachten sucht, ist im Bad Essener Schafstall an der
Bergstraße zurzeit genau richtig: Am Freitagabend hatte dorthin der Kunst- und
Museumskreis Bad Essen zu einer Vernissage eingeladen.
Bis zum 8. Januar stellen Hannelore
Windhorst (Skulpturen), Brigitte Gerlach stellvertretend für 25 junge kurdische
Frauen (Kelims) und Anette Künsting (Schmuckdesign)
aus. Die Ausstellung ist täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
Zur Vernissage konnte
Parallel dazu besuchte die gebürtige
Diepholzerin Kurse, um die Rakutechnik zu erlernen.
Das Wort "Raku" bedeutet Gelassenheit,
Zufriedenheit, Wohlgefühl, Freude und Glück. Als Brenntechnik wurde es im 16.
Jahrhundert bekannt. Die Kunst des Raku hat sich
seitdem in Japan beständig erhalten. Erst mehr als 350 Jahre später fasziniert
auch europäische Keramiker die natürliche Einfachheit und der Reiz, dem Zufall
eine Chance zu lassen, zu der diese Brennart zwingt. In der Ausstellung finden
die Besucher von Hannelore Windhorst Stelen, Torsos (männliche und weibliche)
und Figuren. Keramik, Fundstücke wie Treibholz, Fragmente von Bäumen und Steine
sowie Stahl verbindet sie zu einer kunstvollen, ausdrucksstarken Symbiose.
Die farbenfrohen Kelims der
Ausstellung entstanden im Rahmen des Kelim-Projektes "Rûnas"
in der Stadt Hakkari in der Türkei. Seit September
2001 existiert dieses Projekt. Es soll den Frauen helfen, das Überleben der
meist kinderreichen Familien zu sichern. Seither weben kurdische Frauen im
geschützten Rahmen eines Ateliers traditionelle Webteppiche. Die Hakkari-Kelims (Teppiche) sind berühmt wegen ihrer reichen
mythologischen und farbenfrohen Muster. Unterstützt wird das Projekt durch den
"freundschaftskreis schweiz
kurdistan" (fsk) in
Zusammenarbeit mit Vertretern der Gemeinde Hakkari
und des Vereins Göc-Der (Zusammenschluss der
Vertriebenen der Dorfzerstörungen).
Arbeitsmaterialien von Anette Künsting sind Süßwasserperlen, Turmalin, Granat, Onyx,
Feueropal, Aquamarin oder Korallen. Sie ist ihrem Berufswunsch - Goldschmied -
seit 28 Jahren treu geblieben. Vor sieben Jahren machte sie sich mit ihrem
Schmuckatelier "Spiegelstein" selbstständig. Ein besonderes Hobby von
ihr ist "aus Alt mach Neu". Spezialisiert hat sie sich auf den
magischen, farbenfrohen Opal. In diesem Jahr setzte sie sich besonders mit dem
in ihrer Nachbarschaft entstandenen Museumsbau "MARTa"
in Herford auseinander. "Daraus entwickelte ich eine limitiere
Schmuckserie aus dem original Edelstahl des Daches des MARTa-Gebäudes,
erklärt die Schmuckdesignerin. Durch Weiterentwicklung erarbeitete sie eine
Goldkollektion mit Brillanten und Edelsteinen. "So möchte ich stets im
Dialog stehen mit dem Geschehen um mich herum und meine Gedanken und Emotionen
im kreativen Prozess der Schmuckherstellung einfließen lassen", so Anette Künsting.
Wittlager Kreisblatt, 07.09.2005
Bad Essen (cb)
"Ich habe immer geometrisch konstruktiv gemalt, denn die Geometrie ist für
mich das Sauberste, die Wahrheit. Da kann man nicht 'matschen', jeder Punkt ist
kontrollierbar", betont Karl August Wilhelm Wierspecker,
der etwa 50 seiner Werke und einige Skizzen bis einschließlich 6. November im
Schafstall in Bad Essen an der Bergstraße ausstellt. Die Ausstellung kann
täglich - außer montags - von 15 bis 18 Uhr besucht werden.
"Ich bin sehr froh, dass wir
mit Dr. Gerhard vom Hofe, Literaturwissenschaftler an der Universität
Heidelberg, einen Fachmann haben, der zugleich in enger Verbundenheit zum Werk
von Karl Wierspecker eine Einführung zu den hier
ausgestellten Kunstwerken geben wird", freute sich Caspar Sieveking,
Vorsitzender des Kunst- und Museumskreises Bad Essen, bei seiner Begrüßung.
Für ihn stelle die Ausstellung ein
besonderes Erlebnis dar, ein Erlebnis, das er unter das Motto
"paradox" stellen würde, so Sieveking, der weiter unterstrich:
"Für mich sind Paradoxien so etwas wie ein Lebenselixier: Man trinkt es
und bleibt trotzdem gesund." So habe er bisher die Auffassung gehabt, dass
ihm abstrakte Kunst nichts sage. Sieveking: "Aber das hat sich im Laufe
der Beschäftigung mit dieser Ausstellung schrittweise verändert."
"Karl Wierspecker
in Bad Essen vorzustellen ist ein beinahe paradoxes Unterfangen. Bedeutet ihm,
der seit langem in Düsseldorf residiert, Bad Essen doch fast ein Stück früherer
Heimat", stellte Dr. Gerhard vom Hofe zu Beginn seiner Einführung fest.
