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Kunst und Museumskreis Bad Essen e.V.

 

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2011

Wittlager Kreisblatt
Autor: Christa Bechtel 11. Oktober 2011

Ausstellung von Bernd Spriewald im Schafstall
"Randfiguren" bis zum 20. November in Bad Essen

Bad Essen. „Wir können heute Abend eine Vielzahl von Personen begrüßen: Einen kranken Raucher, eine Großmutter mit Kindern, mit und ohne prügelnden Vater, Käsemann und Biernat aus der Kneipe, die sich das vorne im Foyer gemütlich gemacht haben, die Schlagersängerlegende Graf Hermann Jennebach, Reinhold Glowatzky mit seinem Königspudel Napoleon oder das Monstrum vom Montparnasse“, erläuterte Andreas Arlinghaus-Deutschmann zur Ausstellungseröffnung.
Bernd Spriewald mit seinem „Selbstbildnis mit Palette“. Fotos: Christa Bechtel Dabei blickte er im Schafstall an der Bergstraße in Bad Essen auf die „Randfiguren“, der Titel der neuen Ausstellung des Kunst- und Museumskreises Bad Essen.
Keine ‚Randfigur‘ sei Bernd Spriewald aus Petershagen, der all das in seinen Gemälden und Zeichnungen festgehalten habe, unterstrich Arlinghaus-Deutschmann, der das Wort an Rudolf Uhlig aus Rahden übergab, der in die Ausstellung einführte.
„Schreib, was du willst, aber quäl dich nicht“, habe ihm Spriewald vorgegeben, erklärte Uhlig, der äußerst humorvoll mit einer Kunstanalyse auf das größte Bild ‚losging‘: „Schrank mit Katze und Selbstbildnis mit Gewehr“. Detailliert schilderte er, was der Betrachter dort sieht, zauberte daraus eine launige Geschichte, was dort geschehen sein könnte, und meinte anschließend: „Man kann sich nur wundern, was alles in so einem Bild steckt, wenn das, was man sieht, und das, was nicht zu sehen ist, zusammengeführt wird.“ Dies gelte in besonderer Weise für die Bilder Bernd Spriewalds. Uhlig sah seine Erzählung als eine Einladung an die Betrachter, die Geschichten zu den anderen dargestellten Szenen zu finden.
„Was wird der abscheuliche Rupert vor dem gedeckten Tisch als Nächstes tun, nachdem er offenbar schon der Kasperpuppe ein Auge ausgerissen hat? Wieso duldet Herr Jennebach, dass sie in seinem Cadillac die Luft so verpesten, dass sie durch die Scheiben nicht mehr zu erkennen sind?“, warf Rudolf Uhlig nur einige Fragen zu den verschiedenen Werken auf. Oder der Strand: Auf den ersten Blick azurblau, auf den zweiten satanisch. Je ruhiger der erste Eindruck sei, desto abgründiger, was unter der Oberfläche lauert. Das mache das Werk Spriewalds unverwechselbar, betonte Uhlig.
Realistisch, ironisch, grotesk, skurril, doppelbödig konzentriert sich das malerische und grafische Werk von Bernd Spriewald auf Menschendarstellung. Woher bekommt Bernd Spriewald seine Inspirationen? „Die fliegen mir zu“, antwortet er sofort und verdeutlicht weiter: „Ich reagiere auf meine Umwelt, und was mich interessiert, das verarbeite ich.“ Wie zum Beispiel seine Arbeit „Strand“ aus diesem Jahr. „Ich hatte Lust, einen Strand zu malen, und das entwickelte sich dann mit so einigen Kleinigkeiten“, blickt er schmunzelnd auf sein teilweise sarkastisches Werk. Er arbeite ohne, aber auch mit Fotos, „und vermenge das“, sagt Spriewald, der aber auch völlig frei in Öl und Acryl arbeitet. Über Wilhelm Busch entdeckte er seine Leidenschaft zur Malerei. „Das Erste, an das ich mich erinnern kann, war diese ‚Maler Klecksel‘-Geschichte, die ich nachgemalt habe. Dieser dicke Bauch mit der Suppe drin“, blickt er auf seine Anfänge zurück, die sich dann verselbstständigten. Auf dem Gymnasium lernte er einen Maler kennen, „der mich sehr gefördert hat.“
Die Ausstellung kann bis zum 20. November täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr im Schafstall besucht werden.

 

Wittlager Kreisblatt
Quelle: pm/Wittlager Kreisblatt 17. August 2011

Neue Kunstausstellung wird Freitag eröffnet
Schafe kehren in den Bad Essener Schafstall zurück

pm Bad Essen. Wo sich in früheren Zeiten Schafe an den Fachwerkbalken schubberten, sind ab dem 19. August gemalte Versionen diverser Kreaturen in den Räumen des Kunst- und Museumskreises Bad Essen zu sehen.
Tiere haben sich erst in die jüngsten Bilder Bernd Rüsels eingeschlichen, diese stehen beinahe gleichwertig neben den menschlichen Figuren und treten mit ihnen in einen Dialog. Die große Faszination am Thema speist sich – neben ihrer formalen Anders- und Fremdartigkeit – aus der Beobachtung, dass diese zutiefst seelenvoll und zugleich selbstvergessen erscheinen können. In der Konfrontation mit dem menschlichen Figurenpersonal entsteht somit eine besondere Spannung.
Rüsel geht sehr sparsam mit der Darstellung des Umfeldes seiner Figuren um, wenn er überhaupt verraten will, wo er seine Figuren oder Figurengruppen gesehen haben möchte. Es reicht ihm eine Horizontlinie, um eine Strandsituation zu manifestieren, ein Kissen, um ein Sofa oder eine Liege als Erzählort zu kennzeichnen oder die Spitzen einer Dachlandschaft, die den Betrachter an einen verborgenen Platz in den Stadtraum mitnehmen.
Ein Großteil der Arbeiten ist auf rohe Holzbohlen gemalt und wird durch diesen Untergrund stark geprägt. Die Spuren von Gebrochenheit und Verwitterung erscheinen in der Fläche oder an den Bildrändern und geben dem Ganzen einen morbiden Charakter, der eine eigene Wirkung auf das Gesamtbild hat.
Die Struktur des Holzes wird zum Bestandteil des Bildes. Es kann zu einer wundersamen Ergänzung kommen, wenn Tiere auf Holz erscheinen. Denn die Holzstruktur bringt lederartige Haut oder Fell aufs Beste hervor.
Farben sind bei Rüsels Arbeiten das entscheidende Mittel zur Erzeugung einer Stimmung. Der Farbklang, der im kontrastiven Nebeneinander wie in feinen Übergängen entsteht, kann sowohl Ruhe, Gelassenheit und Intimität als auch Unruhe und Fragilität erzeugen.
So, wie wir das Vergangene und Verlorengegangene idealisieren, künden die Bilder vom Traumhaften, Paradiesischen und zugleich von der Endlichkeit des Seins und dem Verlorenen.

Die Ausstellungseröffnung im Schafstall Bad Essen, Bergstraße 31, findet am Freitag, 19. August, ab 20 Uhr statt.
Die Ausstellung läuft bis zum 3. Oktober und ist dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

 

Wittlager Kreisblatt
Veröffentlicht am: 07.03.2011
Von Christa Bechtel
Bad Essen.

Innere Welt sichtbar machen Patienten stellen Bilder und Objekte im Schafstall Bad Essen aus

Bad Essen. „Die Kunsttherapie gehört zu den sogenannten nonverbalen Therapien und ist mittlerweile an vielen Universitäten als fester Studiengang etabliert. Sie wird erfolgreich im ambulanten und stationären Bereich oder auch in freier Praxis bei vielen Zielgruppen eingesetzt“, verdeutlichte Gerda Dingemann, Kunsttherapeutin der Paracelsus-Berghofklinik.

Im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße führte sie in die aktuelle Ausstellung des Kunst- und Museumskreises (KMK) mit dem Titel „Inside – Outside“ ein.

Zum zweiten Mal biete der Kunst- und Museumskreis Bad Essen, auf Initiative seines Vorsitzenden Dr. Caspar Sieveking und dessen Frau Martina, Patienten der Paracelsus-Berghofklinik und der Wiehengebirgsklinik ein Forum, ihre Bilder und Objekte im Schafstall auszustellen, freute sie sich. Kunsttherapie allgemein gehe davon aus, „dass viele Menschen sich gerade auf emotionaler Ebene besser nonverbal als verbal ausdrücken können.

Da, wo Worte fehlen, setzen in der Kunsttherapie Farben, Formen, Symbole ein“, erklärte Gerda Dingemann, die eingehend darüber informierte, wie dieses Heilverfahren in der Berghofklinik eingesetzt wird. Dieses kunsttherapeutische Konzept hätten sie und Dr. Peter Subkowski, Ärztlicher Direktor der Berghof- und Wittekindklinik, mittlerweile auf vielen internationalen Kongressen wie in Luxemburg, Budapest oder London vorgestellt.

Jeder Mensch, so Dingemann, sei in der Lage, sich authentisch, expressiv und originell auszudrücken und bewirke dadurch eine Veränderung und Verbesserung seiner Lebenssituation. Denn: „Erst in einer angstfreien, von Empathie geprägten Atmosphäre ist es den Patienten möglich, sich authentisch und expressiv auszudrücken, ihre innere Welt nach außen hin sichtbar zu machen. Deshalb haben wir diese Ausstellung „Inside Outside“ genannt“, unterstrich die Therapeutin, die weiter herausstellte, dass im spielerischen Umgang jeder Patient das für sich geeignete Material herausfinden könne. „Kunsttherapie, wie ich sie verstehe, geht über die eigentliche stationäre Therapie hinaus. Das Ziel ist der schöpferische Mensch, der Lebenskünstler, der sein Leben selbst gestaltet, in Eigenverantwortung und sozialer Kompetenz“, schloss Gerda Dingemann. Kreativität fördern

Im Namen des Kunst- und Museumskreises hatte eingangs Martina Sieveking die Patienten, Künstler und Gäste begrüßt, insbesondere Klaus Bogler, Verwaltungsdirektor des Therapiezentrums Bad Essen, sowie die beiden Chefärzte Dr. Peter Subkowski und Dr. Caspar Sieveking, Wiehengebirgsklinik. „Wir hatten 2000 bereits eine Kunsttherapie-Ausstellung, die großen Anklang gefunden hat“, bemerkte sie.

Satzungsgemäß gehöre es zu den Zielen des Vereins, so Vorsitzender Caspar Sieveking, nicht nur Ausstellungen von professionellen Künstlern zu präsentieren, sondern auch die Aktivierung von künstlerischer Betätigung zu fördern. Dies sei des Öfteren mit Schüler-Ausstellungen geschehen, betonte der Vorsitzende. Im Eingangsbereich des Schafstalls sehe man Werke von Patienten der Wiehengebirgsklinik Hüsede, die in der Ergotherapie im Bereich Kreativtherapie entstanden seien, stellte Sieveking dar.

Dazu gehören Acryl-Arbeiten wie „Pferd“, „Leben“ „Stürmisches Leben“ oder die Skulpturen „Gefühle“, „Geborgenheit“, „Ruhe“. In den beiden weiteren Räumen findet der Besucher Exponate der Kunsttherapie von Patienten der Berghofklinik wie Leinwandbilder mit dem Titel „Umarmung“, „Kaos“, „Süchte“. Techniken auf Papier

Zu den unterschiedlichen Techniken auf Papier zählen zur Serie Natur „Stone“, „Air“ oder „Face“, zu den Porträts „Leben I und II“, zu den Gesichtern „Gesichter I, II und III“ sowie Objekte/Skulpturen wie „Die Beiden“ aus Draht und Pappmaschee oder das Gruppenprojekt „Die zerbrochene Säule“ aus Draht, Pappmaschee, Gips, Metall, Acryl.

Bis zum Sonntag, 3. April, kann die neue Ausstellung täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr im Schafstall Bad Essen besucht werden. Einige Exponate können käuflich erworben werden, andere wiederum sind unverkäuflich.

 

2010

Wittlager Kreisblatt
Veröffentlicht am: 03.10.2010

Betrachter wird Teil der Bilder
Von Christa Bechtel
Bad Essen.

Bad Essen. Ist das nicht Napoleon? Nein, wohl eher nicht... Aber diese Zitronen, sie dominieren stark! Tatsächlich: Das Werk heißt auch „Zwei Zitronen“. Solche oder ähnliche Gedanken werden den Besuchern durch den Kopf gehen, sobald sie den Bad Essener Schafstall betreten und dieser signifikanten Arbeit begegnen.

Arsentij Pawlow stellt seine Werke bis zum 14. November im Bad Essener Schafstall aus.

Auf Einladung des Kunst- und Museumskreises stellt dort Arsentij Pawlow aus Osnabrück etwa 30 seiner Werke mit Lithografie und Malerei aus. Titel: „Aut regem aut fatuum nasci oportere“ (zum König oder zum Narren muss man geboren sein).

Waren es früher Stadtansichten, so stellt Pawlow seit geraumer Zeit Menschen in den Mittelpunkt. Warum? „Ich mag Menschen“, sagt er spontan. Die stehen ihm entweder Modell, er fotografiert sie oder stellt Situationen nach. In seinem „Napoleon“ Werk – übrigens ein Gaukler – sieht der russische Künstler eine Art Symbol für das Künstlerische in jedem Menschen. „Nicht nur in der bildenden Kunst, sondern jeder Mensch hat schöpferische oder zerstörerische Kraft“, ist sich der 1983 in St. Petersburg geborene Maler sicher. Mit seiner Kunst möchte er in keine Schublade ,gesteckt‘ werden, sondern sieht sich im frühen Mittelalter angesiedelt.

„Es hat knapp zwei Jahre gedauert – von der Vorbereitung bis jetzt, dass diese Ausstellung geklappt hat“, freute sich Andreas Arlinghaus-Deutschmann, der im Namen des Vorstandes des Kunst- und Museumskreises die Besucher zur Vernissage willkommen hieß..

„Ich kenne Arsentij nun schon ein paar Jahre und konnte seine künstlerische, wie ich finde, erstaunliche Entwicklung beobachten“, sagte Toni Walz, der in die Ausstellung einführte und nicht nur kunstkritische Gespräche mit dem jungen Künstler führt, sondern: „Wir haben auch seit einem Jahr eine Ateliergemeinschaft“, bekannte er. Die Motive der künstlerischen Arbeiten Pawlows seien in der jüngeren Vergangenheit zusehends fragmentarischer, leerer geworden; die klare Erzählstruktur früherer Bilder habe einen Destruktionsprozess durchgemacht, und auch seine künstlerische Technik habe sich verändert, so Walz. Materielle Eigenart und Motivik würden zu einer spannungsvollen Symbiose finden. Walz: „Bildteile werden auseinandergeschnitten, rücken voneinander weg und schaffen so einen Leerraum, einen Denkraum. Oder sie rücken zusammen, bis sie beginnen, einander zu überlagern oder finden sich hineincollagiert, hineingedruckt in einem völlig neuen Kontext wieder.“

Arsentij Pawlow nehme Figuren, kontrastiere sie mit abstrakten Formen und verbinde die künstlerischen Ausdrucksformen Malerei und Grafik, hier der Lithografie in einem Bild. „Die Figuren in Pawlows Bildern verwickeln den Betrachter in eine Auseinandersetzung, ein zärtliches Augenspiel oder auch Schabernack, bevor Sie es merken“, wandte Walz sich an die Zuhörerschaft. Der Betrachter nehme also an den Bildern teil, und sobald er sich auf diesen Blick einlasse, „ist er gefangen, er ist im Bilde, wird Teil dieser Bilder und ihrer Geschichten. Deren Dramatik ist die des Lebens“, meinte der frühere Bauzeichner. Ein Schauspiel – komplex, tragisch oder komisch, manchmal ganz logisch, dann wieder unverständlich oder hintergründig. „Das Leben eben!“ Die Ausstellung dieses vielversprechenden Malers kann bis zum 14. November täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht werden; der Eintritt ist frei.

 

Wittlager Kreisblatt, 14.06.2010

Präsenz in jedem Bildwinkel

Von Christa Bechtel
Bad Essen.

Er ist ein exzellenter Geiger, er schreibt, er dichtet und er malt: Die Rede ist vom weltweit gefeierten Schauspieler Armin Mueller-Stahl. Passend zur Landesgartenschau in Bad Essen präsentiert der Kunst- und Museumskreis (KMK) bis zum 26. September etwa sechzig „Bildwelten“ von ihm im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße. Zum 1. August werden die Bilder gewechselt.

Selbstbildnis, August 1998.

„Die Frauen wurden zunehmend nervös beim Herannahen dieses Abends. Meine Frau hat heute Nachmittag noch versucht, die Agentur zu erreichen, um doch irgendwie ein Date zustande zu bringen“, meinte launig zur Begrüßung KMK-Vorsitzender Dr. Caspar Sieveking. So wies er eingangs der Vernissage auf das Fehlen des charismatischen Künstlers hin, der zurzeit in Amerika weilt. Danke sagte Sieveking Wolfgang Middelberg von der Osnabrücker Kunsthandlung Hülsmeier, „der den Künstler vertritt und ganz entscheidend an der Vorbereitung und Organisation der Ausstellung mitgewirkt hat“.

„Armin Mueller-Stahl – ein Name, der für die Darstellung von Charakterrollen internationalen Rangs steht. Nun macht er sich mit 80 Jahren daran, eine weitere Kunst mit seinem Namen fest zu verbinden: die Malerei“, unterstrich Petra Schiprowski, Kunsthistorikerin und langjährige Mitarbeiterin der Galerie Hülsmeier, die in die Ausstellung einführte. Für Mueller-Stahl sei der Mensch das Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeit: „Der wechselnde Blick auf den Menschen ist Gegenstand seiner Kunst.“ Mit wenigen Strichen oder Pinselführungen hält er das Zentrum seiner Botschaft fest, „minimalisiert, was durch genaues Hinsehen oder Beobachten erkannt wurde, und das setzt er mit sparsamen Gesten darstellend um“, erläuterte die Kunsthistorikerin.
Die starke Expressivität seiner Arbeiten werde durch hohe emotionale Intensität bedingt. Innere Einfühlung und abstrahierende Vorstellungskraft fänden dauerhaften Fortbestand auf dem Bildgrund. Stilistisch habe das Multitalent eine eigene individuelle Ausdrucksform entwickelt, „seine einmalige Zeichensprache, die die Handschrift, die Persönlichkeit seines Schöpfers spiegelt. Der Künstler zeigt Präsenz in jedem Bildwinkel“, betonte Petra Schiprowski.
Bis 2000 habe Mueller-Stahls Schaffen ausschließlich seiner Selbstreflexion gedient; er führte Tagebuch in Bildern. Bedrängt durch seine Freunde, habe er an seiner früheren Wirkungsstätte Babelswerk eine Auswahl seiner Bilder ausgestellt, stellte die Osnabrückerin dar. Fünf Jahrzehnte sei er nun bildkünstlerisch tätig, unzählige Arbeiten auf Papier und viele Malereien seien entstanden. So sei die Originalgrafik neben Aquarell, Acryl- und Federzeichnung für ihn zu einem wichtigen künstlerischen Ausdrucksmittel geworden. Seit 2002 vertrete Hülsmeier mit zunehmendem Erfolg und Erstaunen über die wachsende Qualität der Arbeiten und mit viel Freude Mueller-Stahls grafisches Werk.
Die meisten ausgestellten Werke in Bad Essen stammen aus den letzten fünf Jahren. Oft hat Armin Mueller-Stahl Motive aus Film und Theater verarbeitet oder Porträts – mit Vorliebe porträtiert er bekannte Zeitgenossen wie das weltweit nachgefragte Bildnis „John Lennons“ oder Emil Nolde, einen der bekanntesten und populärsten deutschen Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts. Aber auch aktuelle politische Themen, manchmal mit einem Augenzwinkern, reflektiert er in seinem Atelier in Sierksdorf. Metaphern als Transportmittel für Emotionen, die den Betrachter berühren, finden sich unter anderem in seinen Buddenbrook-Werken, seinem der Musik gewidmeten „Jazz in Venice“-Zyklus oder „Ouvertüre zum Sommernachtstraum“, „Menschheitszirkus“.

Die Ausstellung kann täglich – außer montags – von 15 bis 18 Uhr besucht werden.

 

Wittlager Kreisblatt, 21.04.2010

Ein Fenster zu verschiedenen Welten

Von Christa Bechtel
Bad Essen.

Harald Bircks Orte laden das Auge des Betrachters zu einem Spaziergang ein, vermitteln eine brillante Farbigkeit, räumliche Tiefe, strahlen aber auch eine Aura von Geheimnis aus. Spannend komponiert, erzielt der Maler eine lebhafte Bildwirkung, ausgewogen verbindet er die Bildebenen miteinander. Trotz der realistisch, jedoch oft abstrahierten Wiedergabe des Motivs entsteht ein expressiver Ausdruck.