Nachfolgend ging er auf die verschiedenen beruflichen Stationen des Künstlers,
der eine innovative Fantasie und vielseitige Kreativität habe, ein.
Bis 1994 habe Wierspecker
große Erfolge als mustergültiger Unternehmer mit eigener Werbeagentur gefeiert.
Vom Hofe: "Dann aber schien ihn die Kunst doch leise zu mahnen und als
vernachlässigte Disziplin ihre Ansprüche erneut anzumelden." In der
Ausstellung sehe man nun die Früchte dieser reumütigen Rückkehr zur Kunst. Karl
Wierspeckers Bilder zeigen ein konsequentes Arbeiten
mit einfachen Formen, mal mit geometrischen, quadratischen oder dreieckigen und
rechteckigen Figuren. Sie sind auf der Fläche mit bewusst geplanter Raumwirkung
geordnet und operieren mit wenigen Farben. Die Dominanz hat oftmals ein
dunkles/helles Blau. "Blau ist die Farbe, die zurücktritt, die den
Betrachter nicht erreicht, sich ihm nicht aufdrängt", erklärt der 1933 in Melle geborene und in Bad Essen aufgewachsene Künstler, der
sich auf immer neue Versuche, mit den konstruktiven Prinzipien von Fläche und
Raum zu experimentieren und in abstrakten Konfigurationen spannungsreiche
Harmonie- und Ordnungsverhältnisse zu schaffen, konzentriert.
Durchaus ist eine Tendenz zur Serie,
wenn nicht sogar zum Zyklischen in seinen Arbeiten zu beobachten.
Seine Werke gehen auf
Bleistiftskizzen zurück, deren Entwürfe er in Öl auf Leinwand überträgt. "Die
Bilder sind abhängig von der Fantasie des Betrachters", lädt Karl Wierspecker die Besucher der Ausstellung ein, seine
gewollte Reduktion der Ausdrucksmittel für sich zu einem Ganzen
zusammenzufügen.
Wittlager Kreisblatt, 14.05.2005
Nicht nur die schönen Endprodukte sind wichtig
Bad Essen (cb)
Es ist wieder so weit. Zum sechsten Mal stellen die Schüler der Haupt- und
Realschulen und der Sonderschule aus Bad Essen, Bohmte,
Hunteburg und Ostercappeln ihre Arbeiten im Schafstall in Bad Essen unter
Federführung des Kunst- und Museumskreises aus. Zur Eröffnung am nächsten
Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, wird Landrat Manfred Hugo einführende Worte sprechen.
Was vor zehn Jahren mit einer einwöchigen Ausstellung begann und damals als ein
gewagtes Experiment erschien, ist nun im Zwei-Jahres-Rhythmus zu einer festen
Einrichtung im Schafstall geworden. Die Ausstellungen waren so erfolgreich,
dass die diesjährige zwei Monate bestehen bleibt.
Was ist das Besondere an einer Schulausstellung im Kunst- und Museumskreis? Immer
wieder stellen Lehrer, Schüler und Eltern fest, dass im Kunstunterricht, im
Werken und Textilem Gestalten Erstaunliches geleistet wird, nur ist es sehr
wenig der Öffentlichkeit zugänglich.
Hier bietet sich die Möglichkeit in einem Forum, der anderen Künstlern in
gleichem Maße zur Verfügung steht, den Schülerarbeiten einen würdevollen Rahmen
zu bieten.
Im Vorfeld treffen sich die Lehrer, um sich gemeinsam auf ein Thema zu einigen.
Danach wird in den Schulen in unterschiedlichen Jahrgangsstufen zu diesem Motto
gearbeitet. Regelmäßige Treffen der Lehrer ermöglichen den Erfahrungsaustausch.
Diesmal wurde das schwierige und zugleich wunderbare Thema "Die Farbe
Weiß" gewählt; wohl wissend, dass "Weiß" nicht als Farbe gilt.
Während des Arbeitsprozesses waren erfreuliche Phänomene zu beobachten: Schüler
arbeiten engagiert, ehrgeizig, verlässlich, partnerschaftlich,
verantwortungsbewusst, kommunikativ, eigenverantwortlich und kreativ - oft weit
über das Maß ihrer unterrichtlichen Verpflichtung
hinaus. Alles Eigenschaften, die sich jeder zukünftige Chef nur wünschen kann.
Das ist auch das wichtigste Anliegen der Schulen: Es geht nicht nur um
"schöne Endprodukte", sondern Schüler sollen auf den Beruf
vorbereitet werden. Es gibt keinen Beruf, der solche Eigenschaften nicht
dringend benötigt.
Die Besucher der Ausstellung im Schafstall, die vom 21. Mai bis einschließlich
Sonntag, 10. Juli, täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht werden
kann, sollten sich selbst ein Urteil über die jungen Künstler aus ihrer nahen
Umgebung bilden.
Wittlager Kreisblatt, 20.01.2005
Ein sensibles Empfinden für die Farben
Von
Bad Essen
"Ich kann mich nicht erinnern, dass wir zu einer Ausstellungseröffnung
jemals einen derartigen Andrang hatten", freute sich Caspar Sieveking,
Vorsitzender des Kunst- und Museumskreises Bad Essen im Schafstall. Bis zum 6.
März werden dort ausgewählte Werke des 1989 verstorbenen Malers Rudolf Englert
gezeigt.
Wir fühlen uns als Kunst- und Museumskreis sehr geehrt, diese Ausstellung durchzuführen,
die uns Hildegard Englert zu ihrem 60. Geburtstag anbot", unterstrich
Sieveking. Zumal auch, da Rudolf Englert einer der bedeutendsten Künstler der
Region gewesen sei, so der Vorsitzende. Für den musikalischen Rahmen sorgte die
Percussion Group des Konservatoriums Osnabrück, die
bereits an zahlreichen Wettbewerben wie "Jugend musiziert" teilnahm.
Professor Hartmut Gierke, der die offizielle Einführung in die Ausstellung
übernahm, begann mit einem Gedicht des Lyrikers Paul Celan.
"Rudolf Englerts Werke brauchen langsame und achtsame Augen. Das ist in
der heutigen Zeit schwer", räumte Gierke ein, der zuvor bemerkt hatte,
dass er sich auf eine Interpretation der Arbeiten des Künstlers nicht einlassen
werde.
Jedes Werk sei aber ein Plädoyer für die Langsamkeit, so der Osnabrücker, der
weiter seine Gefühle mit "still werden, da das Werk von sich aus auf mich
zukommt", verdeutlichte.
Betrachte man die Bilder, so erschließe sich dem Sehenden, wie langsam die
Farbe ist. "Das ist nicht einfach Grau, sondern ein sehr differenziertes
Grau, das eine Akzentuierung hat, die offen bleibt", erklärte der
Professor, der betonte: "Der Künstler träumt die Farbe." Natürlich
sei jedes Werk immer eine Begegnung, vorausgesetzt, dass man noch innere Bilder,
Schwingungsräume habe, hob Hartmut Gierke hervor.
"Im Grau, im Rot, im Blau. In jeder Farbe ist Gespräch." Die Farbe
habe dieses Dynamische. "Der Künstler darf sich in das Gespräch der Farbe
nicht einmischen", habe schon Cezanne gesagt. Aber der Künstler wisse,
woraufhin er arbeitet. Er habe nicht sein Maß in der Hand, wie ein Techniker.
"Aber er ahnt... und das braucht seine Zeit", offenbarte Hartmut
Gierke abschließend.
"Ein Bild muss ganz selbstverständlich sein wie etwas Gewachsenes, voller
Ruhe und Unruhe", sagte schon der Maler und Kunsterzieher Rudolf Englert,
der zu den bedeutendsten Vertretern der informellen Kunst des 20. Jahrhunderts
gehört. Die 49 Werke im Bad Essener Schafstall zeigen einen gelungenen
Querschnitt seiner verschiedenen Schaffensperioden, in denen sich der gebürtige
Duisburger der seriellen und der geschriebenen Malerei widmete.
Malte Rudolf Englert anfangs noch Porträts - ein Selbstbildnis befindet sich in
der Ausstellung -, Landschaften und Stillleben, so galt sein Interesse nach
einer zweifachen akademischen Ausbildung besonders der abstrakten Schriftform,
dann der seriellen und schließlich der geschriebenen Malerei.
Konsequent verfolgte er während seines 67-jährigen Lebens, in dem er rund 6000
Werke schuf, immer seine eigene Stilentwicklung. In
all seinen Arbeiten spiegelt sich auch sein sensibles Farbempfinden wider. Ab
1982 fokussierte sich sein Schaffen auf das Zeichenelement
"Schlaufe". Zwei "Schlaufenbilder", die zu den letzten
Arbeiten Rudolf Englerts zählen, befinden sich im Eingangsbereich des
Schafstalls an der Bad Essener Bergstraße.
Wittlager Kreisblatt, 26.10.2004
Eine große Fülle künstlerischer Ausdrucksformen
Von
Bad Essen
Wie kam der Bildhauer Lutz Hellmuth aus Erfurt auf Säulen? Ganz einfach:
"Ich bin die Säule meines eigenen Lebens, denn wenn ich mein Leben nicht
mehr stützen kann, dann bricht es zusammen", sagt der Künstler, der bis
zum 9. Januar 2005 im Schafstall in Bad Essen einige seiner Skulpturen als
"Figur Stele Säule" präsentiert. Zur Vernissage führte Jutta Kröning
vom Vorstand des Kunst- und Museumskreises in die Ausstellung ein.
Es ist die Gegenständlichkeit und die Methodik des künstlerischen Arbeitens,
auf die sich mit dem Begriff "Figuren" das Begreifen der Werkgruppen
und Einzelstücke des zeichnenden Bildhauers und Plastikers Lutz Hellmuth am
ehesten fassen lässt.
Zeichnerisch setzte sich Lutz Hellmuth schon früh mit der menschlichen Figur,
die er anfangs in Kleinplastiken umsetzte, auseinander. Seine Werke aus Stein,
Gips, Terrakotta und Bronze erfüllen immer wieder Orte und Räume auf Zeit mit
neuer Alltäglichkeit.