Harald Birck mit seinem Werk „Ryvarden“.
Bis 6. Juni ist die neue Ausstellung zu sehen. Foto: Christa Bechtel

 „Orte“ ist auch der Titel der neuen Ausstellung des Kunst- und Museumskreises, zu der Dr. Elisabeth Mardorf Harald Birck im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße begrüßte. Musikalisch entführte zur Vernissage Gitarrist Hartwig Ventker zu Orten wie Madrid, Rio oder London. Elis abeth Mardorf stellte sodann den Künstler, der 1960 in Heidenheim an der Brenz geboren wurde, näher vor. Die Anregung zur Ausstellung sei von der Bad Essenerin Ursel Petrenke gekommen, die ein Werk des Künstlers besitzt.
„Orte“ habe sehr viel mit dem Leben von Harald Birck zu tun, „denn er hat sich an vielen Orten bewegt und auch gelebt“, erläuterte Mardorf. Seit 1990 lebt und arbeitet er in Berlin; Stationen waren oder sind unter anderem der Jemen, Norwegen, Frankreich. Zu sehen seien sein malerisches und zeichnerisches Werk. Als Bildhauer habe er ebenfalls sehr viele Skulpturen gefertigt.
„Orte werden, sobald wir sie verlassen haben, unsere Erinnerungswelten“, stellte Harald Birck heraus, der selbst in seine Ausstellung einführte. Der Titel würde sehr gut zum Schafstall passen, denn: „Man betritt hier beinahe ein Bild, und die Wirkung, gerade der Raumbilder, sind wie Fenster zu verschiedenen Welten, die besonders zur Wirkung kommen“, gab der Künstler seine Empfindungen wieder. Jede Ausstellung sei ein Fest für die Bilder. „Hier für mich ein Besonderes“, unterstrich der Wahl-Berliner, dessen besonderer Dank dem Kunst- udn Museumskreis und Thomas Bochniak galt, „der mit Feingefühl und viel Energie dazu beigetragen hat, dass die Ausstellung so aussieht, wie Sie sie vorfinden“, betonte Birck.
„Orte haben mit Menschen zu tun, auch mit Tieren; deshalb findet man meinen Hund Pablo ebenfalls in der Ausstellung, aber auch einige Porträts“, so Harald Birck. Seine Inspirationen bekomme er durch Wahrnehmungen, nicht unbedingt in seinem Atelier, sondern live vor Ort.
„Den direkten Kontakt zum Porträtierten, zum Raum, zur Landschaft, zum Stillleben muss ich erleben, um sie vielleicht später noch mal abstrakter im Atelier umzusetzen.“
Im Bild festgehalten hat er ebenfalls in Ryvarden das Leuchtturmareal, auch ein bekanntes Ausflugsziel an der Westküste Norwegens, das sich ebenso im Eingangsbereich des Schafstalls befindet, wie beispielsweise ein großes Atelier Stillleben oder „Fahretoft“, die „Dächer von Marval“. Weitere Motive sind Akte, Porträts, Stillleben, Landschaften in Öl oder Acryl auf Segeltuch, Eitempera, Aquarell sowie Kohle- und Tuschzeichnungen.

 

Wittlager Kreisblatt, 16.02.2010

Mit Langeweile in der Schule fing es an . . .

Von Christa Bechtel (Text und Fotos)
Bad Essen.

„Erich Begalke ist ein Künstler, der zum Schmunzeln einlädt. Wer hier durchgeht, wird sehr konzentriert auf die Bilder schauen und irgendwann denken: Da ist jemand, der uns als Philosoph etwas durchschaut", meinte Siegfried Hentke, der zur jüngsten Vernissage des Kunst- und Museumskreises im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße in Vita und Werk des Malers und Bildhauers einführte.

Der Künstler Erich Begalke (l.) mit Martina Sieveking vom Kunst- und Museumskreis und Siegfried Hentke (r.), der in die Ausstellung einführte.

„Sie sehen hier ein sehr heterogenes Werk“, setzte Siegfried Hentke seine Ausführungen fort und stellte Begalkes Arbeiten im Eingangsbereich, Hauptraum und den Nebenräumen näher vor. „Man braucht Zeit, um die Dinge in sich aufzunehmen“, unterstrich er. Im Mittelpunkt stehe der Mensch, „der gleichzeitig ein Teil einer Landschaft ist; beides gehört zusammen“, erläuterte der Kunstlehrer.
„Herr Begalke ist hier in Bad Essen nicht unbekannt; er hat zusammen mit Julia Meiners von der Kunstschule Bad Essen in Osnabrück studiert“, hatte eingangs Martina Sieveking vom Kunst- und Museumskreis Bad Essen herausgestellt, die die Besucher zur ersten Ausstellung im neuen Jahr begrüßt hatte.
„Seit meiner Schulzeit habe ich schon gezeichnet beziehungsweise gemalt. Heimlich, wenn es in den Mathematikstunden zu langweilig war“, bekennt der 1941 in Ehrenfeld/Posen geborene Künstler im Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe von den Schülern gelernt, „und die hoffentlich von mir auch“, sagt der bis 2007 tätige Kunstlehrer impulsiv. Seine Motive und Themen bekommt er, während er arbeitet, „abgesehen von den gezielten Karikaturen, da weiß man, was man will“, betont der heutige Nordhorner.
Heraus kommen burleske Gestalten in verzwickten Situationen, dicke und dünne Menschlein – Menschliches und Allzumenschliches – die aufsteigen, schweben und wieder fallen. In Erich Begalkes Werken findet sich die ganze Fragilität des Daseins wieder, die er als stiller Beobachter in sich aufgenommen hat. Sein wichtigstes Gestaltungsmittel dabei ist die Farbe, die eine eruptive Kraft vermittelt. Akribisch trägt der Maler meist Acrylfarbe, zu der später noch etwas Ölfarbe hinzu kommt, mit Schwämmchen oder kleinen Tüchern auf seinem vorgrundierten Werk auf, schafft Schraffuren und erzeugt nicht nur eine enorme Plastizität, sondern auch eine besondere Farbbrillanz und Leuchtintensität, die unübertrefflich ist.
Märchenhafte, romantischen Fabelwesen begegnet der Betrachter beispielsweise in Begalkes Werken „Gartenzwerge bei der Nachtschicht“, „Romantische Mondnacht“ oder „Blaue Stunde eines Waldschrates“, „Sterngucker“. Skurril, fast schon absurd muten dagegen seine Kleinskulpturen wie „Stopp“, „Sechs Tanzende“ oder „Schwebezustand“ an, die aus Streichhölzern, Pappmachée, Modelliermasse und Bronze entstanden.

 

2009

Wittlager Kreisblatt, 29.12.2009

Ein großartiges Duo war hier am Werk“

Von Hartwig Ventker
Bad Essen.
Eine der beständigsten Traditionen im hiesig en Kulturleben ist das alle Jahre wiederkehrende Konzert zum 2. Weihnachtsfeiertag im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße.

Das Konzert im Schafstall gestalteten in diesem Jahr Sayaka Schmuck (links) und Isabel von Bernstorff (rechts). Jutta Kröning vom Kunst- und Museumskreis Bad Essen begrüßte die Künstlerinnen. Foto: Rainer Kroll

Zu Gast in diesem Jahr waren die Klarinettistin Sayaka Schmuck mit ihrer Klavierbegleitung Isabel von Bernstorff, die zu Beginn von Jutta Kröning vom Kunst- und Museumskreis dem Auditorium in einem Kurzporträt vorgestellt wurden. Die musikalische Visitenkarte des international vielfach ausgezeichneten Duos erstreckt sich von Europa über Kairo bis nach New York.
Vorbereitet hatten die beiden Künstlerinnen ein Programm mit Werken des Barock und der Früh- beziehungsweise Hochromantik. Zu Beginn erklang ein sogenannter „Gassenhauer“ der Barockzeit: die Air aus der 3. Orchestersuite D-Dur von Johann Sebastian Bach. Ein Werk, das bis heute in allen nur denkbaren Instrumentalkombinationen zu Gehör gebracht wird. Dem Publikum wurde sofort deutlich, wie hier zwei professionelle und seriös agierende Musiker die lyrische Seite des Komponisten darlegten, ohne in einen übertriebenen romantischen Schmelz zu verfallen.
Beeindruckend, wie dem Werk bis heute immer wieder neue Facetten der Darstellung abgewonnen werden. In den 1849 erschienenen Fantasiestücken op.73 von Robert Schumann, der Sonate Es-Dur, op.102 von Johannes Brahms, einem hochromantisch abgeklärten Alterswerk aus dem Jahre 1894 sowie dem 1815 veröffentlichten Grand Duo Concertante op.48 von Carl Maria von Weber, dem Entwickler der deutschen romantischen Oper, entwickelte sich die gesamte Ausdruckspalette der romantischen Interpretationsgeschichte von ihren zartesten Lyrismen über federleichte und tänzerische Spielweisen bis hin zu lebhaften und derb zupackenden Rhythmen mit zeitweise ekstatischen Ausbrüchen.
Sehr geschmackvoll, wie das Duo inmitten dieser klassisch-romantischen Gefühlswelt den Zuhörern eine Eigenbearbeitung der Sinfonia Nr. 10 aus dem zweiten Teil des Bachschen Weihnachtsoratoriums präsentierte. Ein Werk mit dem höchsten Wiedererkennungswert, das den Hörern die Gelegenheit gab, in der permanenten Hochspannung und Konzentration der romantischen Literatur des 19. Jahrhunderts die „musikalische Seele“ im Sinne einer musikantisch-religiösen Kontemplation der Weihnachtsfeiertage ein wenig baumeln zu lassen.
Ein großartiges Duo war hier am Werk. Sayaka Schmuck verfügt über einen exquisit-kantablen Klarinettenton, und ihre Begleiterin Isabel von Bernstorff wurde den Ansprüchen an eine romantisch-sinfonische Klavierbegleitung mehr als gerecht. So entwickelte sich eine meisterhafte Verschmelzung von Klaviersatz und Klarinettenstimme mit feinstem Gespür für einen intelligenten kammermusikalischen Dialog.
Wieder einmal – wie in all den Jahren zuvor – war das Publikum Zeuge eines großartigen Kammerkonzerts, welches die Mitarbeiter des Kunst- und Museumskreises mit viel Einsatz, Umsicht und sicherem Gespür für ein hochkarätiges Niveau im Schafstall organisieren. Wie auch immer der sogenannte Feiertagsstress sich bei jedem Einzelnen ausprägt – ein Weihnachtskonzert im Schafstall hat heilende Wirkung.

 

Wittlager Kreisblatt, 26.11.2009

Ein Bild hat drei Wirsinge gekostet . . .

Von Christa Bechtel
Bad Essen.
„Ich male gerne, weil ich dann meine Mitte finde. Das ist der Moment, wo sich das Malen verselbstständigt“, erläutert Mechthild Darquenne -Danwerth. Auf Einladung des Kunst- und Museumskreises stellt die Künstlerin bis zum 3. Januar 36 ihrer fotorealistischen Ölbilder unter dem Motto „Augenschmaus“ im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße aus.

Fotorealistisch: ein „Löffelbild“ aus dem Jahr 2005. Fotos: Christa Bechtel

„Willkommen zum Festmahl des Sehens“, begrüßte Andreas Arlinghaus Deutschmann im Namen des Kunst- und Museumskreises etliche Kunstinteressierte. Er führte mit der Malerin ein lockeres Sofagespräch. Begonnen habe Mechthild Darquenne-Danwerth mit naturalistischen Momentaufnahmen und Kinderporträts.
Während ihrer Lehrtätigkeit habe die in Mentrup-Hagen aufgewachsene heutige Kunst- und Französischlehrerin an einem westfälischen Gymnasium viele Preise bekommen, wie den Picasso-Preis vom Picasso-Museum Münster.
„Wenn ich als leidenschaftlicher Bekenner von Schokosoße diese dort sehe, bin ich begeistert“, meinte Andreas Arlinghaus Deutschmann. Präzision im Detail und etwas detailliert wahrnehmen, erfahren, begreifen: „Das ist Sinnlichkeit, Wahrnehmung, Ästhetik pur“, betonte er. Auch Thomas Bochniak, Betreuer der Ausstellungen im Schafstall, habe ihm versichert: „Andreas, nach dieser Ausstellung bin ich drei Kilo schwerer ...“
„Der hat mich auch drei Wirsinge gekostet“, ging Mechthild Darquenne-Danwerth in dem äußerst humorvollen Gespräch auf ihre Arbeit „Wirsing“ ein. Sie habe festgestellt, dass er wie eine Pflanze in einem Topf wachse, „wenn man ihn unten immer wieder abschneidet.“ Es seien vertraute Motivobjekte, grundlegende Lebensmittel wie Brot, Eier, Porree oder Zitrone. „Nach welchen Kriterien suchen Sie überhaupt ein Motiv aus?“, fragte Arlinghaus Deutschmann die Malerin. Zum einen seien es Fotos, „die mich ansprechen“. Dann konstruiere sie auch, wähle interessante Optiken von unten oder von oben oder durch die Vergrößerung. „Mich interessieren vor allem visuelle Reize, die Darstellung im Licht, denn wo Licht ist, ist auch Schatten. Und das sind eigentlich alles meine Betrügereien hier“, stellte sie augenzwinkernd fest.
„Außerdem kann ich nur in Öl malen, weil ich dieses Nass in Nass einfach herbeisehne“, gestand sie. Mechthild Darquenne-Danwerths farbenfrohe Bild er wirken fast schon surrealistisch, da sie überdimensioniert arbeitet. Penibel, mit Minipinseln fokussiert sie auf bestimmte Zentren des Bildes, schafft dreidimensionale Strukturen, dass man meint, die Trauben, den grünen Spargel, die Artischocke oder den Lachs auf Alufolie anfassen beziehungsweise sogar verzehren zu können. Und nicht selten läuft dem Betrachter dabei das Wasser im Mund zusammen.

 

Wittlager Kreisblatt, 01.10.2009

„Momente – Im Strom der Zeit“ im Bad Essener Schafstall

cb Bad Essen.
„Ich be obachte die Bewegungen, ihren Ausdruck“, so Susanne Heitmann, die bis zum 15. November im Schafstall in Bad Essen ausstellt. Schemenhaft, verschwommen, manchmal auch geheimnisvoll wirken die Figuren, deren Gegenständlichkeit sich durch Farbdichte und Struktur ausdrückt. Der Betrachter begegnet hier einem inneren Bild der Künstlerin Susanne Heitmann, die zurzeit ihre aktuelle Bildserie „Momente – Im Strom der Zeit“ bis zum 15. November im Schafstall an der Bergstraße in Bad Essen ausstellt.

Hiltrud von der Heyde mit (von links) Künstlerin Susanne Heitman und Ortrun Niethammer. Fotos: Christa Bechtel

Im Namen des Kunst- und Museumskreises begrüßte Hiltrud von der Heyde die Malerin aus Osnabrück-Belm, den Pianisten Toni Schreiber, der für einen exzellenten musikalischen Rahmen sorgte, sowie Dr. Ortrun Niethammer, die in die Ausstellung einführte. „Derzeit arbeitet Susanne Heitmann viel mit Grün: Grasgrün, Seegrasgrün, Hell-, Mittel-, Dunkel-, ganz dunkles Grün, Lodengrün, falbes Grün, das sich fast in Gelb auflöst, Neongrün und viele andere Grüntöne“, erklärte die Literaturwissenschaftlerin. Jede Farbe mische sie solange, „bis es stimmt, also der adäquate Ton, ihr gedanklich-gefühlter Farbton für die Figur entstanden ist“, erläuterte Ortrun Niethammer, die den Besuchern der Vernissage intensiv Werke aus Susanne Heitmanns Zyklen „Im Strom der Zeit“ und „Philosophia“ vorstellte: „Dem hier hängenden uns zugewandten Kind und dem im Eingangsflur platzierten älteren Mann, der von hinten zu sehen ist.“ Mit dem Kind seien biografische Anfänge markiert, also auch der eigentliche Beginn der Ausstellung, mit dem älteren Menschen das sichtbare Ende der Ausstellung.
„Die Malerei fand ich immer schon faszinierend, und ich wollte gerne auch etwas Künstlerisches machen“, erzählt Susanne Heitmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Nachdem sie Agrarwissenschaften in Bonn studiert hatte, widmete sie sich erst im reiferen Alter dem Studium der Kunstpädagogik mit den Schwerpunkten Malerei, Druckgrafik und Literaturwissenschaft. Die „inneren“ Bilder der gebürtigen Kölnerin entstehen meist aus genauen Beobachtungen der Menschen im Alltag. „Das sind Personen aus meinem engsten Umkreis – Kinder, Freunde – und wenn ich in einem Café oder einer Kneipe bin, setze ich mich immer so, dass ich ganze viele Leute sehe. Ich beobachte die Bewegungen, ihren Ausdruck und wie sie zueinander sind. Das spiegelt sich in meinen Bildern wider“, verdeutlicht die Künstlerin. Dazu gehöre auch ihr Archiv an Fotos, Studien, Skizzen, Abbildungen, „daraus schöpfe ich.“
Warum widmet sich Susanne Heitmann der Zeit, der Vergänglichkeit, dem Verfall? „Das finde ich unwahrscheinlich spannend, in einer Zweidimensionalität eine Dreidimensionalität einzufangen. Das bewegt mich immer wieder, dass verschiedene Gesten, Figuren oder seelische Ausdrücke in einem bestimmen Zeitablauf sich auch verändern.“ Besondere Inspirationen würden ihr römische Hauswände bieten, „wo immer Schicht auf Schicht draufgemalt wurde, die jetzt abblättern. Diese Vergänglichkeit ist auch ein Zeitzeichen: der alte Mann geht schattenhaft in die Hauswand rein, löst sich auf in der Struktur. Das Kind aber kommt ebenfalls schattenhaft heraus“, weist Susanne Heitmann auf ihr Werk „Im Strom der Zeit I“ (2008).
Anfangs habe sie viele Bewegungen gemalt, aber „die Figuren werden jetzt etwas stiller, sitzen teilweise, oder ich halte nur einen Ausschnitt fest“, bemerkt die Malerin, die in Öl arbeitet, die Pigmente selbst anmischt, sodass sie die Konsistenz frei wählen kann. Strukturen erzeuge sie durch Farbe, die sie jedoch sehr dünn in Schichten aufträgt.
Zur Ausstellung im Schafstall, die dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr besucht werden kann, gehören weiter Arbeiten wie „Aufbruch“, „Aus dem Dunkel I, II, III“ oder „Freunde“ und verschiedene Porträts.

 

Wittlager Kreisblatt, 13.08.2009

Menschengestalten im Mittelpunkt

Von Christa Bechtel
Bad Essen.
Anmut, Energie, Kraft und Lust, Bewegung und Ruhe: all das vermitteln die kunstvoll gestalteten Figuren der Kasseler Künstlerin Karin Bohrmann, die dabei zu vollendeter Formensprache findet.