Die ersten Symposien in Oberdorla, einem Steinbruch
in der Nähe Mühlhausens in Thüringen, initiierte er maßgeblich mit. "Es
war der Reiz am Material, am Lernen technischer Möglichkeiten, verschiedenster
Steinqualitäten und die Erfahrung notwendiger Teamarbeit", begründet Lutz
Hellmuth seine damalige Teilnahme außerhalb seines Ateliers, mit der er zur Großfigurigkeit und Formentdeckung
kam. Zwischen Angst und Unruhe ist das Suchen und Finden der Figur im Stein
nach eigenem Bekunden des Künstlers angesiedelt.
Aufenthalte wie 1983 in Bulgarien, 1987 in Montenegro und ein Studienaufenthalt
1987 in Vietnam, der für das kleinplastische, mehr tektonische Herangehen ganz
unter dem Kulturerlebnis der Pagoden stehend, neue Spuren hinterließ, folgen
bis heute. Sein Weg entwickelte sich zu einer konzentrierten Vielgestaltigkeit
von Einzelfiguren, Figurengruppen, und in zeichnerischer Auseinandersetzung
gefundener Verengung auf Wesentliches.
Öffentliche Räume, sowohl im Stadt- als auch im Landschaftsbereich, in ihrer
Alltagsfunktion zu erschließen ist Lutz Hellmuth immer eine Herausforderung
besonderer Art gewesen. Mit Plastiken und Skulpturen hat er - gerade in seiner
Heimatstadt Erfurt, zum Beispiel die räumlich-bildnerische Fassung zum Thema
"Befreiung" im Jahr 1989 - Stationen geschaffen, die bis heute ihre
künstlerische Kraft behaupten. Des Weiteren inspiriert durch die Antike
entstanden unsichtbare Formstrukturen, komponiert in eine schlangenförmig
aufwärts gewundene Gestalt.
Lutz Hellmuth beherrscht eine erstaunliche Fülle künstlerischer
Ausdrucksmöglichkeiten, eine ausgeprägte Formensprache und -vielfalt, lässt in
seine Werke aber auch persönliche Empfindungs- und Erfahrungswelten wie
Verletzlichkeit, Kraft, Stille oder Auflehnung einfließen. "In der Kunst
geht es mir um die geglückte Umsetzung von praller Sinnlichkeit in eine klare,
fast minimalistisch anmutende Formensprache, wie sie unvergleichlich
meisterhaft in der "Venus von Willendorf" bereits vor Jahrtausenden
gelungen ist", sagt Lutz Hellmuth.
Die Ausstellung, die in den nächsten Tagen noch durch weitere Zeichnungen des
Künstlers vervollständigt wird, kann täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr
besucht werden.
Wittlager Kreisblatt,
25.08.2004

Bis zum 17. Oktober sind die Karikaturen von Fritz Wolf im Schafstall zu sehen.
Die Vorsitzende des Kunst- und Museumskreises,

Führte in die neue Ausstellung ein:
Dr. Wieland Sack aus Bissendorf
Mit spitzer Feder auf der Punkt gebracht
Kunst- und Museumskreis Bad Essen präsentiert in seiner Ausstellung Karikaturen von Fritz Wolf
Von
Bad Essen
„Rettet das Parlament". „Es geht um Sein oder Nichtsein". „Der ideale
FDP-Kandidat sollte gut duften,... nicht großer als seine Frau sein, ...er
sollte auf Adenauer pfeifen, ...und Strauß verachten: Fritz Wolfs (1918-2001)
Karikaturen bleiben unvergessen. Der Kunst- und Museumskreis Bad Essen
präsentiert bis Sonntag, 17. Oktober, täglich (außer montags) von 15 bis .16
Uhr einige der Wolfschen Werke aus den Bereichen „Politik, Alltagssituationen
und Gaumenfreuden" im Schafstall an der Bergstraße.
Zur Ausstellungseröffnung hieß die Vorsitzende
Einführende Worte sprach Dr. Wieland Sack aus Bissendorf. „Fritz Wolf der.
Mensch, der Künstler, der Beobachter, der Analytiker, der Freund - wo soll,
kann und darf ich da ansetzen?", fragte sich Wieland Sack, der vier
Varianten aufwarf. Wolfs Karikaturen seien minimalistisch sparsam im Strich und
auch bei der Verwendung von Farbe.
Er sei bis auf wenige Ausnahmen mit „einer" Farbe ausgekommen, nämlich
Schwarz", fuhr der Redner fort und setzte hinzu: „Seine Karikaturen waren
auch nicht eitel im Sinne von vergänglich. Viele von ihnen sind heutzutage noch
so aktuell wie früher."
Im weiteren Verlauf blickte Wieland Sack zurück auf Fritz Wolfs erste
Lebensjahre und die Entwicklung seiner künstlerischen Begabung. Fritz Wolf
sammelte Lebenserfahrung und Menschenkenntnisse und skizzierte alles. Mit Glück
überlebte er den Krieg. Dr. Sack: „Mir scheint, er hat zeit seines Lebens einen
tüchtigen Schutzengel gehabt.
Vielleicht hat er sogar das Kunststück vollbracht, die irdische
Personifizierung seines Schutzengels zu heiraten: Ohne seine geliebte Edith wäre
sein Leben bestimmt anders verlaufen. Auf jeden Fall nicht so fröhlich, nicht
so harmonisch und letztlich nicht so komfortabel für ihn. Ob er ohne sie-
sozusagen als Bodenpersonal - in 20 Jahren Arbeit für den Stern 6000
Zeichnungen fertig bekommen hätte?"