Am Büfett. Die Kasseler Künstlerin Karin Bohrmann stellt ihre Menschengestalten bis zum 20. September im Bad Essener Schafstall aus. Fotos: Christa Bechtel

Mit dem Titel „Menschengestalten“ und dem Thema „Bewegung und Tanz“ stellt sie 54 ihrer plastischen Arbeiten und Zeichnungen bis zum 20. September im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße aus.
Vorsitzender Dr. Caspar Sieveking konnte zur Vernissage wieder etliche Freunde und Gäste des Kunst- und Museumskreises begrüßen. Für den musikalischen Rahmen sorgte Michael Grubschat am Klavier.
„Karin Bohrmann entdeckte schon in ihrer Kindheit ihr künstlerisches Talent. In der Schule entstanden die ersten Karikaturen von ungeliebten Lehrern, und in ihrer Freizeit zog sie sich oft in ihr Malzimmer zurück“, erklärte Sara Grubschat aus Münster, die die Einführung in das Leben und das Werk von Karin Bohrmann, ihrer Mutter, gab.
Seit Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeiten stehe das Thema „Mensch“ im Vordergrund. Mit verschiedenen Materialien habe sie sich mit diesem Thema bildhauerisch und zeichnerisch auseinandergesetzt, so Sara Grubschat.
„Ich wollte eigentlich in die Malerei, bin aber durch Zufall in der Bildhauerei gelandet“, berichtet Karin Bohrmann im Gespräch mit unserer Zeitung.
Nach dem Studium habe sie ihr erstes Atelier mit ihrem Ehemann Georg Roth gegründet, der auch Bildhauer ist. „Ich bin nun seit 30 Jahren Bildhauerin“, sagt sie fröhlich. Nebenbei male und illustriere sie gerne.
Was bedeutet für sie eigentlich Bewegung und Tanz? „Ich tanze selber sehr gerne, und Leute, die mich tanzen sehen, sagen: Jetzt weiß ich, wieso die Figuren sich so bewegen“, entgegnet sie. Sie interessiere die Bewegung, insbesondere sehe man das auch in ihren Zeichnungen – die Bewegung könne man mit einem spontanen Strich darstellen.
Das gehe in der Bildhauerei leider nur sehr schwer, „jedoch mit der Technik des Wachsaufbaus, wo man sehr filigran und bewegt arbeiten kann“, versuche sie es dennoch.
Meistens beginne sie mit dem Kopf, „was etwa eine halbe Stunde dauert, aber ich fertige zehn Köpfe und beginne mit dem Körper“, verdeutlicht die Künstlerin den Arbeitsablauf, der möglichst spontan und zufällig sein soll.
Karin Bohrmann arbeitet die Figuren aus Wachsplatten, die anschließend in Bronze abgegossen werden, wodurch die eigentliche Form verloren geht.
Woher bekommt sie ihre Inspirationen? „Eigentlich aus der Beobachtung der Menschen heraus, und zwar interessiert mich besonders die versteckte Körpersprache“, bekennt sie.
Diese versuche sie in den Figuren wie gehemmte, angespannte Sprache wiederzugeben.
Weitere Ideen erhält sie in Tanz-Workshops. „Manchmal ist es ein Paar oder ein Einzelner; hier versuche ich, wie in Trance zu zeichnen, das heißt, ich darf nicht mehr denken, sondern es muss schnell gehen, und dann kommt die Dynamik“, erläutert sie. Diese Zeichnungen seien manchmal Inspirationen für ihre Figuren.
Zu sehen in der Ausstellung, die dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr besucht werden kann, sind farbig angelegte Zeichnungen zum Thema Bewegung und Tanz. Ein besonderer Blickfang sind die farbig bemalten Betonfiguren, die die Stiefmutter und Stiefschwestern aus dem Märchen „Aschenputtel“ zeigen.

 

Wittlager Kreisblatt, 17.2.2009

Mit feinen Strichen gegen das Vergessen

cb Bad Essen.
„Das, was sich sehe, ist wahrscheinlich in fünf Jahren nicht mehr da!“ Mit diesen Worten erklärt der freischaffende Zeichner und Grafiker Holger Kerkhoff die für einen jungen Künstler des Jahrgangs 1968 eher erstaunliche Motivation, ausgerechnet alte Häuser, verfallene Schuppen, Viehtränken oder alte Zäune zu zeichnen und zu malen.

Der Künstler, Zeichner und Grafiker Holger Kerkhoff stellt insgesamt 40 seiner Werke noch bis zum 19. April im Bad Essener Schafstall aus. Fotos: Christa Bechtel

Unter dem Motto „Mal wieder vorbeigeschaut“ stellt Kerkhoff auf Einladung des Kunst- und Museumskreises bis zum 19. April insgesamt 40 seiner gezeichneten Beobachtungen im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße aus.
„Schön, dass Sie heute vorbeigeschaut haben“, begrüßte denn auch zur Vernissage Andreas Arlinghaus-Deutschmann, der die Ausstellung organisiert hatte, die Kunstinteressierten. Bevor er Dr. Lisa Mardorf, die in die Ausstellung einführte, das Wort übergab, stellte er kurz den Künstler biografisch vor, der auf einem Resthof in Schüttorf, Grafschaft Bentheim, aufwuchs und mit feinem Strich und einer enormen Detailgenauigkeit altbäuerlich-ländliche Architektur in seinen Fokus stellt.
„Hier zeichnet keiner, der einfach nur detailbesessen Dinge festhalten will. Hier ist ein Künstler am Werk, der Vergangenes würdigt und ihm die Chance gibt, einen Platz der Erinnerung zu finden“, unterstrich Lisa Mardorf. Holger Kerkhoff gehe es aber nicht um Nostalgie, nicht um romantische Verklärung einer vermeintlich heilen Vergangenheit, nicht um malerische Ansichten: „Ihm geht es um Bewahren, aber er ist kein Archivar, sondern er hält mit Bleistift und Federn mit Papier und Farben eine Welt fest, die nur noch in der Erinnerung existiert, deren materielle Form immer mehr verschwindet, abgerissen oder renoviert wird“, sagte die gebürtige Emsländerin.
Auf Holger Kerkhoffs Bildern sehe man keine Menschen, „aber die Häuser, in denen sie gelebt haben, die Schuppen voller Werkzeuge und die Zäune, deren Pfosten mühsam in den Boden gerammt wurden, lassen diese Menschen erspüren“, so Lisa Mardorf. Die Werke würden neugierig machen auf die Lebensweise früherer Generationen, „und es ist sicher kein Zufall, dass er oft von Museen um Mitarbeit gebeten wird“, betonte sie weiter. Manchmal begleite er Gebäude über Jahre hinweg, wie ein mehr als 300 Jahre altes Bauernhaus in der Grafschaft Bentheim, das ihn zu dem Titel „Mal wieder vorbeigeschaut“ inspirierte.
„Ein zeichnerisches Grundtalent war vorhanden“, erklärt Holger Kerkhoff im Gespräch mit unserer Zeitung. Dieses habe sich während seines Studiums intensiviert mit Beginn einer Thematik, „eben dieser bäuerlichen Zeichnungen“. Ohne Kanalisation und mit Einfachverglasung sei er auf einem Resthof, der nicht mehr bewirtschaftet wurde, aufgewachsen. „Das hat geprägt“, ist er sich sicher, „und das Beobachten über die Jahre hinweg, dass sich da etwas ändert.“
Das Verschwinden der alten Architektur schreite immens voran, „und diese authentischen Fragmente aufzuschnappen, macht mir Spaß“, bekennt Holger Kerkhoff lächelnd.

2008

Wittlager Kreisblatt, 02.12.2008

„Wir haben nach wie vor hohe Energiekosten“

cb Bad Essen.
Während der Mitgliederversammlung des Kunst- und Museumskreises Bad Essen im Schafstall an der Bergstraße wurde Jutta Kröning zur neuen zweiten Vorsitzenden gewählt. Auf eigenen Wunsch trat Hiltrud von der Heyde, die seit 1982 mal erste, mal zweite Vorsitzende war, von diesem Posten zurück.

Der Vorstand des Kunst- und Museumskreises Bad Essen ist für die nächsten zwei Jahre gewählt worden. Foto: Christa Bechtel

„Die neuen Mitglieder haben sich intensiv um Ausstellungen gekümmert, sowohl sie zu akquirieren als auch zu sie organisieren. Sonst wäre das Programm der letzten zwei Jahre sicher nicht so reichhaltig gewesen“, lobte Vorsitzender Caspar Sieveking während seines Berichtes das sachkundige Engagement der neuen Vorstandsmitglieder, die vor zwei Jahren in dieses Gremium kamen. Elisabeth Mardorf habe inzwischen einen Flyer erstellt, mit dem der Verein sich zukünftig der Öffentlichkeit präsentieren wolle, und Rainer Kroll gestalte und aktualisiere ständig die Homepage, so Sieveking.
„Wir sollten uns früher um Künstler und Ausstellungen kümmern, um die Vorausplanung besser zu gestalten“, war nur ein Wunsch des Vorsitzenden, der sich weiter wünschte, „dass wir ein Büro und Archiv haben und dass es eine Verjüngung des Vorstandes gibt“. Mit der Gemeinde, mit Bürgermeister Günter Harmeyer, „der auch Gründungsmitglied war“, so Sieveking, kooperiere man ebenso hervorragend wie mit dem Kur- und Verkehrsverein, der Kunstschule Bad Essen sowie Kurios, dem Kulturring Ostercappeln. Des Weiteren stellte Caspar Sieveking die Aktivitäten wie Ausstellungen, Fahrten und Konzerte der vergangenen zwei Jahre vor. Das Weihnachtskonzert am 26. Dezember, 17 Uhr, im Schafstall gestalten Sandra Schumacher, Oboe, und Masako Eguchi, Klavier, teilte Jutta Kröning weiter mit.
„Wir haben nach wie vor hohe Energiekosten“, mahnte Kassenwart Andreas Hoff-meier in seinem Bericht. Dadurch, dass der Verein 2007 einige Gönner gehabt hatte, „konnten wir uns ein wenig retten“, so Hoffmeier, der die Mitglieder auf rund 160 bezifferte. „Ohne Unterstützung der Gemeinde wären wir nicht überlebensfähig“, unterstrich der Kassenwart abschließend. „Wir haben eingehend geprüft“, lobten die Kassenprüfer Heiko Hiese und Ursula Möhr-Loos die korrekte Führung der Kasse.
Wiedergewählt wurden der Vorsitzende Caspar Sieveking, Kassenwart Andreas Hoffmeier, Schriftführerin Martina Sieveking und als Beisitzer Rainer Kroll, Reinhard Wilms, Uta Endsin, Trude Haas, Andreas Arlinghaus-Deutschmann, Elisabeth Mardorf und Marlies Wöhler. Zu neuen Beisitzerinnen wählte die Versammlung Hiltrud von der Heyde und Gisela Winzer
„Wir hatten im Sommer- und Wintersemester durchschnittlich 25 Kurse mit etwa 200 Aktiven“, teilte Julia Meiners, Geschäftsführerin der Kunstschule, zum Schluss mit. „Allerdings kommen weniger Kinder“, bedauerte sie. Daher seien inzwischen Nicole Hess als Kursleiterin zur Grundschule gegangen und Eva-Maria Flucht zur Haupt- und Realschule, „um dort die Kunstschule zu vertreten“, unterstrich Julia Meiners. Des Weiteren gebe es montags, mittwochs, donnerstags und sonntags vier offene Ateliers sowie die Schaufenster- und Rathaus-Galerien, „die wir immer bestücken“. Das Fazit: „Ohne Gemeinde ginge bei uns auch nichts“, dankte Julia Meiners für die finanzielle Unterstützung.

 

Wittlager Kreisblatt, 19.11.2008

Stich für Stich: Fäden, die verknüpfen und verwirren

cb Bad Essen.
„Ich habe so etwas noch nie gesehen, aber ich bin sehr beeindruckt, wie spannend das hier präsentiert wird“, sagte Jutta Kröning vom Kunst- und Museumskreis Bad Essen im Schafstall an der Bergstraße.

Nicht gemalt und nicht gezeichnet, aber dennoch ausdrucksstark und mit eigener Botschaft. Fotos: Christa Bechtel

Ihr besonderer Gruß galt Isabella Hannig, die bis zum 11. Januar im Schafstall ihre „Erinnerungsstücke“ präsentiert, „die auch in England, Frankreich, Tschechien und Ungarn gezeigt wurden“, so Jutta Kröning. In die Ausstellung führte Isabella Hannig dann selbst ein.
Warum hat Isabella Hannig ihrer Ausstellung den Titel „Erinnerungsstücke“ gegeben? „Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Erinnerungsstücken, Erinnerungen, da ich einige Ereignisse in meinem Leben hatte, wo Erinnerung wichtig geworden ist“, erklärte die Künstlerin im Gespräch mit unserer Zeitung.
Da sei ihr die meditative Technik ihrer Fadengrafik entgegengekommen, „weil ich finde, dass diese Fäden auch Erinnerungen festhalten, die ich gestaltet habe“.
Sie nähe einfach, „anstatt dass ich zeichne, und die Fäden verbinden das Gezeichnete und Bezeichnete fest mit dem Bildgrund. Ihre Reste lasse ich hängen, Erinnerungsstücke, die ich zurücklassen muss“, beschreibt Isabella Hannig ihre Vorgehensweise.
So wirken die Zeichnungen/Grafiken ausgefranst oder vermitteln dem Betrachter eine filigrane Zerbrechlichkeit. „Die Fäden können verknüpfen, verschleiern, ordnen oder verwirren“, sagt die Künstlerin, die ihre Arbeiten alle per Handarbeit Stich für Stich gestaltet. Der Untergrund ist meistens transparente Seide mit der sie Tiefe, Räumlichkeit, aber auch Verfremdung erzeugt.
Oft wählt Isabella Hannig die Farbe Schwarz, wohingegen ihre roten Arbeiten direkt ins Auge des Betrachters fallen. Warum Rot? „Im Jahr 2002 habe ich nur in Rot gearbeitet, weil Rot für mich Leben bedeutet. Sie ruft mir viele Erinnerungsstücke sehr lebendig ins Gedächtnis, sie brennt sich ein. Je fröhlicher sich mein Leben gestaltete, desto schwärzer habe ich wieder gearbeitet“, gesteht die frühere Studienrätin, deren künstlerisches Anliegen es ist, Erinnerungen erfassbar zu machen.
Mit den Fäden will sie die Flüchtigkeit der Erinnerung darstellen, jedoch auch die Beharrlichkeit, mit der diese sich im Gedächtnis einprägen. Ebenso können und sollen die Vernetzungen von Erinnerungen, zum Beispiel an Menschen oder Ereignisse, deutlich werden.
Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist ihre Bildsäule „Wichtigkeiten? – Nichtigkeiten?“. Die Installation von 50 transparenten Einzelbildern hält wichtige Tagesereignisse mit schwarzem Faden fest, so wie sie in Schlagzeilen der Tageszeitungen dokumentiert und kommentiert wurden und werden, stellt Isabella Hannig dar.
Die schwarze Farbe erinnere dabei an die Druckerschwärze der Zeitungen.
Dazwischen gestreut sind einzelne Bilder in roter Farbe, die persönliche Situationen zeigen.
„Die Tagesereignisse sind vergangen, die Erinnerung daran ist fadenscheinig geworden, nur die roten Bilder haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt“, so die freischaffende Künstlerin.
Werke mit besonderer Tiefenwirkung sind ihre „Lustvoll diskutierenden Hände“, „Transparente Portraits“ oder „Bin ich schön?“, „Goldmarie“, „Friedensstadt“ oder die Trilogie „Rapunzel, lass dein Haar herab!“.

 

Wittlager Kreisblatt, 13.11.2008

Haarsträubende Miniaturen

Von Christa Bechtel
Bad essen.
Einen gelungenen Cocktail aus Musik, teils haarsträubenden Miniaturen, schwarzhumorigen Kurzgeschichten, grotesken Dramoletten und schrägen Epigrammen präsentierten Sänger und Gitarrist Wolfgang Rieck und sein Freund, der Schriftsteller Michael Augustin, zur letzten Runde der 14. LiteraKur im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße.

Ein unterhaltsames Duo: Michael Augustin (links) und Wolfgang Rieck. Foto: Christa Bechtel

Veranstalter war der Verband deutscher Schriftsteller, Landesbezirk Niedersachsen-Bremen – Jutta Sauer hatte in bewährter Weise wieder für einige literarisch-musikalische Highlights gesorgt – in Kooperation mit dem Kur- und Verkehrsverein Bad Essen. „Heute Abend zum Abschluss haben wir zwei Hanseaten aus Lübeck und Rostock mit ihrem Programm ,Zu Hülfe‘ zu Gast“, begrüßte Wolfgang Bielefeld vom Kur- und Verkehrsverein Michael Augustin, als Poet und Erzähler mit vielen Auszeichnungen bedacht, und Wolfgang Rieck mit seinen zahlreichen Instrumenten. „Man könnte meinen, es kommt ein ganzes Orchester, sagte Bielefeld.
„Wir freuen uns, heute in diesen heiligen Hallen zu sein“, betonte Wolfgang Rieck zum Einstieg. Es gebe, wie beim Wein, gute Jahrgänge. „Ein besonders guter ist der Jahrgang 1953. Er ist Hanseat, in Lübeck geboren, hat einen literarischen Virus der sehr gesunden Art in sich, lebt als Schriftsteller und Rundfunkredakteur seit vielen Jahren in Bremen und ist berühmt geworden durch ,Augustins Miniaturen‘“, stellte Rieck Michael Augustin vor.
„Da kann man kaum noch was sagen, da muss man gleich arbeiten“, konterte der Wahl-Bremer, der sogleich einige Miniaturen zum Besten gab und unter anderem das Regelwerk des DFB veränderte: „Ersatzspieler dürfen lediglich zu 49 Prozent aus Ersatzteilen bestehen...“ „Wir sind ja beide an der Ostseeküste aufgewachsen, etwa 80 Kilometer auseinander. Wir haben in unserer Kindheit im selben Sande gespielt, hatten aber nie Gelegenheit, uns zwischen 1953 und den 80er Jahren zu treffen, weil es einen Zaun zwischen den Stränden gab“, stellte einige Zeit später Augustin Wolfgang Rieck vor. Er habe mit großer Freude die Entwicklung des „jungen Mannes“ verfolgt, der damals im Duo Piatkowski & Rieck spielte. Später gehörte er zur Gruppe „Liederjan“. „Mit ganz großem Atem trägt er auch plattdeutsche Texte vor“, sagte Augustin über diese künstlerische Freundschaft.
Mit gefühlvollen Balladen, raubeinigen Shantys oder vertonten Gedichten über Seefahrt, Liebe, Tod und Teufel fesselte auch Wolfgang Rieck mit seiner markanten Stimme die Zuhörer. Aber: „Sie haben alle Eintritt bezahlt, den sie auch richtig absingen können.“ Während des Shantys über einen Smutje unterstützte das Publikum Rieck lautstark mit „Seggt he“. Ein kurzweiliger, sehr persönlicher Abend zwischen Bühne und Auditorium, der erst nach mehreren Zugaben endete.

 

Wittlager Kreisblatt, 28.05.2008

Improvisation ist ein Arbeitsprozess

Von Christa Bechtel
Bad Essen.
„Solange ich denken kann, habe ich Spaß am Malen und Zeichnen“, betonte Stephan Thörner während der Vernissage des Kunst- und Museumskreises im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße. Unter dem Motto „Improvisation – Komposition“ mit dem Thema „Raum & Zeit“ stellt der Künstler bis zum 13. Juli einige seiner Werke dort aus.

 

Der Künstler war bei der Eröffnung anwesend. Stephan Thörner mit seinem Werk „Square Dance“. Fotos: Christa Bechtel

Andreas Arlinghaus Deutschmann vom Kunst- und Museumskreis begrüßte die Kunstinteressierten und stellte die Vita des 1958 in Osnabrück geborenen Malers und heutigen Wahl-Hamburgers kurz vor. In die Ausstellung führten die Literatur- und Kunstwissenschaftlerin Nanne Leimkühler und Kunstlehrer Wolfgang Echelmeyer, beide Studienfreunde von Stephan Thörner, ein.
Raum und Zeit manifestieren sich in der Anschauung, im Sehprozess, sagt Stephan Thörner. „Für mich ein kantiger Satz. Wie funktioniert das mit der Anschauung und dem Seh-Prozess?“, fragte Nanne Leimkühler Wolfgang Echelmeyer. Das experimentelle, improvisierte Verschränken von Flächen, Linien und Techniken führe bei Thörner zu einer vielperspektivischen Malerei, erklärte Echelmeyer, der an die Malerei bis zum Klassizismus erinnerte. „Da geht die Blickrichtung des Betrachters ins Bild hinein, es entsteht gewissermaßen eine Vis-à-vis-Situation“, so der Kunstlehrer. Seit dem Impressionismus würden sich die Bildgrenzen auflösen, das Bild dehne sich in alle Richtungen und führe den Blick des Betrachters über die Bildgrenzen hinaus.
Und genau diesen grenzüberschreitenden Effekt versuche Stephan Thörner zu verstärken. In seinen Arbeiten wechseln die Bildelemente ihre Positionen im Seh-Prozess, sie gehen vor und zurück und weisen über den Bildrand hinaus. „So entstehen szenisch immer neue Bilder, Ansichten und Eindrücke desselben Werkes“, verdeutlichte Echelmeyer.
Der Betrachter finde sich im Dialog mit dem Bild in einem Raum-Zeit-Gefüge wieder, in dem die Objekt-Subjekt-Beziehung aufgehoben sei. Die Farbe sei Thörners Medium für Raum und Zeit, seine Rip-off-Technik erwirke die Materialität der Farbe, ihre haptische Qualität. Echelmeyer: „Sie bröckelt, ist lose oder ganz fest. Sie bildet eine raue Oberfläche und erinnert an verwitterte Fassaden. Mit dieser Technik zeigt Thörner Zeit, macht ihren Ablauf, ihr Fortschreiten erfahrbar und zeigt gleichzeitig den Augenblick.“ Die Improvisation sei ein Arbeitsprozess, der Zufälligkeiten zulasse und spontanes Agieren erfordere. Genau darin stecke für Thörner eine außerordentlich große Kraft. „Durch sein kompositorisches Eingreifen wird diese Kraft, dieser Impuls beim Anschauen von Stephans Bildern deutlich, und für den Betrachter wird Thörners Arbeitsprozess im eigenen Seh-Prozess anschaulich“, erläuterte Wolfgan g Echelmeyer, und Nanne Leimkühler wünschte den Besuchern: „Gönnen Sie sich alsbald einen echten Thörner für daheim.“
Die 34 Tafelbilder und Objekte der Ausstellung hat Stephan Thörner überwiegend in Mischtechnik auf Leinwand, Karton, Holz oder Papier gearbeitet. Seit den 90ern arbeitet er mit seiner eigenen „Rip-off“-Technik. Hier bringt er Farbe auf zwei Leinwände und klebt diese aufeinander. „Wenn ich sie abziehe, bleiben manche Sachen stehen oder fallen ab“, veranschaulicht er die Zufallseffekte.
Daher begegnet man in seinen Werken überwiegend Rastern und Karos, „um diese Zufälligkeiten zu bändigen, sie in eine gerichtete Energie zu lenken“, so Thörner, für den Karos und Raster etwas Universelles sind, wo die Bildgrenzen aufgehoben werden. Und das Auge vervielfältige diese Karos und Raster.

 

Wittlager Kreisblatt, 07.04.2008

Im Dialog mit der Natur

cb Bad Essen.
„Das Rot des Sofas ist zwar nicht echt, aber der Künstler, seine Bilder und wir sind echt, und wir stellen auch echte Fragen“, sagte Andreas Arlinghaus Deutschmann vom Kunst- und Museumskreis, der mit Dr. Elisabeth Mardorf zur Vernissage mit Werken von Markus Tepe im Schafstall einführend ein Künstlergespräch auf dem Sofa führte.

 

Noch bis 16. Mai sind Arbeiten von Markus Tepe in Bad Essen zu sehen. Fotos: Christa Bechtel

Sechzehnjährig entdeckte der 1971 in Dinklage geborene Markus Tepe für sich die Malerei und das Zeichnen. Bücher von Hermann Hesse setzte er seinerzeit in Malerei um. Da habe er Feuer gefangen, besuchte Museen, wo er für sich die Frühe Moderne entdeckte. Diese verbinde er mit den Expressionisten und Surrealisten; eines seiner Vorbilder wurde Joseph Beuys. Doch ab diesem Zeitpunkt war für Markus Tepe klar: „Ich will an die Kunstakademie.“ Die absolvierte er von 1994 bis 1998 in Münster. „Dann hatte ich genug vom Westen und ging in den Osten (Dresden), der 1998 sehr spannend wurde“, erläutert Tepe. Seit 2006 arbeitet der Künstler als Dozent für Malerei an der Europäischen Kunstakademie Trier.„Es geht mir nicht um das Realistische, sondern um einen Dialog mit der Natur, mit dem Erlebten, letztendlich mit sich Selbst zu finden“, verweist Markus Tepe auf seine Arbeiten. Er zeichnet Dinge, vor allem Pflanzen und Landschaftliches, nach der Anschauung und nach der Erinnerung. Tepe: „Meiner künstlerischen Arbeit liegt ein Interesse zu Grunde, das die Zusammenhänge von Erfahren, Empfinden, Medialisierung und deren Rückkopplungswirkungen aufeinander untersucht.“
Zeichnen heißt für Markus Tepe in der suchenden Linie, in ihrer Entfaltung, ihrem Formwandel und ihrem Charakterzug, kurz gesagt, im Fluss der Zeichnung Sinnfälligkeit in Erfahrung zu bringen. Richtungen werden Linien, verspannen sich mit der Fläche, bilden Nachbarschaften, formen Rhythmus, verdichten sich, ballen sich zu energetischen Zentren, die sich in gegenläufigen Bewegungen entladen. Eine Linie die „hier“ noch Baumkrone ist, verwandelt sich „dort“ zu einer Uferböschung. Das, was im Raum schwerer Körper ist, gebiert im Blatt vielleicht nur eine leichte amorphe Graphitspur.In der Ausstellung, die bis zum 18. Mai täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht werden kann, finden die Betrachter Werke wie „Bäume“, „Pflanzen“, „Wald (Böschung)“, „Brandung bei Lentas (Kreta)“ oder „Orchideen über Landschaft“, in Techniken wie Lithografie auf Bütten, Tusche mit Rohrfeder, Graphit und Fettkreide oder Acryl auf Nessel.

 

Wittlager Kreisblatt, 11.03.2008

Chiffrierte Kindheitserlebnisse und süffisante Ansichten

cb Bad Essen.
"Ich hoffe, dass wir am Ende viel über ,Wenig' und nicht wenig über viel wissen", meinte humorvoll Martina Sieveking vom Kunst- und Museumskreis Bad Essen.

 
Sie konnte zur ersten Vernissage im neuen Jahr im Schafstall nicht nur die ausstellende Bielefelder Künstlerin Sabine Wenig, sondern auch Oliver Stümann (Galerist, Kurator und Freier Ausstellungsmacher aus Berlin, der in die Ausstellung einführte) sowie etliche an Kunst interessierte Gäste begrüßen.
"Es ist ein spannender Moment, wenn Kunstwerke den Ort ihrer Entstehung verlassen", erklärte Oliver Stümann zu Beginn seiner Ausführungen. Oft würden sie ein überraschendes Eigenleben entfalten, sobald sie vom Atelier des Künstlers an ihren neuen "Wirkungsort" gebracht werden.
Unaufdringlich und zugleich unaufhaltsam würden sie sich ihren Raum erobern, zuweilen in einer Weise, wie sie selbst dem Künstler nicht vorgeschwebt hat.
Die drei Themen der neuen Schafstall-Ausstellung, chiffrierte Kindheitserlebnisse aus der Serie "Umbrella Kid", kulinarische Collagen aus der Reihe "To eat or to be eaten" und "Süffisante Ansichten aus der Heimat" aus der Serie "Naherholung Heimat", die im Schafstall verteilt seien, sind nach den Worten Stümanns eine kleine Retrospektive einiger Arbeiten, ein so genanntes "Best of" einiger der seriellen Arbeiten der vergangenen fünf Jahre der Künstlerin.
"Mein Vater hat immer gemalt, und schon als kleines Kind nahm ich ihm die Farben weg", berichtete Sabine Wenig im Gespräch mit unserer Zeitung.
Vierjährig bekam sie daher ihren ersten Kasten mit Malkreide. Ob im Urlaub oder am Wochenende: "Wenn mein Vater .malte, war ich an seiner Seite" Mit zehn Jahren bekam sie ihre eigenen Aquarellfarben, und als ihr Vater begann, in Öl zu malen, "mischte ich mich wieder ein." Mit zwölf Jahren war Sabine Wenig in Sachen Farben voll ausgestattet.
Nach ihrem Kunststudium mit dem Schwerpunkt Malerei folgte ein Lehramtsstudium in den Fächern Musik und evangelische Theologie. Danach reiste sie als freie Künstlerin durch einige west- und südeuropäische Länder. Aber "mein Steckenpferd war Mittelamerika", bekennt sie strahlend. Hierzu entstand 2000/02 die Serie "Campus".
"Ich konstruiere meine Biografie neu", geht Sabine Wenig auf ihre Serie "Umbrella Kid" ein, zu der bereits über achtzig Arbeiten entstanden sind, und sie wächst weiter. Das Original ist ein winziges Schwarzweiß-Foto mit den Maßen 7x9, das die Bielefelderin als dreijähriges Mädchen mit großem schwarzen Schirm in einer Dünenlandschaft zeigt. Sabine Wenig variierte es am Computer, schuf Elemente als Collage, die sie wiederum mit dem Programm und per Hand zerschnitt. Mit unterschiedlichen Techniken und stellenweise in Wachs konserviert, setzte sie sie wieder zusammen.
"Zuerst das Alte, dann das Neue. Es macht Spaß, mit Möglichkeiten zu spielen", sagt sie zum Ideen- und Entstehungsprozess.
Ihre kulinarischen Collagen wie "Stockente", "Kaninchen - bretonische Art", "Sardinen-Büchse" oder "Forellenquartett" vermitteln dem Betrachter ein großes Gespür von Farbigkeit und plastische Tiefe. Dazu hat die Malerin manchmal Fotografien von ihren Reisen in südliche Gefilde montiert oder Auszüge aus Kochbüchern geklebt.
Sabine Wenigs "Naherholungs"-Serie ist zwar gegenständlich, strahlt aber Charme, Witz, Ernst und Ironie aus.
Da begegnen den Besuchern im Schafstall "Banale Schafe", der "König der Schützen", der so einige Wildschweine erlegt hat und sie - wie Trophäen - um sich geschart hat, oder die "Freigänger" (im Tiergarten) und "Still ruht der See".
Die Ausstellung mit insgesamt 66 Arbeiten von Sabine Wenig kann bis Sonntag, 30. März, täglich - außer montags - von 15 bis 18 Uhr besucht werden.

2007

Wittlager Kreisblatt, 27.11.2007

"Er deutet an, und das Auge denkt weiter"

cb Bad Essen.
"Fassaden sind für mich Gesichter, die von der Zeit geprägt sind und die ich in meinen Werken sichtbar machen möchte", sagt Rolf Escher. Zurzeit präsentiert er unter dem Titel "Das Leben der Dinge" über 60 seiner Arbeiten im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße.

 
"Es ist das zweite Mal, dass wir eine Ausstellung von Rolf Escher zeigen. Ich habe viele Freunde gesprochen, die die erste von 1992 noch in guter Erinnerung haben", erklärte Caspar Sieveking als Vorsitzender des Kunst- und Museumskreises (KMK), der zur Vernissage in die Ausstellung einführte. Darin fänden die Besucher verschiedene Themenbereiche, "denen sich Rolf Escher in seiner künstlerischen Laufbahn gewidmet hat."
Da sei zunächst einmal das Hauptthema "Venedig". Ausgehend von dem kleinen Hotel Pensione Calcina, hat der Künstler Venedig durchstreift auf der Suche nach Objekten für sein künstlerisches Schaffen.
In seinem Venedig-Bildband schreibt der frühere Kunstpädagoge und Professor der Fachhochschule Münster (Fachbereich Design) über die venezianischen Paläste: "Ich habe in diesen Räumen Tag für Tag viele Stunden verbracht auf der Suche nach der verlorenen Zeit, darum bemüht, die Dinge beim Zeichnen zum Sprechen zu bringen. Das wurde mein Thema: Das alt gewordene, abgenutzte Ding in seiner Stofflichkeit zu erforschen, in seiner sinnlichen Ausstrahlung sichtbar zu machen, überdeutlich bis zur Befremdlichkeit, und damit eigentlich den Menschen in seiner Zeitverfallenheit."
Ein weiteres Thema, so Sieveking, seien die Bücherwelten.
"Rolf Escher hat altehrwürdige und berühmte Bibliotheken in verschiedenen Ländern besucht und als Motiv genutzt", verwies Sieveking auf einige Beispiele im Eingangsbereich des Schafstalls: "Was ich an den Bildern bewundere, ist die zeichnerische Präzision und die vermeintliche Klarheit der künstlerischen Aussage. Ich sage vermeintlich, denn je klarer eine Aussage ist, umso mehr Fragen wirft sie auf." Diese Klarheit bestehe für ihn in der freundlichen Einladung zu einem zirkulären Frage-Antwort-Spiel, zu einer Zwiesprache, "wobei jede Antwort eine neue Sichtweise ins Spiel bringt und neue Fragen aufwirft", so der KMK-Vorsitzende, der weiter feststellte, dass der Mensch in Eschers Bildern fast überhaupt nicht vorkommt. Sieveking: "Nur wir selbst als Beobachter sind die einzigen Menschen, die sich in den Bildern bewegen." Oder, wie es eine Besucherin ausdrückte: "Er deutet an, und das Auge denkt weiter."
Rolf Escher ist einer der bedeutendsten Maler und Zeichner der Deutschen Gegenwartskultur. Seit Jahren ist er in ganz Europa auf Motivsuche in Bibliotheken von Oxford bis Berlin.
"Ich habe immer schon gezeichnet", erzählt er im Gespräch. Später kam die Malerei, dann die Radierung, eine Schwarzweißphase, bis er sich der Grafik und der Federzeichnung widmete.
Auf seinen zahlreichen Reisen spürte Rolf Escher geheimnisvollen Welten und der Magie der Räume nach. In seinen Impressionen oder auch Kompositionen aus unbelebten Gegenständen verdichtet er suggestiv seine Erlebnisse im Medium der Zeichnung und macht sie sinnlich erlebbar.
"Die Dinge, die ich sehe, oder die Hinterlassenschaften, mit denen möchte ich etwas erzählen, Dinge zum Sprechen bringen", ist der Wunsch des Künstlers.
Zum Titel der Ausstellung, die im Schafstall bis einschließlich 6. Januar täglich von 15 bis 18 Uhr zu sehen ist (außer montags), gibt es auch einige Bücher von Rolf Escher: "In Venedig gezeichnet" (Skizzenbuch), "Spuren nach innen - Zeichnerische Suche in Deutschland", "Bücherzeiten" und "Das Leben der Dinge".

 

Wittlager Kreisblatt, 26.11.2007

"Schafstall ist kulturelles Zentrum"

cb Bad Essen.
Der Kunst- und Museumskreis feierte im schmucken Ambiente des Bad Essener Schafstalles an der Bergstraße sein 25-jähriges Bestehen.

 
"Wir wollten keine pompöse Jubiläumsfeier", unterstrich 1. Vorsitzender Dr. Caspar Sieveking, der Gäste von nah und fern begrüßen konnte.
Festredner Bürgermeister Günter Harmeyer überbrachte eingangs Grüße und Glückwünsche zum 25-jährigen Jubiläum von Rat und Verwaltung der Gemeinde Bad Essen und erklärte, dass er bei der Gründung am 4. August 1982 im Hotel Reckum an der Lindenstraße mit dabei gewesen sei. "Warum ich damals die Gründung des Kunst- und Museumskreises (KMK) mit unterstützt habe, das hatte Gründe", betonte Harmeyer.
Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre habe sich der Schafstall, "ein ohne Zweifel ortsbildprägendes historisches Fachwerkgebäude", in einem trostlosen Zustand befunden. In dieser Zeit sei er im Bauamt für den Bereich "Baudenkmale" zuständig gewesen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit habe er aber auch, sozusagen als "Fan", ein privates Interesse an der Erhaltung historischer Fachwerkarchitektur entwickelt, so Harmeyer, derzehn Jahre lang als Schatzmeister des KMK für die Finanzen zuständig war. "Diese Aufgabe hat mir viel Freude bereitet, war sie doch verbunden mit der Planung und finanziellen Betreuung der kompletten Instandsetzung des Schafstalles mit dem Ergebnis, dass das renovierte Gebäude am 7. Juni 1986 neu eröffnet werden konnte" , bemerkte der Rathauschef, der nun Rückblick auf die Geschichte des Schafstalles hielt.
Das Besondere bei der Errichtung des Schafstalles sei gewesen, dass das Gebäude als sogenannter "Fachwerk-Wandständerbau" errichtet worden sei: "Das heißt, das gesamte Gebäude wird durch die Fachwerkaußenwände, die Deckenbalken und Dachkonstruktion statisch gehalten und getragen", verdeutlichte der Festredner, dass "mit dieser Wandständerkonstruktion der Schafstall einmalig weit und breit ist".
Als nun 1982 der KMK gegründet worden war, "war es von Anfang an das Ziel, sich auch für die Erhaltung des Schafstalles einzusetzen und zu einem kulturellen Zentrum in der Gemeinde Bad Essen auszubauen". Viele Mitglieder, Freunde und Gönner des KMK hätten hier ein beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement gezeigt, unterstrich Harmeyer, der an dieser Stelle Thomas Bochniak, der guten Seele des Hauses, für eine fast 25-jährige Mitarbeit dankte.
Heute sei der Schafstall das kulturelle Zentrum für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. Im Durchschnitt kämen jährlich bis zu 6000 Personen, "also von 1986 bis heute rund 130000 Besucher", freute sich Harmeyer. Dies sei nur möglich, weil sich immer wieder Bürger, insbesondere die Mitglieder, engagieren würden. Harmeyer erinnerte hier an die früheren Vorsitzenden Helmut Horstmann, Karin Schiller und Anneliese Meyer zur Capellen. Zwei Familien hätten die Arbeit aber besonders geprägt: Hiltrud und Helmut von der Heyde und Martina und Caspar Sieveking.
"Als der KMK gegründet wurde, habe ich noch nicht gewusst, dass es Bad Essen gibt" , räumte Caspar Sieveking ein. Seit 1990 habe er sich mit seiner Frau dem aktiven Kern angeschlossen.
In diesen Jahren sei die Tätigkeit immer aufs Neue spannend und interessant gewesen, so Sieveking. - Im Anschluss an den Jubiläumsakt wurde die Ausstellung "Das Leben der Dinge" mit Werken von Rolf Escher eröffnet

 

Wittlager Kreisblatt, 17.09.2007

Menschen gestalten Menschengestalten

Von Christa Bechtel
Bad Essen.
"Ich habe heute das Vergnügen, nicht nur eine Künstlerin vorzustellen, sondern vier", freute sich Andreas Arlinghaus-Deutschmann, der im Namen des Kunst- und Museumskreises zur Vernissage im Bad Essener Schafstall die Bielefelder Künstlerinnen Magdalene Bischinger (Malerei, Holzschnitte, Radierungen), Jutta Kirchhoff (Skulpturen, Zeichnungen), Sigrid Lichtenberger (Lyrik) und Christine Venjakob (Malerei, Zeichnungen) begrüßte.

 
In die Ausstellung "Menschengestalten", die bis zum 11. November täglich von 15 bis 18 Uhr (außer montags) geöffnet ist, führte Bildhauerin Claudia Winkel ein. "Menschen gestalten Menschengestalten. Schon immer. Blicken wir zurück, dann sind es zahllose Künstler, die sich in den verschiedensten Epochen diesem schwierigen Thema zu nähern versucht haben", stellte Claudia Winkel zu Beginn fest. Behutsam ergründe Magdalene Bischinger das Holz, arbeite sich langsam, aber beharrlich und bestimmt Schritt für Schritt immer tiefer in die Materie hinein. Die organischen Körperformen, wie man sie auf dem Skizzenblatt sehe, würden sich zu grafischen, klaren Linien verwandeln, Spannung entstehe, werde gesteigert durch den experimentellen Einsatz unüblicher Arbeitswerkzeuge wie die Radiernadel oder die elektrische Säge.
"Bei den hier ausgestellten Arbeiten handelt es sich um die Technik des verlorenen Druckstocks", so Claudia Winkel. Die Drucke seien Zeugnisse einer Spurensuche, schemenhaft die menschliche Figur umreißend. Ebenso schemenhaft, jedoch von ungleich atmender Leichtigkeit die Radierungen.
Bewegung in der Skulptur würden in Jutta Kirchhoffs Werken dynamische und statische Formen miteinander in spannungsvollen Einklang bringen und die Beweglichkeit des Betrachters bewusst mit einbeziehen, fuhr die Bildhauerin fort. Einen solchen Diskurs finde man in den "drei Grazien" wieder. Im Prozess ihrer Formfindung wähle die Künstlerin Gips als Arbeitsmaterial, "welches auch in seiner spröden Beschaffenheit eine Entsprechung zur Bildaussage hat und die für den Betrachter zwar nicht sichtbar, aber dennoch spürbar ist in der Essenz, die wir hier in Bronze gegossen vorfinden."
Einem Orchester gleich erscheine das facettenreiche Spektrum an Farben und Formen, mit welchen Christine Venjakob arbeitet. Den Besuchern begegnen üppige Formen, satte Farbtöne, gesetzt in heftigem, unmittelbarem, zuweilen gar brutal gesetzten Duktus, um im nächsten Moment von einer an Zerbrechlichkeit grenzenden Zartheit überrascht zu werden. Neu in ihrem Schaffenszyklus sind Materialkollagen aus verschiedensten wertvollen Stofffragmenten und sogar originalen, handschriftlichen Notenblättern oder Kuriositäten, von der Künstlerin im Laufe vieler Jahre auf Reisen gesammelt.
Eigens für die Ausstellung hat die Dichterin Sigrid Lichtenberger für Christine, Jutta und Magdalene Gedichte geschrieben. "Gedichte können Brücken sein, geschwungene Wege vom Ich zum Du", so die Poetin. Der Gedichtband kann übrigens im Schafstall erworben werden.

 

Wittlager Kreisblatt, 20.06.2007

Beeindruckend frische Anschauung von Kunst

cb Bad Essen.
"Ich habe nichts anderes gemacht als gemalt", erklärt August Ohm, der unter dem Motto "Im Licht Italiens - Neue Bilder" 35 seiner Arbeiten in Mischtechnik bis zum 29. Juli im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße ausstellt.