Vielleicht nur 2000, denn ohne seine Edith wären die Zeichenfedern verkrustet,
die Pinsel verklebt, die geliebten Pfeifen hätten gestunken und die Tusche wäre
eingetrocknet, wandte sich Wieland Sack an Edith Wolf. Ohne den Freiraum, den
seine Frau ihm schuf, hätte Wolf sicherlich nicht so viel Muße gehabt, die
weltpolitischen und gesellschaftlichen Probleme zu verfolgen und in seinen
Karikaturen auf den Punkt zu bringen...
Fritz Wolf, 1918 in Mülheim/Ruhr geboren, war ab 1954 für die „Neue Osnabrücker
Zeitung" tätig. Von 1958 bis 1992 zeichnete er auch für den „Stern",
von 1978 bis 1980 für „Brigitte" und von 1957 bis 1958 für „Die
Welt". Mit seinen Werken traf er immer - ohne zu verletzen.
Von Fritz Wolf hieß es: „Er sticht mit der Feder, aber es fließt kein
Blut." Die Exponate des Karikaturisten im Schafstall an der Bad Essener
Bergstraße sollen nicht nur erfreuen und zum Schmunzeln ermuntern, sondern auch
zum kritischen Nachdenken anregen.
Wittlager Kreisblatt,
03.07.2004

Museumskreis: Der Vorstand wechselt
Caspar Sievekinq
löst
Bad Essen (wms)
Wechsel an der Spitze des Kunst- und Museumskreises Bad Essen:
Zuvor hatte die scheidende Vorsitzende die zurückliegenden Aktivitäten nochmals
verbal Revue passieren lassen. Von der ersten Ausstellung 2003 mit Radierungen
von Andreas Noßmann über die Afrika-Schau der
Altkreis-Schulen, die Keramiken und Skulpturen von Margret Bergmann und Wolf
Ewert, die Grafiken und Farbradierungen von Katrien Caimax bis zu den Farbradierungen von Hans-Ruprecht Leiß. Ansprechende Unterhaltung bei gutem Besuch konnte die
Vorsitzende auch den Veranstaltungen mit Gerd Spiekermann, den plattdeutschen
Erzählungen und den „Shneedles" mit ihrem
Variete „Luggage - The Concert Show"
attestieren. Auch die beiden Lichtbildervorträge von Dr. Liesel Meyfarth über Picasso und Matisse fanden reges Interesse.
Außerdem war wieder die Osnabrücker Probebühne mit ihrem Programm
„Nach(t)klang" zu Gast, und zum Jahresabschluss fand das traditionelle
Weihnachtskonzert mit „Consort for
the Nonce" statt.
Für die zweite Jahreshälfte 2004 sind Ausstellungen von Fritz Wolf
(Karikaturen) und Lutz Hellmuth (Figur Stele Säule) geplant. Des Weiteren eine
Exkursion zum Weltkulturerbe „Zeche Zollverein in Essen Kunst und
Architektur", die „10. LiteraKur" sowie ein
Diavortrag über „Australien, Land der Farben".
Schatzmeister
Wittlager Kreisblatt,
02.06.2004

Leichtigkeit und Zartheit heben das Fachwerk auf
Bad Essen (kem)
"Tina Stolt hat im Schafstall einen völlig neuen Raum geschaffen.
Die Leichtigkeit und Zartheit der Exponate vermag es, das strenge Fachwerk
aufzuheben."
Allerdings hatten sich die Gegebenheiten des Schafstalls für die Künstlerin, die aus Gummersbach stammt, als nicht leicht zu meisternde Herausforderung erwiesen. Ein Ortstermin gehörte ebenso dazu wie die Notwendigkeit, verschiedene Objekte speziell für die bis zum 4. Juli laufende Bad Essener Ausstellung zu fertigen.
Eine ganz wichtige Rolle im Schaffen der Künstlerin Tina Stolt spielt heute das Material Gaze. So brauchen die Arbeiten (Motiv sind vielfach harmonische Körper ohne Kopf und Extremitäten) keinen zusätzlichen Hintergrund. Die Objekte werfen Schatten, werden beeinflusst durch die Bewegung des Betrachters, es entsteht Kommunikation.
Im Schafstall finden sind gleichermaßen große Installationen und normalformatige Arbeiten. Gemeinsam haben sie eine verblüffende Tiefenwirkung. Ausgangspunkt für die Gazearbeiten war die Frage, wie es gelingen könnte, mit Bildern in den Raum zu gehen. Nebeneffekt dabei, dass niemand den Objekten einfach den Rücken zudrehen kann, wie das bei Bildern, die an der Wand hängen, der Fall ist.
Neben den säulenartigen deckenhohen Hängeobjekten gibt es einzelne Figuren auf Gazebahnen sowie kleinere Arbeiten auf Gaze zwischen Glasscheiben sowie mit Gaze bespannte Stahlgerüste. Die Anziehungskraft ist groß, wenngleich es dem Betrachter schwer fällt, die Faszination in Worte zu fassen.
Tina Stolt lebt und arbeit heute in Karlsruhe, wo sie einen Lehrauftrag für Drucken und Zeichnen an der Pädagogischen Hochschule hat. Ihre Werke waren in der Vergangenheit unter anderem in der Gedenkstätte Buchenwald, im Landgrafenschloss Marburg und in der Orgelfabrik Karlsruhe zu sehen.
Dass sie jetzt
in Bad Essen ausstellt, ist ihrem Werkkatalog zu verdanken. Den hatte
Wittlager Kreisblatt, 30.12.2003
Mit Weihnachtslied und Liebesleid im Schafstall
Bad Essen (dab)
„Ay Amor! O Liebe!“ Mit solch sehnsuchtsvollem Singen
haben die Besucher im voll besetzten Schafstall das Weihnachtsfest wohl zum
ersten Mal ausklingen lassen. Urheber der leidenschaftlichen Empfindungen waren
am zweiten Feiertag die Musikerinnen von „Consort for the Nonce“.
Auf Einladung des Kunst- und Museumskreises Bad Essen brachten sie Lieder des
spanischen Barock zu Gehör.
Mit dem Trio betrat eine ebenso junges, wie internationales Ensemble die Bühne
des Schafstalls: Die der Alten Musik verschriebene „Gemeinschaft für eine
besondere Gelegenheit“ hat sich erst in diesem Jahr zusammengefunden. Dem
Spanien des 16. bis 18. Jahrhunderts nähert sich die Gruppe gleich von drei
Ländern aus: Constance Allanic (Barockharfe, Viola da
Gamba) stammt aus Utrecht, Imma Einsingbach (Gesang, Barockgitarre) ist
Bremerin und Lynda Sayce (Theorbe, Barockgitarre) wurde in Birmingham geboren.
Rund zwanzig Kompositionen (Vokalstücke wie Instrumentalpartien) von Künstlern
wie Pedro Rabassa oder Diego Ortiz standen auf dem
Programm - meist so genannte „Villancicos“, Lieder
aus Refrain und Strophe, die zuallererst weltliche, in ihrer späteren
Entwicklung auch moralisch-religiöse Themen behandeln.
Die Stimmung im Schafstall wechselte mit dem Charakter der besungenen Stoffe:
Juan Hidalgos „Ay Amor, ay ausencia“, das dem Abend den
Titel lieh, beschwört in zehrender Klage den Liebesverlust. Heiter, ja närrisch
steht dagegen die Spottlust, mit der derselbe Komponist eine Dienerin
scharfzüngig ihre Herrinnen durchleuchten lässt.
Von dunkler Poesie wiederum war die musikalische Warnung eines José Gaz an die „Avecilla“, jene
kleine Biene, die im Morgengrauen „die Lippen der schlafenden Sonne sticht“.
Nicht minder düster die mahnenden Strophen eines anonymen Komponisten, die die
tragische Havarie eines überheblichen Schiffes prophezeien.
Aber auch der festliche Anlass des Konzerts geriet nicht in Vergessenheit. Denn
nicht nur Liebesschmerz, auch Christi Geburt war Thema der barocken
Lieddichter, so dass das „Consort for
the Nonce“ auch hier aus
einem reichen Fundus schöpfen konnte.
Ein besonderes Verdienst des Abends: Neben dem Vortrag wurden dem Publikum
zugleich Verständnishilfen für die manchem gewiss unvertraute Musik geboten:
Welchen Platz etwa die Theorbe - eine rundbauchige
Verwandte der Gitarre - in der Orchestergeschichte hat und wie die Barockharfe
sich von ihren heutigen Nachkommen unterscheidet, erklärten die Musikerinnen in
prägnanten Einschüben. Dass zudem Blätter mit den deutschen Übersetzungen der
Originaltexte bereitlagen, vertiefte das Konzert um ein Weiteres. Kurzum: Der
Hörgenuss wurde zum Bildungserlebnis.
Zum kommenden Jahr will sich das Trio übrigens umbenennen: Ab dann treten die
Künstlerinnen unter dem Namen „Stella Vagans“
(Wandernder Stern) auf. Vielleicht führt sie ihre Wanderschaft ja noch einmal in
den Altkreis. Zu einem Weihnachtskonzert würde jedenfalls auch der neue Name
gut passen.
Umrahmt von
klassischen Klängen und Tangomelodien des Gitarristen Klaus Hunfeld,
konnte die Vorsitzende des Kunst-und Museumskreises
Bad Essen,
In ihrer kurzen Einführung zum Werdegang und Schaffen der bei der Vernissage anwesenden Künstlerin erwähnte sie auch deren Beteiligung an der hiesigen Doppelausstellung im Jahre 1996 und in diesem Zusammenhang den durchaus bemerkenswerten Vorgang, dass eine Besucherin damals offenbar spontan beschlossen hatte, ihrer inzwischen siebenjährigen Tochter den Vornamen Eva-Katrien zu geben.