 
Trude Haas vom Kunst- und Museumskreis wurde in Hamburg auf den außergewöhnlichen Künstler aufmerksam und vermittelte die Ausstellung, in die zur Vernissage Dr. Reinhard Wilms einführte. August Ohm kam aus England, hängte seine Bilder im Schafstall auf und war zur Ausstellungseröffnung bereits wieder auf dem Weg nach Italien.
"Italien inspiriert mich ganz intensiv. Ich habe mein Atelier in Florenz so ausgesucht, dass ich in unmittelbarer Nachbarschaft von Donatello, Botticelli und Michelangelo arbeite. Das sind für mich starke Herausforderungen: Entweder man lässt den Pinsel fallen, oder man stellt sich diesen Herausforderungen", verdeutlicht der gebürtige Berliner seine Liebe zu diesem Land, in dem er seit 1975 wirkt. 1991, nachdem er sieben Jahre lang gesucht hatte, fand er endlich in Florenz das Atelier, das ihm vorschwebte. Ohm: "In Italien verdichtet sich Kunst wie in keinem anderen Land."
Die Medien Farbe und Formen wurde Ohm bereits in die Wiege gelegt, denn sein Vater war der bekannte Maler und Architekt Wilhelm Ohm, von dem er die erste künstlerische Ausbildung erhielt. Nach seinem Abitur bekam er den Diplomabschluss an der Werkkunstschule Hamburg. Es folgten kultur- und kunstgeschichtliche Studien. Auf Wunsch seiner Eltern übernahm Ohm für kurze Zeit bühnen- und kostümbildnerische Arbeiten für Theater und Fernsehen. "Danach war ich nur noch als freier Maler und Zeichner tätig", verrät Ohm seine Passion. Ein weiteres Atelier hat er in Hamburg und ein Studio in Berlin.
Leuchtende Gegenwart und prachtvolle Vergangenheit vereinen sich in August Ohms Werken. Im Eingangsbereich des Schafstalls begegnen die Besucher zum Beispiel der Trilogie "Wiese auf Torcello". Ohms Kontrastprogramm zum reichen, prächtigen Venedig, das pure Natur - greifbar, irdisch und kosmisch zugleich - vermittelt. "Perseus nach Cellini" beinhaltet drei Zeitebenen: die antike Mythologie, die Renaissance und das Hier und Jetzt des Geschehens. Expressiv die topografischen Landschaftssituationen in der Toskana, in der der Künstler gekonnt das besondere Licht dieser Landschaft eingefangen hat.
"Ich habe immer die Tendenz, Werkgruppen zu schaffen", sagt Ohm, der als Hommage an Botticelli "Madonnenköpfe" für die Ausstellung zur Verfügung stellte. Hier wählte der Maler immer wieder den gleichen Ausschnitt. Doch durch Farbe, Farbauftrag und Struktur gewann jedes Bild einen völlig anderen Charakter. In Anlehnung an den romantischen Dichter Novalis wählte Ohm dazu ein wiederkehrendes Schleiermotiv. "Hinter diesem Schleier verbirgt sich die Welt der Assoziation, der Erinnerung und der Fantasie."
Im letzten Raum dann die deutschen Werke wie Sylt - die eingerüstete Keitumer Kirche oder die Dresdner Frauenkirche - hier hat Ohm den Beginn des Wiederaufbaus festgehalten - sowie Schloss Sanssouci. "In einer Balance von Einfühlung und Verwandlung gelingen August Ohm ganz neue Interpretationen des mitunter nur scheinbar Bekannten. Mit einer reichen Variation von Farbe, Farbauftrag und malerischem Duktus schafft er eine immer wieder beeindruckend frische Anschauung von Kunst", stellte Reinhard Wilms fest.
 

Wittlager Kreisblatt, 26.04.2007

In jedem Menschen steckt kreatives Potenzial

Von Christa Bechtel (Text und Fotos)
Bad Essen.
"Quirlige Arbeiten entstanden in diesem "drunter und drüber", an denen Schüler mit Lust und Freude gearbeitet haben", unterstrich Alfred Möllers, Schulamtsdirektor i.R., im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße. Damit verriet er auch gleich den Titel der jüngsten (Schul-)Ausstellung, zu der der Kunst- und Museumskreis Bad Essen bis zum 10. Juni einlädt.

 
"Die Arbeiten ,drunter und drüber' entstanden im Bereich der musisch-kulturellen Bildung", verdeutlichte Organisatorin und 2. Vorsitzende des Kunst- und Museumskreises, Hiltrud von der Heyde, die insbesondere Alfred Möllers begrüßte. Zur Vernissage führte dieser in die Ausstellung ein. Beteiligt haben sich die Haupt- und Realschule Bohmte, die Hauptschule Hunteburg, die Haupt- und Realschule Ostercappeln sowie die Astrid-Lindgren-Schule Bohmte, erklärte Hiltrud von der Heyde.
"Es ist ein inhaltliches Thema, das zu uns gehört. Denn in welchem Leben geht es nicht ,drunter und drüber'?", warf Möllers als Frage auf und ging speziell auf einige Werke ein. Was passiert eigentlich im Kunstunterricht? Möllers: "Kunst hat auch etwas mit Können zu tun, verlangt Präzision und Durchhaltevermögen. Das kann nur gelingen, wenn Hingabe, Emotionen, Empathie dabei sind."
Was beeindruckt an dieser Ausstellung?, fragte Möllers. "Dass in jedem Menschen ein kreatives Potenzial steckt, dass die soziale Dynamik in der Gruppe genutzt wurde." Und schließlich habe ihm die Farbintensität sehr imponiert. "Man muss ja fröhlich werden, wenn man durch diese Ausstellung geht", schloss Möllers.
Bereits im Eingangsbereich begegnen die Besucher der Ausstellung dem farbenfrohen Wandbehang "Erwachen". Freies Weben mit unterschiedlichen Materialien haben die Schüler der Astrid-Lindgren-Schule hier zu einem echten Hingucker entwickelt. Weiter entdeckt man Collagen wie den "Karneval der Tiere" oder "Unten + oben = arm + reich" sowie als Applikationen "Kuck mal drunter" und "Masken mit Durchblick". Herausragend auch die Fotoüberarbeitung/Sticktechnik. Hier wurden in bestehenden Fotos textile Techniken durch wichtige Merkmale verstärkt.
Ein Highlight der Ausstellung ist zweifelsohne das Monumentalwerk "Drehbilder - Hommage an Escher", das in Acryl auf Holz gearbeitet wurde. "70 Schüler und Schülerinnen der Klassen acht bis zehn haben mehrere Monate daran gearbeitet", erläutert Anja Nobbe, die Kunst und Mathematik studiert und zurzeit an der Haupt- und Realschule Bohmte ein Praktikum absolviert. Hommage an Escher? Die flächenfüllenden Bilder des Holländers M. C. Escher, der ausschließlich grafische Arbeiten schuf und es in den Techniken des Holzschnitts, der Lithografie und der Radierung zur technischen Perfektion brachte, sind weltweit bekannt. Menschliche oder tierische Formen reihte er lückenlos zu Flächen aneinander.
Auch in dem Werk der Bohmter Schüler ist das Zusammenspiel von Mathematik und Kunst faszinierend und regt die Fantasie an. "Archetypische Urelemente wurden hier verarbeitet", zollte auch Alfred Möllers den Drehbildern Respekt.

 

Wittlager Kreisblatt, 26.02.2007

Manchmal ziemlich bissig

Von Christa Bechtel
Bad Essen.
Er ist ein romantischer Träumer mit Witz und Tiefgang, Poesie und Leichtigkeit: der Maler, Musiker, Grafiker, Autor, Holzschneider, Karikaturist und Chansonier Dieter Huthmacher, der jetzt auf Einladung der Tourist Information Bad Essen in Kooperation mit dem Kunst- und Museumskreis im Schafstall an der Bergstraße in Bad Essen gastierte.

 
Das Allroundtalent sorgte bereits im vergangenen Jahr mit seiner Ausstellung "Kopfstand der Fantasie" für Furore. Jetzt kehrte der 1947 in Pforzheim geborene Liedermacher und Kabarettist mit seinem Konzertprogramm "Federleicht" zurück. "Ich habe mir ein Lied geschrieben, als ich 55 war", eröffnete Huthmacher sein Programm, die "55" betonend, mit "Ich weiß nicht, was alles noch kommt, wenn die Sonne ins Meer fällt", und die Zuhörer erfuhren, was er in den Jahren aus seiner Zeit gemacht hat.
"Ein Mann schafft alles - irgendwie", erklärte der Pforzheimer augenzwinkernd, um dann nuancenreich die empfindsame Seele des Mannes mit "Das muss was Ernstes sein" zu beschreiben. Dabei provozierte er die ersten Lachsalven.
"Zwei Gründe, warum Schwaben verreisen: Es ist umsonst, oder es kostet nichts", erklärte der Textdichter und Komponist, der hier den "Urlaubskick - Urlaubsklick" vermittelte mit dem Fazit: "Das Schönste war der Bastelkurs am Vierwaldstätter See!" Noch blieb das Publikum beim Thema Urlaub, denn in vier Wochen Freizeit könne man durchaus ein Regal von Ikea aufbauen. Die Gebrauchsanweisung dazu gab Huthmacher erst auf Schwedisch, dann Chinesisch, Russisch, Arabisch... Die Lachtränen rollten.
Was ist typisch Deutsch? Die Doppelhaushälfte, Dosenpfand, Gartenzwerge, Öffnungszeiten für Altglascontainer... Beeindruckend sein Zeitungs-Rap und seine Version von Hänsel und Gretel in der heutigen Null-Bock-Sprache. Voll krass! Zur Pause dann ein Liebeslied für seinen Großvater: "Du warst mein Haus, meine Brücke, mein Dach", anrührend und voller Wärme.
Schlag auf Schlag ging's auch im zweiten Teil weiter mit einem Unfallbericht, der vor schwarzem Humor nur so triefte, der besonderen Studie über eine Ehe. Das Bad Essener Publikum bekam den Tipp: "Wenn du einen Engel siehst, lerne 'Engelisch'."
Dieter Huthmacher ist ein feinsinniger Liedermacher und Kabarettist, der Texte und Gedichte vorträgt, mal schwäbisch-derb, mal hintersinnig-philosophierend, er karikiert die Sprache der Politiker messerscharf. Seine Lieder singt er voll lyrisch einfühlsamer Poesie und verliert sich dennoch nicht in der heilen Welt. Denn immer, wenn es zu harmonisch zu werden droht, bringt er die Zuhörer zurück in die Realität. Kurzweilig erlebten diese im Schafstall einen sehr humorvollen, lebendigen, manchmal bissigen, aber auch hintersinnigen Abend, der "federleicht" mit einigen Zugaben endete.

 

Wittlager Kreisblatt, 13.02.2007

Klang und Atmosphäre von Landschaften

Von Christa Bechtel
Bad Essen.
Ihre Arbeiten vermitteln große Ruhe, ihre Formen und Farben versprühen mediterrane Leichtigkeit. Sie versteht es, der Atmosphäre und dem Klang einer Landschaft nachzuspüren und ihre Harmonie und Poesie sichtbar werden zu lassen:

 
Die Osnabrücker Künstlerin Ruth Stahl, die auf Einladung des Kunst- und Museumskreises Bad Essen bis zum 15. April im Schafstall an der Bergstraße in Bad Essen Aquarelle, Zeichnungen und Radierungen ausstellt.
Zur Vernissage konnte Vorsitzender Dr. Caspar Sieveking etliche Besucher begrüßen. Die Einführung in die Ausstellung übernahm Dr. Elisabeth Mardorf, die vorab Biografisches und dann das Oeuvre der 1928 in Nürnberg geborenen Künstlerin vorstellte.
Auf vielen Reisen, die Ruth Stahl gemeinsam mit ihrem Mann, dem Bühnenbildner Robert Stahl, unternommen habe, seien Aquarelle, vor allem von südlichen Städten und Landschaften, entstanden. Diese Bilder malte und malt die Künstlerin grundsätzlich direkt vor Ort. Um eine authentische Stimmung aufnehmen und wiedergeben zu können, baut sie ihre Staffelei an Straßen, Plätzen und in der Natur auf, verdeutlichte Elisabeth Mardorf. So strahle in ihren Werken förmlich das Licht mediterraner Länder.
Ebenso in ihren Radierungen verwirkliche Ruth Stahl ihre Vorstellung von Leichtigkeit und Transparenz, aber gleichzeitig auch Prägnanz. Mardorf: "Einige Radierungen haben zeichnerische Klarheit, andere die Durchsichtigkeit und Zartheit von Aquarellen." In ihren Buchgrafiken greife sie literarische Motive auf. Als Beispiel können die Besucher die Illustration zu Oskar Kokoschkas Erzählung "Der Brunnen" betrachten.
Nachdem Ruth Stahl mit ihrem Ehemann Südfrankreich, die Provence, kennen gelernt hatte, reizte es sie, die Architektur, das Licht und die Atmosphäre von Städten wie Venedig, Florenz oder Rom kennen zu lernen. "Ich war in diesen Städten immer wieder. Wenn man länger an einem Ort ist, lernt man ihn besser kennen und sieht immer wieder etwas Neues", verdeutlicht Ruth Stahl, die oftmals drei bis vier Wochen in diesen Städten weilte.
"Ich lasse mich stets auf das jeweils vorherrschende spezielle Licht ein. Setze ich mich ein weiteres Mal mit diesem Motiv auseinander, wird deshalb ein ganz neues Ergebnis entstehen", erklärt die gebürtige Nürnbergerin, die ihre Farben zum Klingen bringen möchte, denn "ich muss sie wie Töne in der Musik zueinander in Beziehung setzen".
In der Ausstellung, die täglich außer montags von 15 bis 18 Uhr besucht werden kann, befinden sich neben den südländischen Motiven wie "Unter Platanen in Südfrankreich", "Siena, Stadttor" oder "Venedig, Quartiere Cannaregio" auch heimische Motive. Hierzu zählen die "Schelenburg", "Wassergraben am Schloss Hünnefeld" sowie "Abend am Schloss Hünnefeld". Zu ihren Zeichnungen gehören auch ein Selbstbildnis, das sich aber im Privatbesitz befindet. Vervollständigt wird das breite Spektrum von Ruth Stahls Arbeiten durch 13 Aquatinta-Radierungen.

2006

Wittlager Kreisblatt, 30.12.2006

Konzertgenuss dank einer höllisch gut aufgelegten Künstlerin

Von Hartwig Ventker
Bad Essen.
Einen guten Griff tätigte der Bad Essener Kunst- und Museumskreis mit der Verpflichtung der Harfenistin Assia Cunego zum traditionellen Weihnachtskonzert im Schafstall. Hoch waren die Erwartungen an die 1983 in Italien geborene und mehrfach international ausgezeichnete Künstlerin. Sie wurden nicht enttäuscht. Die zahlreichen Zuhörer wurden Zeuge eines äußerst stimmungsvollen Solokonzerts.

 
Die Harfe, bisher eher als farbgebendes Orchesterinstrument bekannt, ist auf dem besten Weg, sich mehr und mehr als Kammermusik- beziehungsweise Soloinstrument im Konzertleben zu etablieren. So ist es auch das Ziel der jungen Harfenistin, bei ihren zahlreichen Konzertreisen quer durch Europa, dem Publikum weniger bekannte, aber nicht minder interessante Originalliteratur für ihr Instrument vorzustellen.
Gleich zu Beginn des Konzerts konnte A. Cunego in den "Variations sur les Folies d'Espagne" des französischen Komponisten Xavier Desargus ihr gesamtes technisches und künstlerisches Ausdruckspotenzial entfalten. Variationswerke stellen gerade in dieser Hinsicht höchste Anforderungen an den Interpreten, die die junge Künstlerin souverän und mühelos meisterte. Das Werk liegt im Spannungsfeld zwischen Klassik und Romantik, wobei sich rasch abwechselnde Moll-Figuren immer wieder zu feurigen Prestissimi-Einlagen steigern.
Die spielerische Virtuosität, die gestalterische Kompetenz und der Sinn für interpretatorische Freiheit waren bei der Künstlerin durchweg zu spüren. So erlebte man bei dem belgischen Komponisten Felix Godefroid: Les Danses des Sylphes (Tanz der Luftgeister) ein elegantes, wohlklingendes Stück, das Assia Cunego mit viel Sinn für dynamische Ausprägungen und enormer Taktsicherheit darbot. Das konzertant-freie, mit tänzerischer Grazie gespielte Werk, das spätromantische Züge mit leichtem Hang in den "nordischen" Dunstkreis aufwies, zeigte einmal mehr die spielerische Reife der Künstlerin.
Ein Bonbon für das Bad Essener Publikum mit entsprechend Wiedererkennungswert war das bekannte Werk Frederik Smetanas: die Moldau. Auch hier beeindruckte die Harfenistin mit einer spannenden Abwechslung zwischen zarten, sphärischen Klängen und perlend-kraftvollem Spiel.
In der Konzert-Suite "Around the clock" der 1981 in New York verstorbenen Komponistin Pearl Chertok geht es um die klangliche Umsetzung eines belanglos anfangenden Allerweltstages, der sich im weiteren Verlauf dramatisch steigert, um sich schließlich gegen Mitternacht in einen wahnsinnigen Harfenmord (Harpicide) zu entladen. Viele musikalische Elemente des 20. Jahrhunderts wie Swing, Jazz und Blues fanden bei dieser Komposition ihre harfenimmanente Ausdeutung und großartige Gestaltung. Sehr aufregend und mittlerweile typisch für die neueste Musik unserer Tage ist das Einbeziehen von schauspielerischen Einlagen, die zum selbstverständlichen Bestandteil einer zeitgenössischen Interpretation gehören.
Nach einer Umbaupause, nach der das Publikum aus dramaturgischen Gründen in einer neuen Sitzordnung um die Harfenistin herum platziert wurde, fand das Programm seinen Abschluss mit dem 50-minütigen Werk des holländischen Komponisten Simeon ten Holt aus dem Jahre 1979. "Canto Ostinato" lautete der Titel, der Programm war.
Kurze minimalistische Melodiefragmente, bestehend aus fünf Tönen, wurden in geradezu unendlicher Variationsvielfalt wiederholt und geringfügig verändert, bis eine meditativ-hypnotische Atmosphäre entsteht. Die Gefühle für Raum, Klang und Zeit lösen sich auf und bilden ein neues musikalisches Ritual jenseits von traditionellem Spiel und ritualisierten Hörgewohnheiten. Ein Ritual ganz dicht an musikalisch-religiöser Ewigkeit.
Um den Bruch mit der überlieferten bürgerlichen Konzertatmosphäre zu verdeutlichen, sollen die Zuhörer nach dem Willen des Komponisten selbst aktiv werden. Die unendlichen ostinaten Figuren sollen einladen, im Raum zu wandeln, zu tanzen, zu meditieren oder sich einer schöpferischen musikalischen Kontemplation hinzugeben. Tatsächlich gelang es der Künstlerin, einige Zuhörer in einen Zustand zu versetzen, der die Grenze des leichten Nickerchens überstieg.
Fazit: ein hochinteressanter Konzertgenuss, geprägt durch kraftvoll zupackendes sowie himmlisch-sphärisches Spiel einer höllisch gut aufgelegten Künstlerin.

 

Wittlager Kreisblatt, 27.12.2006

" KuMuK" auch im Internet

cb Bad Essen.
Rund 170 Mitglieder zählt der Kunst- und Museumskreis (KuMuK) Bad Essen inzwischen. Während der Mitgliederversammlung im Schafstall an der Bergstraße wurden Dr. Caspar Sieveking als 1. Vorsitzender, Hiltrud von der Heyde als 2. Vorsitzende und Kassenwart Andreas Hoffmeier wiedergewählt.