Die 1951 in der belgischen Provinz Limburg geborene Künstlerin absolvierte nach einem zweisemestrigen Umweg über die Germanistik ein Grafikstudium, nachdem ihr erhebliche Zweifel über die Vereinbarkeit ihres „widerspenstig“-kreativen Charakters mit einer akademischen Laufbahn bzw. dem Beruf als Lehrerin gekommen waren. Nach längeren Auslandsaufenthalten (u.a. von 1974 an zwei Jahre in Marokko) hatte sie bereits mit 24 Jahren ihre ersten eigenen Ausstellungen in Belgien und Spanien. Zu diesem südeuropäischen Land, seiner Kultur und Literatur (z.B. F. Garcia Lorca) unterhält sie im übrigen eine andauernde enge Beziehung, was sich auch darin zeigt, dass sie seit 1979 als regelmäßiges künstlerisches Refugium ein unwirtliches und abgelegenes asturisches Bergdorf bevorzugt. Die an der Universität Belgrad erlernte Technik der Farben-Aquatinta führte von 1979 an zum Herstellen eigener Farbradierungen und gab darüber hinaus einen wichtigen Impuls, dass sie 1984 zusätzlich mit der Malerei begann, verbunden mit der Intention, Spontaneität und unbegrenzten Farbenreichtum auch auf ihre grafische Arbeit zu übertragen. Die ersten Gemälde auf Papier dokumentierten noch deutlich die kräftigen Linien ihres persönlichen Zeichenstils, betont durch ausdrucksvolle Farbflächengestaltung. Dies änderte sich jedoch relativ rasch, als sie mit Pastell, Ölfarbe auf Leinwand, Gouache, Acryl und Farbstift zu experimentieren anfing. Auch ihre Radierungen bekamen nun einen explizit malerischen Ausdruck: der Gebrauch von Farbflächen verdrängte die allmählich an Bedeutung verlierende Linearzeichnung. Dieser stilistische und technische Reifeprozess war insgesamt gekennzeichnet durch einen großen Farbenreichtum in Verbindung mit einer starken Komposition und verschaffte der rührigen Künstlerin mit ihrem ganz individuellen Stil auf zahlreichen Messen und Ausstellungen breite internationale Anerkennung.
In einem Grenzbereich zwischen Realismus und Abstraktion treten in ihren Werken meist weibliche Figuren als verletzliche Symbole der existentiellen Problematik von Weiblichkeit hervor, die oft von Dreiecken, magischen Spiralen, Fischen, Herzen, weisen Eulen etc. behütet werden und etwas zu beobachten scheinen, was uns gerade entgeht. Die thematische Expressivität ihrer Arbeiten wird durch dieses Stilmittel und die Titelgebung (Mimosa, Help, Dreaming etc.) bisweilen mit spielerischer Ironie und humorvollen oder poetischen Anspielungen gedämpft. Das umfangreiche Oeuvre von Katrien Caymax versteht es auf besondere Weise, den aufmerksamen Betrachter immer wieder zu locken, zu provozieren, zu überraschen und seine Phantasie zu beflügeln.
In gewisser Hinsicht kann ihr Schaffen als klassisch bezeichnet werden, da sie große Sorgfalt hinsichtlich der Komposition walten lässt, aber auf der anderen Seite zeigt die Figuration auch markante zeitgenössische Züge und ist erkennbar durch die Bildsprache der modernen Medien beeinflusst.
Die wirklich sehenswerte Ausstellung ist noch bis zum 26. Oktober geöffnet- täglich von 15 bis 18 Uhr außer Montags
Wittlager Kreisblatt, 06.11.2002
„Phänomen Grass“ sorgte in Bad Essen für einen Rekord
Bad Essen (ms)
Der Nobelpreis machte Günter Grass zum Medienstar: Quasi über Nacht entdeckte
die Nation in dem einstmals gefürchteten, kompromisslosen Streiter den sinnenfrohen
Künstler und Genussmenschen. Auch im Schafstall sorgte das „Phänomen Grass“ für
einen Rekord. Zur Eröffnung der Ausstellung mit seinen neueren Skulpturen und
Graphiken drängelten sich so viele Besucher wie noch nie durch die Räume, um
eine weitere Facette einer vielseitigen Persönlichkeit zu entdecken.
Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens ist es dem Kunst- und Museumsverein in Zusammenarbeit mit der Galerie Beckmann aus Rheine gelungen, diese hochkarätige Ausstellung in den Kurort zu holen. Zu sehen sind Bronzeskulpturen, Litographien und Algrafien (Aludrucke) des gelernten Bildhauers, der sich selbst als „schriftstellerischer Autodidakt“ bezeichnet. Dr. Elisabeth Mardorf führte die Besucher mit einem spannenden Vortrag durch die verschiedenen Themenbereiche der Schau. Immer wieder zog sie Parallelen zwischen dem Schriftsteller und dem bildenden Künstler Grass. Das Thema „Tanz“, das im Mittelpunkt der Ausstellung steht, sah sie als subversives Element schon in der Blechtrommel angelegt. Und auch in „Mein Jahrhundert“ versuche die Verkäuferin Ilse Lepinski niemanden geringeren als Kurt Tucholsky von den Vorzügen der rhythmischen Bewegungen zur Musik zu überzeugen.
Die dazu passenden Skulpturen und Lithographien leben von einer greifbaren Körperlichkeit und Sinnlichkeit gepaart mit einer großen Portion Humor, die sie zum Teil fast schon in die Nähe von Karikaturen rückt. Aber nicht immer sind die Verbindungen zwischen Wort und Bild so versteckt: Grass schreibt in seine Bilder, lässt Katzenaugen zwischen Auszügen aus seinem Buch „Gleisdreieck“ hervorlugen oder diktiert den Köchen die Rezepte direkt in die Köpfe. Nicht nur mit spitzer schwarzer Feder bringt er seine Ideen zu Papier. In den letzten Jahren hat Grass die Farbe entdeckt, malt Waldbilder, die an Aquarelle erinnern und ganz banal die Schönheit der Natur illustrieren.