 
Für Jutta Kröning, die als Schriftführerin nicht mehr kandidierte und nun Beisitzerin ist, wählte die Versammlung Martina Sieveking neu in dieses Amt.
Während seines Berichtes ging Dr. Caspar Sieveking auf die Ausstellungen des vergangenen Jahres intensiv ein.
Die Ausstellung "Papiermusiken" von Hiltrud Schäfer läuft noch bis zum 7. Januar. Am 26. Dezember lädt der Verein wieder traditionell zu seinem Weihnachtskonzert ein. Mit dem Titel "Radierungen und Aquarelle" wird Ruth Stahl ab 9. Februar im Schafstall ausstellen" nahm Sieveking Ausblick auf das Jahr 2007. "Drunter und drüber" heißt die Ausstellung, die die Schulen des Altkreises Wittlage ab 22. April starten werden.
Weitere Veranstaltungen, so der 1. Vorsitzende, seien in Zusammenarbeit mit dem Kur- und Verkehrsverein geplant, da dieser ein wichtiger Kooperationspartner sei. "Die Zusammenarbeit mit Annette Ludzay klappt hervorragend", freute sich Caspar Sieveking. Sie habe sich bereit erklärt, öfter an den Vorstandssitzungen teilzunehmen, um schnelle Absprachen zu erleichtern.
"Wir haben das Jahr mit Verlust abgeschlossen", teilte Kassenwart Andreas Hoffmeier mit. Neu installiert worden sei der Windfang im Schafstall. Hier hoffe man auf eine wirksame Einsparung der Energiekosten.
Mit Bescheid des Finanzamtes im September sei die Gemeinnützigkeit des Vereins für weitere fünf Jahre anerkannt worden, so Hoffmeier.
Zu weiteren Beisitzern wählte die Versammlung dann Helmut von der Heyde, Dr. Reinhard Wilms, Marlies Wöhler, Rainer Kroll und Dr. Elisabeth Mardorf. Neue Beisitzer wurden Andreas Arlinghaus-Deutschmann, Trude Haas und Gisela Winzer. Jutta Kröning und Rainer Kroll wollen sich demnächst noch stärker für die Darstellung des Vereins im Internet einsetzen. Die Adresse lautet "www.schafstallbadessen.de."
Die 2. Vorsitzende der Kunstschule, Christine Sturmann-Dahmen, berichtete als Vertreterin der ersten Vorsitzenden Anne Apel vom Kind des Vereins, der Kunstschule, die 20 Jahre alt wird. Aus diesem Anlass soll am 24. Juni 2007 eine Geburtstagsfeier stattfinden. Zusammen mit der Semesterausstellung wird es einen Künstlermarkt geben und natürlich Angebote für Kinder. Aktuell findet am 10. Dezember die Ausstellung des vergangenen Semesters im Atelier am Bahnhof statt.
Durch die Neubelebung von Kurios (Kulturring Ostercappeln) soll auch die Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Museumskreis aktiviert werden.

 

Wittlager Kreisblatt, 14.11.2006

Den ganz persönlichen Stil gefunden

Von Christa Bechtel
Bad Essen.
Mit ihren Einzelarbeiten und insbesondere mit ihren Installationen gelingt es Hiltrud Schäfer, das Spannungsverhältnis zwischen Geburt und Leben, zwischen Vergehen und Tod künstlerisch und ästhetisch überzeugend in eine aktuelle Bildsprache umzusetzen.

 
Auf Einladung des Kunst- und Museumskreises stellt die Osnabrücker Künstlerin unter dem Titel "Papiermusiken - Objekte und Installationen aus Papier" bis zum 7. Januar im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße aus. Die Ausstellung kann täglich, außer montags, von 15 bis 18 Uhr besucht werden. Erst war es die Ausstellung "Textil", dann "Hemden und Schalen" und nun "Papiermusiken", begrüßte Hiltrud von der Heyde, stellvertretende Vorsitzende des Kunst- und Museumskreises, Hiltrud Schäfer und etliche Gäste zur Vernissage im Schafstall. Anfangs sei es noch ein ganz anderer Stil gewesen. "Doch im Laufe der Jahre hat sie ihren eigenen gefunden", so Hiltrud von der Heyde.
Mit fünf "Notizen" näherte sich Professor Dirk Manzke aus Osnabrück dem Schaffen von Hiltrud Schäfer, um in die Ausstellung einzuführen. "Ihr stoffliches Interesse erweitert sich seit geraumer Zeit um das Selbstschöpfen des Papiers und dessen Ausdruckswelten", erläuterte Manzke. Inzwischen erforsche sie im Papiernen nicht nur die Sphären des Stofflichen, sondern längst auch deren räumliche Möglichkeiten. Manzke: "Waren es anfänglich Arbeiten in der Fläche, so sind es inzwischen räumliche Werke und Leibassoziationen. Sie münden in Installationen, Hängungen, Gefäßen, Figurinen, Skulpturen." Ihre Papierschöpfungen würden sich mit Pflanzen, Holz, Metall vermischen und so das Spektrum des Stofflichen erweitern. Die Ausstellung erfülle sich in einem sich wandelnden Klang, der zwischen Raum, Material und Licht, je nach Standort und Bezugspunkt, zu verfeinernder Atmosphäre gerinne.
"Wer sich dieser Ausstellung zuwendet, wird verstehen, dass ein trockenes Querschnittkonzept nicht die Intention von Hiltrud Schäfer in Bad Essen sein konnte. Es musste ein besinnendes, erweiterndes, öffnendes "Papiermusiken" sein. Möge die Welt auch diese Klänge in sich empfangen", wünschte sich Dirk Manzke.
"Ich zeige hier den vollen Akkord", weist Hiltrud Schäfer auf ihre 20 Einzelarbeiten und Installationen der Ausstellung hin: "Von dem aus verschiedenen Pflanzen hergestellten handgeschöpften Papier bis zum Artefakt", so die Künstlerin, die mit ihren Arbeiten überraschende Impulse setzt.
Beim Eintreten in den Schafstall trifft der Besucher auf Hiltrud Schäfers Wandinstallation "Augustaschacht", fünf Epitaphtafeln als Hommage an die Zwangsarbeiter im Dritten Reich - faszinierend und beklemmend zugleich. Auf dem Boden entdeckt man die Skulptur "Fisch" , ein "Kindersarg" aus Weide, Leinengarn, Kozo (Japanpapier). Aufsehen erregt ihre Installation aus diesem Jahr mit dem Titel "Zustandsarchiv". Vogelkäfige - offen und geschlossen - alte Flurkartenbehälter, Fundstücke, Papier und Wachs laden den Betrachter ein, seinen Assoziationen freien Lauf zu lassen...

 

Wittlager Kreisblatt, 12.09.2006

Wichtige Objekte der Designgeschichte wiederentdecken

cb Bad Essen.
"Nur wenigen ist heute noch bekannt, woher der Begriff "Grand Tour" kommt und was er bedeutet", stellte Rainer Krause vom Anthologie Quartett zur Vernissage im Schafstall in Bad Essen fest.

 
Unter dem Motto "Grand Tour - Möbel, Leuchten und Objekte aus 200 Jahren Designgeschichte" eröffnete der Kunst- und Museumskreis seine neueste Ausstellung, die bis 5. November täglich, außer montags, von 15 bis 18 Uhr besucht werden kann.
Hiltrud von der Heyde vom Kunst- und Museumskreis begrüßte zu Beginn die Gäste, besonders Rainer Krause und Michael von Jakubowski vom Anthologie Quartett Bad Essen auf Schloss Hünnefeld. "Unsere Zusammenarbeit hat sich schon öfter bewährt", freute sie sich über die nunmehr sechste gemeinsame Ausstellung.
"Anthologie Quartett arbeitet mittlerweile mit ca. 150 Designern international zusammen, darunter sehr berühmte, die schon Objekte in den Museen der Welt platzieren konnten", gab Michael von Jakubowski eine Darstellung des Betriebes.
Die gesamte Kollektion werde mehr oder weniger handwerklich gefertigt, "meist in kleineren Familienbetrieben, die sich im Laufe der Zeit bestimmte Techniken erarbeitet haben. Diese qualitativ hohen Handwerksbetriebe können im Umkreis von Bad Essen liegen, aber auch in Städten oder Ländern, die gerade für ihre traditionelle Handwerkskunst berühmt geworden sind wie Meißen, Böhmen oder Stoffe aus Lion", verdeutlichte von Jakubowski.
"Junge begüterte Adlige, zunächst aus England, zu Ende des 18. Jh. aber auch aus Deutschland, Skandinavien und Russland nutzten die 'Grand Tour' in einer Zeit ohne Foto, Radio und sonstige moderne Medien, um ihren Geschmack zu entwickeln, Sprachkenntnisse und ihr Wissen um unterschiedliche Völker und Kulturen zu erweitern", gab Rainer Krause die Erklärung zur "Grand Tour". Die englische Tour habe zumeist mit der Überfahrt von Dover nach Calais, Paris begonnen. Weitere Stationen, so Krause, seien unter anderem die Schweiz, über die Alpen nach Turin, Mailand, Venedig, Neapel und Rom gewesen. Krause: "Seit Ende des 18. Jahrhunderts waren dann auch deutsche Kulturzentren wie Dresden, Potsdam und Dessau/Wörlitz Ziel dieser Reise nicht mehr nur allein von Adligen, sondern auch Literaten, Künstlern und Architekten."
"Warum heißt unsere Ausstellung 'Grand Tour'?", fragte Krause. Seit Beginn ihrer Arbeit hätten sie sich für die Archäologie des Designs interessiert, so der Geschäftsführer. Das bedeute, Produkte wiederzuentdecken, die ein wichtiger Teil der Designgeschichte seien.
Herzstück der Schau ist Karl-Friedrich Schinkels Erstlingswerk, das Zelt auf dem Pomonatempel Potsdam (1800), das nach einer KPM-Tasse rekonstruiert wurde. Eine Designione ist der Ginbande "Tabula Rasa" Ausziehtisch und -bank (1987 - für 18 Personen), der mittlerweile in vielen Designmuseen der Welt steht.
So genannte Eyecatcher sind "Familie Herz" - drei stumme Diener (Robert Wettstein), der Stuhl von Alessandro Mendini "Redesign Thonet" oder die Ginbande "Kindermöbel". Aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts stammt das Richard Riemerschmid "Tablett", auf dem das Teeservice von Kasimir Malevitsch platziert ist. Die Originalform von 1923 wird noch heute in der Lomonosov Manufaktur in St. Petersburg hergestellt.
Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist ein Leuchter aus Edelstahl mit Swarovski-Kristallen bestückt, ein Eigenentwurf von Rainer Krause und Michael von Jakubowski, für den sie mit dem Designpreis 2005 ausgezeichnet wurden. "Momentan ist der Leuchter für das Bundeskanzleramt in Berlin vorgesehen", erklärt von Jakubowski.
Die Vernissage endete abermals mit einem gemeinsamen Essen, für das wieder Mitglieder des Kunst- und Museumskreises gesorgt hatten.

 

Wittlager Kreisblatt, 30.05.2006

Bereits in der Schule Dürer nachgezeichnet

cb Bad Essen.
Er ist ein Meister der Vielseitigkeit, ein Künstler, der in vielen Künsten zu Hause ist, er ist bildender Künstler, ein brillanter Vertreter der Wortkunst, und er ist Musiker.

 
Es handelt sich um den Pforzheimer Dieter Huthmacher, der auf Einladung des Kunst- und Museumskreises derzeit 59 seiner Aquarelle und Holzschnitte im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße ausstellt. Die Ausstellung mit dem Titel "Kopfstand der Fantasie" kann bis Sonntag, 23. Juli, täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht werden.
Zur Vernissage führten Jutta Kröning und Dr. Reinhard Wilms vom Kunst- und Museumskreis in die Schau ein. "Viele Ausstellungen zeigten seine Werke im In- und Ausland", ging Wilms auf Vita und Werke Huthmachers ein. Bereits Anfang der 80er Jahre sind seine Zeichnungen in renommierten Verlagen und Titeln wie "Echt tierisch" oder "Ein Schwein, ein traurig Schwein..." erschienen.
Wilms: "Sie verdeutlichen die Haltung von Dieter Huthmacher zu seiner Kunst und zur Welt." Ironisch, sarkastisch manchmal, aber immer mit dem verschmitzten Blick, der ein Lächeln herausfordere, kommentiere er die Zeit. Die Ausstellung zeige Märchenwelten, in denen sich der Betrachter verlieren könne und die doch an konkrete Sujets erinnere: an die Via Mala zum Beispiel, wo sich der Künstler wiederholt aufhielt und Anregungen holte, die Gegend von Siena und Orvieto oder Assisi.
"In der Schule habe ich bereits eine Zeichnung von Dürer nachgezeichnet", blickt Dieter Huthmacher auf die Anfänge seiner Malerei zurück. Wie kommt er zu seinen Motiven? "Dazu gehört viel Nachdenken, und irgendwann ist es dann so weit", erklärt der Künstler augenzwinkernd.
Charakteristisch für seine Arbeiten: die Kombination von ungewohnten Inhalten, zum Beispiel das verschachtelte Hochhaus in einer Berglandschaft, ein Murmeltierkopf neben einer Tür, die dem Betrachter entgegen- fällt, oder ein hölzernes Pferd vor einer Hochhauskomposition. Gedankliche Assoziationen werden geradezu herausgefordert.
Eine Vielfalt von Holzschnitten zeigt oft Tiere wie Ziege, Kater oder Eule, in leichter Überzeichnung der Tiergestalten. "Mit diesen Tierbildern möchte ich die menschlichen Verhaltensweisen deutlich machen", sagt der Poet mit Charme und verschmitztem Humor. Seine skurrilen, personifizierenden Darstellungen erheben die Naturwesen zu Bewohnern einer fabelhaften Fantasiewelt.
Seine Kunst ist vordergründig gegenständlich, jedoch mit einem Hang zur individuellen Abstrahierung und stets mit einer starken poetischen Färbung. Und Dieter Huthmacher liebt die zarten Farben, spielt gerne mit den Verzauberungen der Optik.
"Die leisen Töne sind es, die seine Kunst ausmachen, dieser besondere Blick auf die Welt, die den Betrachter aufmerken und manchmal schmunzeln lässt und zum Nachdenken anregt", stellte Wilms im Schafstall fest. Anschließend gab der Liedermacher und Gitarrist Dieter Huthmacher einen kleinen Ausschnitt aus seinem aktuellen Kabarettprogramm "Federleicht".

 

Wittlager Kreisblatt, 03.04.2006

Künstlerin bezeichnet sich als Erdmensch

Christa Bechtel
BAD ESSEN.
"Ich will nie etwas anderes tun, als malen", sagte sich die Düsseldorferin Gabriele Gusinde bereits als Fünfjährige. Unter dem Titel "Augenblicke" präsentiert die heute 58-jährige Malerin bis zum 14. Mai ihre Arbeiten in Mischtechnik und Grafik im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße.

 
Die Ausstellung, in die Jutta Kröning vom Kunst- und Museumskreis Bad Essen während der Vernissage einführte, kann täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht werden.
"Meine Ideen springen mich an; inspiriert werde ich von den 'Augenblicken'", erzählt Gabriele Gusinde. Das könne ein Strohhalm auf nassem Asphalt sein oder auch eine Feder, ein Zweig. "Im weitesten Sinne bin ich ein Erdmensch, denn auf der Erde passieren die interessantesten Dinge", gesteht die Grafikerin. Abenteuerlich gehe es auch in Mauern und Ritzen zu, erinnert sich die Künstlerin an ihren früheren Schulweg. Sehr behütet aufgewachsen habe sie schon immer eine starke Verbindung zum Garten, zu allem "erdigen" gehabt.
Heute experimentiert die "Naturfrau" gerne, überlässt aber auch manches den Zufälligkeiten. Einige Jahre in Werbeagenturen tätig, machte sich Gabriele Gusinde 1981 selbstständig und arbeitet seitdem nur noch als Malerin. So findet man in ihren Werken, die überwiegend mit einer aufwändigen Technik gearbeitet sind, fast nur erdige Töne. "Sie sind haptisch vielfältig, bieten dem Auge so etwas wie eine plastische Landschaft, die man durchwandern kann", stellte Jutta Kröning zur Ausstellungseröffnung fest.
In ihren Arbeiten verwendet Gabriele Gusinde Materialien wie Erde, Sand, Pigmente, Steine oder Teer, denen sie reizvolle Strukturen gibt. "Es ist ein Kratzen und Schaben, Trocknen und wieder Abschlagen", verdeutlicht die gebürtige Düsseldorferin ihre Arbeitsschritte. Aber nicht nur diese amorphen Substanzen kommen bei ihr zum Einsatz, sondern auch Zweige, Federn, Blätter oder Reste von Pflanzen. Ebenfalls entstanden Zyklen wie "Verbindungen" oder "Experimente", in denen sie Reste von Laken, Hemden, Gaze, Sisal und Leinwand faltete, raffte oder grob zusammennähte. "Das ist manchmal richtig Knochenarbeit", verdeutlicht die Wahl-Neusserin, die sogar eine künstliche Alterung herbeiführt, indem sie Büttenpapier in die Erde vergräbt. Dies ergibt dann wiederum reizvolle strukturelle Elemente für ihre Collagen.
"Zwar gibt es malerische Tendenzen und viele ihrer Collagen folgen kompositorischen Maßstäben, sind bisweilen, wenn mehrteilig, sogar erzählerisch. Aber das Bild ist nicht nur Produkt der bildnerischen Aktion, sondern auch ein wirkliches Erzeugnis der Realität, wenn auch eins, das stets im Vergehen begriffen ist. In diesem Sinne zeigen Gabriele Gusindes Arbeiten sinnliche Dringlichkeit, gemahnen aber gleichzeitig an deren Vergänglichkeit", resümierte Jutta Kröning zum Schluss ihrer Einführung.

 

Wittlager Kreisblatt, 06.02.2006

Bilder mit Tiefe gegen die Leere

Bad Essen (cb)
Rätselhafte, farbenfrohe Bilder- und Traumwelten sind jetzt mit Hinrich van Hülsens Werken in den Schafstall an der Bergstraße in Bad Essen eingezogen. Unter dem Titel "Bilder gegen die Leere im Herzen" lädt der Kunst- und Museumskreis bis Sonntag, 26. März, täglich von 15 bis 18 Uhr - außer montags - in diese Ausstellung ein.

 
"Ich wollte von klein auf Künstler werden", gesteht Hinrich van Hülsen. Doch bis dahin war es für ihn ein langer Weg. Bis Anfang der 80er Jahre wirken seine Themen und auch die Farben eher ein wenig düster. "Da habe ich mit dem Kopf gemalt. Heute kommt es aus dem Bauch heraus", gibt der gelernte Schildermaler unumwunden zu. Seine Motive begegnen ihm in seinen Träumen, die der Multimedia-Designer mit einer eigenen inneren Kraft suggeriert. Von den Ideen und den Gedanken ist der Künstler Max Ernst sein Vorbild. - "Die sind ganz frisch geschlüpft", weist Hinrich van Hülsen auf seine Skulpturen, denen er sich seit Anfang 2006 widmet.
"Diese Kunst spricht mir sehr aus der Seele", unterstrich Dr. Caspar Sieveking, Vorsitzender des Kunst- und Museumskreises, zur Ausstellungseröffnung.
"Der Ausschnitt neuen Schaffens des Künstlers Hinrich van Hülsen stellt sich uns als logisch konsequente Entwicklung dar, denn er entdeckte schon in seiner Jugend Form, Farbe und Fläche als sein Sprachrohr, sein Ausdrucksmedium", stellte Lucy Knollmeyer aus Osnabrück fest, die in die Ausstellung einführte. Durch die ihm eigene Unbeirrbarkeit und Geradlinigkeit habe er diesen schöpferischen Weg ohne Unterbrechung bereisen können. Dadurch sei van Hülsen zu der sich heute darbietenden Bildsprache gelangt, in welcher Mensch und Tier im Mittelpunkt ständen.
"Die Gestalten van Hülsens, ob Mensch oder Tier, haben sich befreit aus geometrischen Konstrukten, Schlauchformationen und Paralyse", so die Studentin der Kunst weiter. Sie hätten die beengende, verpflichtende Bühne verlassen, um in einem Metaraum des Humanen, der sich häufig als Naturanalogie zeige, eine neue Dimension des Seins zu manifestieren und die Unendlichkeit ihrer Seelenlandschaften zu durchwandern. Knollmeyer: "Hier offenbart sich uns natürlich auch die ,wundersame Parallelität der Dinge', Wahrnehmung und Umsetzung eines Künstlers, Zeitgeschehen und die Geschichten unserer Selbstreflektion durch die uns angebotenen Bilder und Titel vereinen sich, wenn alles gut läuft."
Der Künstler Hinrich van Hülsen biete dem Betrachter ein Schlüsselloch, "durch welches wir schon einmal spekulieren können". Denn gerade da van Hülsen formal nicht die Abstraktion wähle, biete er in seinen Bildwelten Weiten und Tiefen, "welche mit ihrer Fusion aus Realität, Magie, Surrealem und Metaphorik unsere eigene innere Gedanken- und Gefühlswelt animieren".