Das Pendeln zwischen Kritik und praller Lebensfreude zeichnet nicht nur den Schriftsteller, sondern auch den Künstler Günter Grass aus. Wo seine Tanzpaare trotz aller Nähe immer auch ein wenig distanziert erscheinen, präsentierten Geneviève Watkins und Fabia de Lluca im Schafstall im Anschluss an den Eröffnungsvortrag eine Tango-Einlage voller Temperament und sprühender Erotik. So schloss sich der Kreis und dem begeisterten Tänzer Grass hätte diese Darbietung sicherlich gefallen. Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Januar 2003 in Bad Essen zu sehen. Der Schafstall ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Wittlager Kreisblatt, 18.11.2002
Grass-Ausstellung sorgt für neuen Besucherrekord
Bad Essen (orf)
Am 1. November ist die neue Ausstellung des Kunst- und Museumskreises Bad Essen
im Schafstall an der Bergstraße eröffnet worden. Zu sehen sind noch bis zum 6.
Januar Skulpturen, Algrafien und Lithografien des
Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass. Die Ausstellung dürfte eine
Rekordbesucherzahl erreichen.
Das wurde jetzt auf der
Jahreshauptversammlung des Kunst- und Museumskreises berichtet. Bislang zählte
der Verein schon mehr als 260 Gäste, die die „andere Seite“ des streitbaren
Literaten kennen lernen wollten. Die Ausstellungen werden jeweils gut zwei
Monate lang präsentiert. Die Vereinsvorsitzende
Der Kassenbericht wies im
vergangenen Jahr zudem ein Minus auf. Der Verein musste erhebliche Mittel
investieren, um die Heizungsanlage im Schafstall zu erneuern. In diesem Jahr
rechnet Kassenwart
Auf der Tagesordnung des Abends
stand auch die Wahl eines neue Vorstands. Erste
Vorsitzende des Kunst- und Museumskreises bleibt

Wittlager Kreisblatt, 31.10.2002
Die andere Seite des Nobelpreisträgers Grass
Bad Essen (mar)
Als Schriftsteller ist er berühmt, als sinnenfroher Tänzer seit der Feier zur
Nobelpreisverleihung vielen bekannt, als Grafiker und Bildhauer wird er meist
nur durch Bilder in seinen Büchern oder auf Buchcovern
wahrgenommen.
Am 16. Oktober wurde Günter Grass 75, und am 20. Oktober wurde in Lübeck das Günter-Grass-Haus eingeweiht, in dem das literarische und künstlerische Schaffen als Einheit präsentiert werden. Der Kunst- und Museumskreis Bad Essen feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen, und als Höhepunkt der Ausstellungen dieses Jahres wird nun die Ausstellung des Jubilars Günter Grass präsentiert. Durch das Engagement der Galerie Beckmann, Rheine, wurde es möglich, neueste Skulpturen und Grafiken von Günter Grass zum Thema „Tanz“ zu zeigen. Der Schriftsteller Grass begann seine künstlerische Laufbahn als Bildhauer und als hungernder Grafiker. Anfang der Fünfziger Jahre zeichnete er die grünen Heringe, von denen er sich hauptsächlich ernährte. Er entschied sich im Widerstreit der Kunstströmungen schon früh für die gegenständliche Moderne, und er meidet grelle Farbigkeit. Sein einziges buntes Ölgemälde malte er für seine Mutter. Bei Karl Hartung lernte er, alles Unnütze wegzulassen, Themen und Formen zu reduzieren und auf das Wesentliche und dann erst mit der Formung zu beginnen – eine Methode, die schließlich auch seinem Schreiben zugute kommt.
„Ich habe zum Glück die Möglichkeit, nach einer längeren Prosastrecke Radierungen, Litohgrafien, Aquarelle oder auch Plastiken zu machen, so dass ich nicht dauernd unter Schreibzwang stehe. Am liebsten ist mir, wenn etwas auf Papier entsteht, ob das Sätze sind oder eine Zeichnung.“. In den letzten Jahren wurden seine Bilder farbiger. In „Mein Jahrhundert“ illustrieren sie die Zeitgeschichte von hundert Jahren, in „Fundsachen für Nichtleser“ geben sie hinreißende Einblicke in den Humor und die Altersweisheit des Menschen Günter Grass. Die neuen Skulpturen und Lithografien zum Thema Tanz zeigen eine Körperlichkeit und Sinnlichkeit, die schon in früheren Arbeiten von Grass durchschien. Politisch engagierter und kritischer Künstler zu sein widerspricht nicht der prallen Daseinsfreude eines intensiv gelebten Lebens.
Die Ausstellung wird eröffnet am Freitag um 20 Uhr im Schafstall, Bergstraße 31. Es spricht Dr. Elisabth Mardorf. Fabia de Lluca und Geneviève Watkins tanzen Tango. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 15 bis 18 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 6. Januar 2003 zu sehen.