2005

Wittlager Kreisblatt, 14.11.2005

Aus Zufälligkeiten wird Kunst, aus Finden Erfinden

Christa Bechtel
Bad Essen
Wer noch Geschenke für Weihnachten sucht, ist im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße zurzeit genau richtig: Am Freitagabend hatte dorthin der Kunst- und Museumskreis Bad Essen zu einer Vernissage eingeladen.
Bis zum 8. Januar stellen Hannelore Windhorst (Skulpturen), Brigitte Gerlach stellvertretend für 25 junge kurdische Frauen (Kelims) und Anette Künsting (Schmuckdesign) aus. Die Ausstellung ist täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
Zur Vernissage konnte Martina Sieveking nicht nur die Künstlerinnen und die aus Rotenburg/Wümme kommende Ärztin Brigitte Gerlach im Schafstall begrüßen, sondern auch etliche Kunstinteressierte. "Aus Zufälligkeiten wird Kunst, aus Finden wird Erfinden", sagt Hannelore Windhorst aus Vechta, die vor etwa 25 Jahren begann, mit dem Material Ton zu arbeiten. Zunächst sei es ein reines Hobby gewesen, das aus den Angeboten der Erwachsenenbildungswerke erwuchs. Doch dann folgte eine Phase, in der sie die vorhandenen Grundkenntnisse durch Studien vertiefte.
Parallel dazu besuchte die gebürtige Diepholzerin Kurse, um die Rakutechnik zu erlernen. Das Wort "Raku" bedeutet Gelassenheit, Zufriedenheit, Wohlgefühl, Freude und Glück. Als Brenntechnik wurde es im 16. Jahrhundert bekannt. Die Kunst des Raku hat sich seitdem in Japan beständig erhalten. Erst mehr als 350 Jahre später fasziniert auch europäische Keramiker die natürliche Einfachheit und der Reiz, dem Zufall eine Chance zu lassen, zu der diese Brennart zwingt. In der Ausstellung finden die Besucher von Hannelore Windhorst Stelen, Torsos (männliche und weibliche) und Figuren. Keramik, Fundstücke wie Treibholz, Fragmente von Bäumen und Steine sowie Stahl verbindet sie zu einer kunstvollen, ausdrucksstarken Symbiose.
Die farbenfrohen Kelims der Ausstellung entstanden im Rahmen des Kelim-Projektes "Rûnas" in der Stadt Hakkari in der Türkei. Seit September 2001 existiert dieses Projekt. Es soll den Frauen helfen, das Überleben der meist kinderreichen Familien zu sichern. Seither weben kurdische Frauen im geschützten Rahmen eines Ateliers traditionelle Webteppiche. Die Hakkari-Kelims (Teppiche) sind berühmt wegen ihrer reichen mythologischen und farbenfrohen Muster. Unterstützt wird das Projekt durch den "freundschaftskreis schweiz kurdistan" (fsk) in Zusammenarbeit mit Vertretern der Gemeinde Hakkari und des Vereins Göc-Der (Zusammenschluss der Vertriebenen der Dorfzerstörungen).
Arbeitsmaterialien von Anette Künsting sind Süßwasserperlen, Turmalin, Granat, Onyx, Feueropal, Aquamarin oder Korallen. Sie ist ihrem Berufswunsch - Goldschmied - seit 28 Jahren treu geblieben. Vor sieben Jahren machte sie sich mit ihrem Schmuckatelier "Spiegelstein" selbstständig. Ein besonderes Hobby von ihr ist "aus Alt mach Neu". Spezialisiert hat sie sich auf den magischen, farbenfrohen Opal. In diesem Jahr setzte sie sich besonders mit dem in ihrer Nachbarschaft entstandenen Museumsbau "MARTa" in Herford auseinander. "Daraus entwickelte ich eine limitiere Schmuckserie aus dem original Edelstahl des Daches des MARTa-Gebäudes, erklärt die Schmuckdesignerin. Durch Weiterentwicklung erarbeitete sie eine Goldkollektion mit Brillanten und Edelsteinen. "So möchte ich stets im Dialog stehen mit dem Geschehen um mich herum und meine Gedanken und Emotionen im kreativen Prozess der Schmuckherstellung einfließen lassen", so Anette Künsting.

 

Wittlager Kreisblatt, 07.09.2005

Spannungsreiche Formen

Bad Essen (cb)
"Ich habe immer geometrisch konstruktiv gemalt, denn die Geometrie ist für mich das Sauberste, die Wahrheit. Da kann man nicht 'matschen', jeder Punkt ist kontrollierbar", betont Karl August Wilhelm Wierspecker, der etwa 50 seiner Werke und einige Skizzen bis einschließlich 6. November im Schafstall in Bad Essen an der Bergstraße ausstellt. Die Ausstellung kann täglich - außer montags - von 15 bis 18 Uhr besucht werden.
"Ich bin sehr froh, dass wir mit Dr. Gerhard vom Hofe, Literaturwissenschaftler an der Universität Heidelberg, einen Fachmann haben, der zugleich in enger Verbundenheit zum Werk von Karl Wierspecker eine Einführung zu den hier ausgestellten Kunstwerken geben wird", freute sich Caspar Sieveking, Vorsitzender des Kunst- und Museumskreises Bad Essen, bei seiner Begrüßung.
Für ihn stelle die Ausstellung ein besonderes Erlebnis dar, ein Erlebnis, das er unter das Motto "paradox" stellen würde, so Sieveking, der weiter unterstrich: "Für mich sind Paradoxien so etwas wie ein Lebenselixier: Man trinkt es und bleibt trotzdem gesund." So habe er bisher die Auffassung gehabt, dass ihm abstrakte Kunst nichts sage. Sieveking: "Aber das hat sich im Laufe der Beschäftigung mit dieser Ausstellung schrittweise verändert."
"Karl Wierspecker in Bad Essen vorzustellen ist ein beinahe paradoxes Unterfangen. Bedeutet ihm, der seit langem in Düsseldorf residiert, Bad Essen doch fast ein Stück früherer Heimat", stellte Dr. Gerhard vom Hofe zu Beginn seiner Einführung fest. Nachfolgend ging er auf die verschiedenen beruflichen Stationen des Künstlers, der eine innovative Fantasie und vielseitige Kreativität habe, ein.
Bis 1994 habe Wierspecker große Erfolge als mustergültiger Unternehmer mit eigener Werbeagentur gefeiert. Vom Hofe: "Dann aber schien ihn die Kunst doch leise zu mahnen und als vernachlässigte Disziplin ihre Ansprüche erneut anzumelden." In der Ausstellung sehe man nun die Früchte dieser reumütigen Rückkehr zur Kunst. Karl Wierspeckers Bilder zeigen ein konsequentes Arbeiten mit einfachen Formen, mal mit geometrischen, quadratischen oder dreieckigen und rechteckigen Figuren. Sie sind auf der Fläche mit bewusst geplanter Raumwirkung geordnet und operieren mit wenigen Farben. Die Dominanz hat oftmals ein dunkles/helles Blau. "Blau ist die Farbe, die zurücktritt, die den Betrachter nicht erreicht, sich ihm nicht aufdrängt", erklärt der 1933 in Melle geborene und in Bad Essen aufgewachsene Künstler, der sich auf immer neue Versuche, mit den konstruktiven Prinzipien von Fläche und Raum zu experimentieren und in abstrakten Konfigurationen spannungsreiche Harmonie- und Ordnungsverhältnisse zu schaffen, konzentriert.
Durchaus ist eine Tendenz zur Serie, wenn nicht sogar zum Zyklischen in seinen Arbeiten zu beobachten.
Seine Werke gehen auf Bleistiftskizzen zurück, deren Entwürfe er in Öl auf Leinwand überträgt. "Die Bilder sind abhängig von der Fantasie des Betrachters", lädt Karl Wierspecker die Besucher der Ausstellung ein, seine gewollte Reduktion der Ausdrucksmittel für sich zu einem Ganzen zusammenzufügen.

 

Wittlager Kreisblatt, 14.11.2005

Aus Zufälligkeiten wird Kunst, aus Finden Erfinden

Christa Bechtel
Bad Essen
Wer noch Geschenke für Weihnachten sucht, ist im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße zurzeit genau richtig: Am Freitagabend hatte dorthin der Kunst- und Museumskreis Bad Essen zu einer Vernissage eingeladen.

 
Bis zum 8. Januar stellen Hannelore Windhorst (Skulpturen), Brigitte Gerlach stellvertretend für 25 junge kurdische Frauen (Kelims) und Anette Künsting (Schmuckdesign) aus. Die Ausstellung ist täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
Zur Vernissage konnte Martina Sieveking nicht nur die Künstlerinnen und die aus Rotenburg/Wümme kommende Ärztin Brigitte Gerlach im Schafstall begrüßen, sondern auch etliche Kunstinteressierte. "Aus Zufälligkeiten wird Kunst, aus Finden wird Erfinden", sagt Hannelore Windhorst aus Vechta, die vor etwa 25 Jahren begann, mit dem Material Ton zu arbeiten. Zunächst sei es ein reines Hobby gewesen, das aus den Angeboten der Erwachsenenbildungswerke erwuchs. Doch dann folgte eine Phase, in der sie die vorhandenen Grundkenntnisse durch Studien vertiefte.
Parallel dazu besuchte die gebürtige Diepholzerin Kurse, um die Rakutechnik zu erlernen. Das Wort "Raku" bedeutet Gelassenheit, Zufriedenheit, Wohlgefühl, Freude und Glück. Als Brenntechnik wurde es im 16. Jahrhundert bekannt. Die Kunst des Raku hat sich seitdem in Japan beständig erhalten. Erst mehr als 350 Jahre später fasziniert auch europäische Keramiker die natürliche Einfachheit und der Reiz, dem Zufall eine Chance zu lassen, zu der diese Brennart zwingt. In der Ausstellung finden die Besucher von Hannelore Windhorst Stelen, Torsos (männliche und weibliche) und Figuren. Keramik, Fundstücke wie Treibholz, Fragmente von Bäumen und Steine sowie Stahl verbindet sie zu einer kunstvollen, ausdrucksstarken Symbiose.
Die farbenfrohen Kelims der Ausstellung entstanden im Rahmen des Kelim-Projektes "Rûnas" in der Stadt Hakkari in der Türkei. Seit September 2001 existiert dieses Projekt. Es soll den Frauen helfen, das Überleben der meist kinderreichen Familien zu sichern. Seither weben kurdische Frauen im geschützten Rahmen eines Ateliers traditionelle Webteppiche. Die Hakkari-Kelims (Teppiche) sind berühmt wegen ihrer reichen mythologischen und farbenfrohen Muster. Unterstützt wird das Projekt durch den "freundschaftskreis schweiz kurdistan" (fsk) in Zusammenarbeit mit Vertretern der Gemeinde Hakkari und des Vereins Göc-Der (Zusammenschluss der Vertriebenen der Dorfzerstörungen).
Arbeitsmaterialien von Anette Künsting sind Süßwasserperlen, Turmalin, Granat, Onyx, Feueropal, Aquamarin oder Korallen. Sie ist ihrem Berufswunsch - Goldschmied - seit 28 Jahren treu geblieben. Vor sieben Jahren machte sie sich mit ihrem Schmuckatelier "Spiegelstein" selbstständig. Ein besonderes Hobby von ihr ist "aus Alt mach Neu". Spezialisiert hat sie sich auf den magischen, farbenfrohen Opal. In diesem Jahr setzte sie sich besonders mit dem in ihrer Nachbarschaft entstandenen Museumsbau "MARTa" in Herford auseinander. "Daraus entwickelte ich eine limitiere Schmuckserie aus dem original Edelstahl des Daches des MARTa-Gebäudes, erklärt die Schmuckdesignerin. Durch Weiterentwicklung erarbeitete sie eine Goldkollektion mit Brillanten und Edelsteinen. "So möchte ich stets im Dialog stehen mit dem Geschehen um mich herum und meine Gedanken und Emotionen im kreativen Prozess der Schmuckherstellung einfließen lassen", so Anette Künsting.

 

Wittlager Kreisblatt, 07.09.2005

Spannungsreiche Formen

Bad Essen (cb)
"Ich habe immer geometrisch konstruktiv gemalt, denn die Geometrie ist für mich das Sauberste, die Wahrheit. Da kann man nicht 'matschen', jeder Punkt ist kontrollierbar", betont Karl August Wilhelm Wierspecker, der etwa 50 seiner Werke und einige Skizzen bis einschließlich 6. November im Schafstall in Bad Essen an der Bergstraße ausstellt. Die Ausstellung kann täglich - außer montags - von 15 bis 18 Uhr besucht werden.

 
"Ich bin sehr froh, dass wir mit Dr. Gerhard vom Hofe, Literaturwissenschaftler an der Universität Heidelberg, einen Fachmann haben, der zugleich in enger Verbundenheit zum Werk von Karl Wierspecker eine Einführung zu den hier ausgestellten Kunstwerken geben wird", freute sich Caspar Sieveking, Vorsitzender des Kunst- und Museumskreises Bad Essen, bei seiner Begrüßung.
Für ihn stelle die Ausstellung ein besonderes Erlebnis dar, ein Erlebnis, das er unter das Motto "paradox" stellen würde, so Sieveking, der weiter unterstrich: "Für mich sind Paradoxien so etwas wie ein Lebenselixier: Man trinkt es und bleibt trotzdem gesund." So habe er bisher die Auffassung gehabt, dass ihm abstrakte Kunst nichts sage. Sieveking: "Aber das hat sich im Laufe der Beschäftigung mit dieser Ausstellung schrittweise verändert."
"Karl Wierspecker in Bad Essen vorzustellen ist ein beinahe paradoxes Unterfangen. Bedeutet ihm, der seit langem in Düsseldorf residiert, Bad Essen doch fast ein Stück früherer Heimat", stellte Dr. Gerhard vom Hofe zu Beginn seiner Einführung fest. Nachfolgend ging er auf die verschiedenen beruflichen Stationen des Künstlers, der eine innovative Fantasie und vielseitige Kreativität habe, ein.
Bis 1994 habe Wierspecker große Erfolge als mustergültiger Unternehmer mit eigener Werbeagentur gefeiert. Vom Hofe: "Dann aber schien ihn die Kunst doch leise zu mahnen und als vernachlässigte Disziplin ihre Ansprüche erneut anzumelden." In der Ausstellung sehe man nun die Früchte dieser reumütigen Rückkehr zur Kunst. Karl Wierspeckers Bilder zeigen ein konsequentes Arbeiten mit einfachen Formen, mal mit geometrischen, quadratischen oder dreieckigen und rechteckigen Figuren. Sie sind auf der Fläche mit bewusst geplanter Raumwirkung geordnet und operieren mit wenigen Farben. Die Dominanz hat oftmals ein dunkles/helles Blau. "Blau ist die Farbe, die zurücktritt, die den Betrachter nicht erreicht, sich ihm nicht aufdrängt", erklärt der 1933 in Melle geborene und in Bad Essen aufgewachsene Künstler, der sich auf immer neue Versuche, mit den konstruktiven Prinzipien von Fläche und Raum zu experimentieren und in abstrakten Konfigurationen spannungsreiche Harmonie- und Ordnungsverhältnisse zu schaffen, konzentriert.
Durchaus ist eine Tendenz zur Serie, wenn nicht sogar zum Zyklischen in seinen Arbeiten zu beobachten.
Seine Werke gehen auf Bleistiftskizzen zurück, deren Entwürfe er in Öl auf Leinwand überträgt. "Die Bilder sind abhängig von der Fantasie des Betrachters", lädt Karl Wierspecker die Besucher der Ausstellung ein, seine gewollte Reduktion der Ausdrucksmittel für sich zu einem Ganzen zusammenzufügen.

 

Wittlager Kreisblatt, 14.05.2005

Nicht nur die schönen Endprodukte sind wichtig
Bad Essen (cb)
Es ist wieder so weit. Zum sechsten Mal stellen die Schüler der Haupt- und Realschulen und der Sonderschule aus Bad Essen, Bohmte, Hunteburg und Ostercappeln ihre Arbeiten im Schafstall in Bad Essen unter Federführung des Kunst- und Museumskreises aus. Zur Eröffnung am nächsten Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, wird Landrat Manfred Hugo einführende Worte sprechen.
Was vor zehn Jahren mit einer einwöchigen Ausstellung begann und damals als ein gewagtes Experiment erschien, ist nun im Zwei-Jahres-Rhythmus zu einer festen Einrichtung im Schafstall geworden. Die Ausstellungen waren so erfolgreich, dass die diesjährige zwei Monate bestehen bleibt.
Was ist das Besondere an einer Schulausstellung im Kunst- und Museumskreis? Immer wieder stellen Lehrer, Schüler und Eltern fest, dass im Kunstunterricht, im Werken und Textilem Gestalten Erstaunliches geleistet wird, nur ist es sehr wenig der Öffentlichkeit zugänglich.
Hier bietet sich die Möglichkeit in einem Forum, der anderen Künstlern in gleichem Maße zur Verfügung steht, den Schülerarbeiten einen würdevollen Rahmen zu bieten.
Im Vorfeld treffen sich die Lehrer, um sich gemeinsam auf ein Thema zu einigen. Danach wird in den Schulen in unterschiedlichen Jahrgangsstufen zu diesem Motto gearbeitet. Regelmäßige Treffen der Lehrer ermöglichen den Erfahrungsaustausch. Diesmal wurde das schwierige und zugleich wunderbare Thema "Die Farbe Weiß" gewählt; wohl wissend, dass "Weiß" nicht als Farbe gilt.
Während des Arbeitsprozesses waren erfreuliche Phänomene zu beobachten: Schüler arbeiten engagiert, ehrgeizig, verlässlich, partnerschaftlich, verantwortungsbewusst, kommunikativ, eigenverantwortlich und kreativ - oft weit über das Maß ihrer unterrichtlichen Verpflichtung hinaus. Alles Eigenschaften, die sich jeder zukünftige Chef nur wünschen kann.
Das ist auch das wichtigste Anliegen der Schulen: Es geht nicht nur um "schöne Endprodukte", sondern Schüler sollen auf den Beruf vorbereitet werden. Es gibt keinen Beruf, der solche Eigenschaften nicht dringend benötigt.
Die Besucher der Ausstellung im Schafstall, die vom 21. Mai bis einschließlich Sonntag, 10. Juli, täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht werden kann, sollten sich selbst ein Urteil über die jungen Künstler aus ihrer nahen Umgebung bilden.

 

Wittlager Kreisblatt, 20.01.2005

Ein sensibles Empfinden für die Farben
Von Christa Bechtel
Bad Essen
"Ich kann mich nicht erinnern, dass wir zu einer Ausstellungseröffnung jemals einen derartigen Andrang hatten", freute sich Caspar Sieveking, Vorsitzender des Kunst- und Museumskreises Bad Essen im Schafstall. Bis zum 6. März werden dort ausgewählte Werke des 1989 verstorbenen Malers Rudolf Englert gezeigt.
Wir fühlen uns als Kunst- und Museumskreis sehr geehrt, diese Ausstellung durchzuführen, die uns Hildegard Englert zu ihrem 60. Geburtstag anbot", unterstrich Sieveking. Zumal auch, da Rudolf Englert einer der bedeutendsten Künstler der Region gewesen sei, so der Vorsitzende. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Percussion Group des Konservatoriums Osnabrück, die bereits an zahlreichen Wettbewerben wie "Jugend musiziert" teilnahm.
Professor Hartmut Gierke, der die offizielle Einführung in die Ausstellung übernahm, begann mit einem Gedicht des Lyrikers Paul Celan. "Rudolf Englerts Werke brauchen langsame und achtsame Augen. Das ist in der heutigen Zeit schwer", räumte Gierke ein, der zuvor bemerkt hatte, dass er sich auf eine Interpretation der Arbeiten des Künstlers nicht einlassen werde.
Jedes Werk sei aber ein Plädoyer für die Langsamkeit, so der Osnabrücker, der weiter seine Gefühle mit "still werden, da das Werk von sich aus auf mich zukommt", verdeutlichte.
Betrachte man die Bilder, so erschließe sich dem Sehenden, wie langsam die Farbe ist. "Das ist nicht einfach Grau, sondern ein sehr differenziertes Grau, das eine Akzentuierung hat, die offen bleibt", erklärte der Professor, der betonte: "Der Künstler träumt die Farbe." Natürlich sei jedes Werk immer eine Begegnung, vorausgesetzt, dass man noch innere Bilder, Schwingungsräume habe, hob Hartmut Gierke hervor.
"Im Grau, im Rot, im Blau. In jeder Farbe ist Gespräch." Die Farbe habe dieses Dynamische. "Der Künstler darf sich in das Gespräch der Farbe nicht einmischen", habe schon Cezanne gesagt. Aber der Künstler wisse, woraufhin er arbeitet. Er habe nicht sein Maß in der Hand, wie ein Techniker. "Aber er ahnt... und das braucht seine Zeit", offenbarte Hartmut Gierke abschließend.
"Ein Bild muss ganz selbstverständlich sein wie etwas Gewachsenes, voller Ruhe und Unruhe", sagte schon der Maler und Kunsterzieher Rudolf Englert, der zu den bedeutendsten Vertretern der informellen Kunst des 20. Jahrhunderts gehört. Die 49 Werke im Bad Essener Schafstall zeigen einen gelungenen Querschnitt seiner verschiedenen Schaffensperioden, in denen sich der gebürtige Duisburger der seriellen und der geschriebenen Malerei widmete.
Malte Rudolf Englert anfangs noch Porträts - ein Selbstbildnis befindet sich in der Ausstellung -, Landschaften und Stillleben, so galt sein Interesse nach einer zweifachen akademischen Ausbildung besonders der abstrakten Schriftform, dann der seriellen und schließlich der geschriebenen Malerei.
Konsequent verfolgte er während seines 67-jährigen Lebens, in dem er rund 6000 Werke schuf, immer seine eigene Stilentwicklung. In all seinen Arbeiten spiegelt sich auch sein sensibles Farbempfinden wider. Ab 1982 fokussierte sich sein Schaffen auf das Zeichenelement "Schlaufe". Zwei "Schlaufenbilder", die zu den letzten Arbeiten Rudolf Englerts zählen, befinden sich im Eingangsbereich des Schafstalls an der Bad Essener Bergstraße.

2004

Wittlager Kreisblatt, 26.10.2004

Eine große Fülle künstlerischer Ausdrucksformen
Von Christa Bechtel
Bad Essen
Wie kam der Bildhauer Lutz Hellmuth aus Erfurt auf Säulen? Ganz einfach: "Ich bin die Säule meines eigenen Lebens, denn wenn ich mein Leben nicht mehr stützen kann, dann bricht es zusammen", sagt der Künstler, der bis zum 9. Januar 2005 im Schafstall in Bad Essen einige seiner Skulpturen als "Figur Stele Säule" präsentiert. Zur Vernissage führte Jutta Kröning vom Vorstand des Kunst- und Museumskreises in die Ausstellung ein.
Es ist die Gegenständlichkeit und die Methodik des künstlerischen Arbeitens, auf die sich mit dem Begriff "Figuren" das Begreifen der Werkgruppen und Einzelstücke des zeichnenden Bildhauers und Plastikers Lutz Hellmuth am ehesten fassen lässt.
Zeichnerisch setzte sich Lutz Hellmuth schon früh mit der menschlichen Figur, die er anfangs in Kleinplastiken umsetzte, auseinander. Seine Werke aus Stein, Gips, Terrakotta und Bronze erfüllen immer wieder Orte und Räume auf Zeit mit neuer Alltäglichkeit.
Die ersten Symposien in Oberdorla, einem Steinbruch in der Nähe Mühlhausens in Thüringen, initiierte er maßgeblich mit. "Es war der Reiz am Material, am Lernen technischer Möglichkeiten, verschiedenster Steinqualitäten und die Erfahrung notwendiger Teamarbeit", begründet Lutz Hellmuth seine damalige Teilnahme außerhalb seines Ateliers, mit der er zur Großfigurigkeit und Formentdeckung kam. Zwischen Angst und Unruhe ist das Suchen und Finden der Figur im Stein nach eigenem Bekunden des Künstlers angesiedelt.
Aufenthalte wie 1983 in Bulgarien, 1987 in Montenegro und ein Studienaufenthalt 1987 in Vietnam, der für das kleinplastische, mehr tektonische Herangehen ganz unter dem Kulturerlebnis der Pagoden stehend, neue Spuren hinterließ, folgen bis heute. Sein Weg entwickelte sich zu einer konzentrierten Vielgestaltigkeit von Einzelfiguren, Figurengruppen, und in zeichnerischer Auseinandersetzung gefundener Verengung auf Wesentliches.
Öffentliche Räume, sowohl im Stadt- als auch im Landschaftsbereich, in ihrer Alltagsfunktion zu erschließen ist Lutz Hellmuth immer eine Herausforderung besonderer Art gewesen. Mit Plastiken und Skulpturen hat er - gerade in seiner Heimatstadt Erfurt, zum Beispiel die räumlich-bildnerische Fassung zum Thema "Befreiung" im Jahr 1989 - Stationen geschaffen, die bis heute ihre künstlerische Kraft behaupten. Des Weiteren inspiriert durch die Antike entstanden unsichtbare Formstrukturen, komponiert in eine schlangenförmig aufwärts gewundene Gestalt.
Lutz Hellmuth beherrscht eine erstaunliche Fülle künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten, eine ausgeprägte Formensprache und -vielfalt, lässt in seine Werke aber auch persönliche Empfindungs- und Erfahrungswelten wie Verletzlichkeit, Kraft, Stille oder Auflehnung einfließen. "In der Kunst geht es mir um die geglückte Umsetzung von praller Sinnlichkeit in eine klare, fast minimalistisch anmutende Formensprache, wie sie unvergleichlich meisterhaft in der "Venus von Willendorf" bereits vor Jahrtausenden gelungen ist", sagt Lutz Hellmuth.
Die Ausstellung, die in den nächsten Tagen noch durch weitere Zeichnungen des Künstlers vervollständigt wird, kann täglich (außer montags) von 15 bis 18 Uhr besucht werden.

 

Wittlager Kreisblatt, 25.08.2004

Bis zum 17. Oktober sind die Karikaturen von Fritz Wolf im Schafstall zu sehen. Die Vorsitzende des Kunst- und Museumskreises, Hiltrud von der Heyde, begrüßte die Gäste der Vernissage

Führte in die neue Ausstellung ein:
Dr. Wieland Sack aus Bissendorf

Mit spitzer Feder auf der Punkt gebracht

Kunst- und Museumskreis Bad Essen präsentiert in seiner Ausstellung Karikaturen von Fritz Wolf

Von Christa Bechtel (Text und Fotos)
Bad Essen
„Rettet das Parlament". „Es geht um Sein oder Nichtsein". „Der ideale FDP-Kandidat sollte gut duften,... nicht großer als seine Frau sein, ...er sollte auf Adenauer pfeifen, ...und Strauß verachten: Fritz Wolfs (1918-2001) Karikaturen bleiben unvergessen. Der Kunst- und Museumskreis Bad Essen präsentiert bis Sonntag, 17. Oktober, täglich (außer montags) von 15 bis .16 Uhr einige der Wolfschen Werke aus den Bereichen „Politik, Alltagssituationen und Gaumenfreuden" im Schafstall an der Bergstraße.
Zur Ausstellungseröffnung hieß die Vorsitzende Hiltrud von der Heyde nach einem stimmungsvollen „Brahmswalzer" von Stefanie Hülsmeier am Flügel die zahlreichen Gäste willkommen. Unter ihnen Fritz Wolfs Witwe Edith, seinen Bruder Bruno und den Vorsitzenden der Fritz-Wolf-Gesellschaft, Neffe Marcus Wolf, „dem wir diese Ausstellung zu verdanken haben". „Vor 22 Jahren wurde der Schafstall gebaut. Die erste Ausstellung war mit .Fritz Wolf", freute sich Hiltrud von der Heyde über die Parallele.
Einführende Worte sprach Dr. Wieland Sack aus Bissendorf. „Fritz Wolf der. Mensch, der Künstler, der Beobachter, der Analytiker, der Freund - wo soll, kann und darf ich da ansetzen?", fragte sich Wieland Sack, der vier Varianten aufwarf. Wolfs Karikaturen seien minimalistisch sparsam im Strich und auch bei der Verwendung von Farbe.
Er sei bis auf wenige Ausnahmen mit „einer" Farbe ausgekommen, nämlich Schwarz", fuhr der Redner fort und setzte hinzu: „Seine Karikaturen waren auch nicht eitel im Sinne von vergänglich. Viele von ihnen sind heutzutage noch so aktuell wie früher."
Im weiteren Verlauf blickte Wieland Sack zurück auf Fritz Wolfs erste Lebensjahre und die Entwicklung seiner künstlerischen Begabung. Fritz Wolf sammelte Lebenserfahrung und Menschenkenntnisse und skizzierte alles. Mit Glück überlebte er den Krieg. Dr. Sack: „Mir scheint, er hat zeit seines Lebens einen tüchtigen Schutzengel gehabt.
Vielleicht hat er sogar das Kunststück vollbracht, die irdische Personifizierung seines Schutzengels zu heiraten: Ohne seine geliebte Edith wäre sein Leben bestimmt anders verlaufen. Auf jeden Fall nicht so fröhlich, nicht so harmonisch und letztlich nicht so komfortabel für ihn. Ob er ohne sie- sozusagen als Bodenpersonal - in 20 Jahren Arbeit für den Stern 6000 Zeichnungen fertig bekommen hätte?"
Vielleicht nur 2000, denn ohne seine Edith wären die Zeichenfedern verkrustet, die Pinsel verklebt, die geliebten Pfeifen hätten gestunken und die Tusche wäre eingetrocknet, wandte sich Wieland Sack an Edith Wolf. Ohne den Freiraum, den seine Frau ihm schuf, hätte Wolf sicherlich nicht so viel Muße gehabt, die weltpolitischen und gesellschaftlichen Probleme zu verfolgen und in seinen Karikaturen auf den Punkt zu bringen...
Fritz Wolf, 1918 in Mülheim/Ruhr geboren, war ab 1954 für die „Neue Osnabrücker Zeitung" tätig. Von 1958 bis 1992 zeichnete er auch für den „Stern", von 1978 bis 1980 für „Brigitte" und von 1957 bis 1958 für „Die Welt". Mit seinen Werken traf er immer - ohne zu verletzen.
Von Fritz Wolf hieß es: „Er sticht mit der Feder, aber es fließt kein Blut." Die Exponate des Karikaturisten im Schafstall an der Bad Essener Bergstraße sollen nicht nur erfreuen und zum Schmunzeln ermuntern, sondern auch zum kritischen Nachdenken anregen.

 

Wittlager Kreisblatt,  03.07.2004

Museumskreis: Der Vorstand wechselt

Caspar Sievekinq löst Hiltrud von der Heyde ab - Hohe Kosten für den Schafstall

Bad Essen (wms)
Wechsel an der Spitze des Kunst- und Museumskreises Bad Essen: Hiltrud von der Heyde rückt ins zweite Glied zurück und agiert; nun als Stellvertreterin des neuen Vorsitzenden Dr. Caspar Sieveking.
Zuvor hatte die scheidende Vorsitzende die zurückliegenden Aktivitäten nochmals verbal Revue passieren lassen. Von der ersten Ausstellung 2003 mit Radierungen von Andreas Noßmann über die Afrika-Schau der Altkreis-Schulen, die Keramiken und Skulpturen von Margret Bergmann und Wolf Ewert, die Grafiken und Farbradierungen von Katrien Caimax bis zu den Farbradierungen von Hans-Ruprecht Leiß. Ansprechende Unterhaltung bei gutem Besuch konnte die Vorsitzende auch den Veranstaltungen mit Gerd Spiekermann, den plattdeutschen Erzählungen und den „Shneedles" mit ihrem Variete „Luggage - The Concert Show" attestieren. Auch die beiden Lichtbildervorträge von Dr. Liesel Meyfarth über Picasso und Matisse fanden reges Interesse. Außerdem war wieder die Osnabrücker Probebühne mit ihrem Programm „Nach(t)klang" zu Gast, und zum Jahresabschluss fand das traditionelle Weihnachtskonzert mit „Consort for the Nonce" statt.
Für die zweite Jahreshälfte 2004 sind Ausstellungen von Fritz Wolf (Karikaturen) und Lutz Hellmuth (Figur Stele Säule) geplant. Des Weiteren eine Exkursion zum Weltkulturerbe „Zeche Zollverein in Essen Kunst und Architektur", die „10. LiteraKur" sowie ein Diavortrag über „Australien, Land der Farben".
Schatzmeister Andreas Hoffmeier ging in seinem Kassenbericht insbesondere auf die hohen Unterhaltungskosten des Schafstallgebäudes ein. Die Kosten der Ausstellungen werden ungefähr durch die Einnahmen der Verkäufe gedeckt. Besondere Erwähnung fand die finanzielle Unterstützung durch die Deutsch Kroner für die Heizungserneuerung. Dies vor allem angesichts der prekären Situation, dass in der Regel nur geringe Rücklagen im Etat für Reparaturen vorhanden sind. Der Kunst- und Museumskreis verzeichnet derzeit 124 Mitglieder, wobei Familien als „eins" gezählt werden. So weit der letzte Jahresrückblick von Hiltrud von der Heyde in ihrer Funktion als Vorsitzende. Im Anschluss an die später durchgerührten Wahlen bedankte sich Martina Sieveking im Namen des gesamten Vorstandes mit einem Blumenstrauß bei der scheidenden Vorsitzenden für deren großes Engagement und die gute Zusammenarbeit. Dank und Anerkennung des Vorstandes hatten zuvor zudem Fritz Honermeyer gegolten, der seine langjährige Tätigkeit als Kassenprüfer aufgab. Zu den Wahlen, die alle einstimmige Entscheide brachten: Als Ergebnis einer Rochade übernimmt Dr. Caspar Sieveking das Amt des Vorsitzenden, Hiltrud von der Heyde agiert künftig als seine Stellvertreterin. Statt Rainer Kroll füllt Jutta Kröning wieder die Rolle der Schriftführerin aus, Andreas Hoffmeier wurde als Kassenwart wieder gewählt. Die erweiterte Vorstandsrunde: Martina Sieveking kümmert sich um Post und Versand, Marlis Wöhler um das Archiv. Die Verantwortung für Druck und Plakate trägt Helmut von der Heyde, Dr. Reinhard Wilms jene für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Rainer Kroll darf sich Webmaster nennen. Als Rechnungsprüfer wurde Ulla Mohr-Loos bestätigt, neu zur Seite steht ihr Heiko Hiese.

 

Wittlager Kreisblatt, 02.06.2004

Leichtigkeit und Zartheit heben das Fachwerk auf

Bad Essen (kem)

"Tina Stolt hat im Schafstall einen völlig neuen Raum geschaffen. Die Leichtigkeit und Zartheit der Exponate vermag es, das strenge Fachwerk aufzuheben." Hiltrud von der Heyde, Vorsitzende des Kunst- und Museumskreises, formulierte bei der Vernissage zur Eröffnung der Ausstellung "Textil- und Druckgrafik" das, was viele der Besucher fühlten.

Allerdings hatten sich die Gegebenheiten des Schafstalls für die Künstlerin, die aus Gummersbach stammt, als nicht leicht zu meisternde Herausforderung erwiesen. Ein Ortstermin gehörte ebenso dazu wie die Notwendigkeit, verschiedene Objekte speziell für die bis zum 4. Juli laufende Bad Essener Ausstellung zu fertigen.

Eine ganz wichtige Rolle im Schaffen der Künstlerin Tina Stolt spielt heute das Material Gaze. So brauchen die Arbeiten (Motiv sind vielfach harmonische Körper ohne Kopf und Extremitäten) keinen zusätzlichen Hintergrund. Die Objekte werfen Schatten, werden beeinflusst durch die Bewegung des Betrachters, es entsteht Kommunikation.

Im Schafstall finden sind gleichermaßen große Installationen und normalformatige Arbeiten. Gemeinsam haben sie eine verblüffende Tiefenwirkung. Ausgangspunkt für die Gazearbeiten war die Frage, wie es gelingen könnte, mit Bildern in den Raum zu gehen. Nebeneffekt dabei, dass niemand den Objekten einfach den Rücken zudrehen kann, wie das bei Bildern, die an der Wand hängen, der Fall ist.

Neben den säulenartigen deckenhohen Hängeobjekten gibt es einzelne Figuren auf Gazebahnen sowie kleinere Arbeiten auf Gaze zwischen Glasscheiben sowie mit Gaze bespannte Stahlgerüste. Die Anziehungskraft ist groß, wenngleich es dem Betrachter schwer fällt, die Faszination in Worte zu fassen.

Tina Stolt lebt und arbeit heute in Karlsruhe, wo sie einen Lehrauftrag für Drucken und Zeichnen an der Pädagogischen Hochschule hat. Ihre Werke waren in der Vergangenheit unter anderem in der Gedenkstätte Buchenwald, im Landgrafenschloss Marburg und in der Orgelfabrik Karlsruhe zu sehen.

Dass sie jetzt in Bad Essen ausstellt, ist ihrem Werkkatalog zu verdanken. Den hatte Hiltrud von der Heyde gesehen. Ihr spontanes Urteil: "Das ist etwas!" Dass das stimmt, davon können sich Betrachter in den kommenden Wochen täglich außer montags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr überzeugen. Die Schafstall-Ausstellung läuft bis zum Sonntag, 4. Juli.

2003

Wittlager Kreisblatt, 30.12.2003

Mit Weihnachtslied und Liebesleid im Schafstall
Bad Essen (dab)
Ay Amor! O Liebe!“ Mit solch sehnsuchtsvollem Singen haben die Besucher im voll besetzten Schafstall das Weihnachtsfest wohl zum ersten Mal ausklingen lassen. Urheber der leidenschaftlichen Empfindungen waren am zweiten Feiertag die Musikerinnen von „Consort for the Nonce“. Auf Einladung des Kunst- und Museumskreises Bad Essen brachten sie Lieder des spanischen Barock zu Gehör.
Mit dem Trio betrat eine ebenso junges, wie internationales Ensemble die Bühne des Schafstalls: Die der Alten Musik verschriebene „Gemeinschaft für eine besondere Gelegenheit“ hat sich erst in diesem Jahr zusammengefunden. Dem Spanien des 16. bis 18. Jahrhunderts nähert sich die Gruppe gleich von drei Ländern aus: Constance Allanic (Barockharfe, Viola da Gamba) stammt aus Utrecht, Imma Einsingbach (Gesang, Barockgitarre) ist Bremerin und Lynda Sayce (Theorbe, Barockgitarre) wurde in Birmingham geboren.
Rund zwanzig Kompositionen (Vokalstücke wie Instrumentalpartien) von Künstlern wie Pedro Rabassa oder Diego Ortiz standen auf dem Programm - meist so genannte „Villancicos“, Lieder aus Refrain und Strophe, die zuallererst weltliche, in ihrer späteren Entwicklung auch moralisch-religiöse Themen behandeln.
Die Stimmung im Schafstall wechselte mit dem Charakter der besungenen Stoffe: Juan HidalgosAy Amor, ay ausencia“, das dem Abend den Titel lieh, beschwört in zehrender Klage den Liebesverlust. Heiter, ja närrisch steht dagegen die Spottlust, mit der derselbe Komponist eine Dienerin scharfzüngig ihre Herrinnen durchleuchten lässt.
Von dunkler Poesie wiederum war die musikalische Warnung eines José Gaz an die „Avecilla“, jene kleine Biene, die im Morgengrauen „die Lippen der schlafenden Sonne sticht“. Nicht minder düster die mahnenden Strophen eines anonymen Komponisten, die die tragische Havarie eines überheblichen Schiffes prophezeien.
Aber auch der festliche Anlass des Konzerts geriet nicht in Vergessenheit. Denn nicht nur Liebesschmerz, auch Christi Geburt war Thema der barocken Lieddichter, so dass das „Consort for the Nonce“ auch hier aus einem reichen Fundus schöpfen konnte.
Ein besonderes Verdienst des Abends: Neben dem Vortrag wurden dem Publikum zugleich Verständnishilfen für die manchem gewiss unvertraute Musik geboten: Welchen Platz etwa die Theorbe - eine rundbauchige Verwandte der Gitarre - in der Orchestergeschichte hat und wie die Barockharfe sich von ihren heutigen Nachkommen unterscheidet, erklärten die Musikerinnen in prägnanten Einschüben. Dass zudem Blätter mit den deutschen Übersetzungen der Originaltexte bereitlagen, vertiefte das Konzert um ein Weiteres. Kurzum: Der Hörgenuss wurde zum Bildungserlebnis.
Zum kommenden Jahr will sich das Trio übrigens umbenennen: Ab dann treten die Künstlerinnen unter dem Namen „Stella Vagans“ (Wandernder Stern) auf. Vielleicht führt sie ihre Wanderschaft ja noch einmal in den Altkreis. Zu einem Weihnachtskonzert würde jedenfalls auch der neue Name gut passen.

 

Wittlager Kreisblatt, 24.09.2003
 

Künstlerisches Oeuvre mit persönlichem Stil

Katrien Caymax-Ausstellung im Schafstall noch bis zum 26. Oktober
Bad Essen (wms)

Umrahmt von klassischen Klängen und Tangomelodien des Gitarristen Klaus Hunfeld, konnte die Vorsitzende des Kunst-und Museumskreises Bad Essen, Hiltrud von der Heyde, ein erwartungsfrohes Publikum zur aktuellen Ausstellung „Unikate-Grafik, Original Farbradierungen und Original Farblithografien“ begrüßen.

In ihrer kurzen Einführung zum Werdegang und Schaffen der bei der Vernissage anwesenden Künstlerin erwähnte sie auch deren Beteiligung an der hiesigen Doppelausstellung im Jahre 1996 und in diesem Zusammenhang den durchaus bemerkenswerten Vorgang, dass eine Besucherin damals offenbar spontan beschlossen hatte, ihrer inzwischen siebenjährigen Tochter den Vornamen Eva-Katrien zu geben.

Die 1951 in der belgischen Provinz Limburg geborene Künstlerin absolvierte nach einem zweisemestrigen Umweg über die Germanistik ein Grafikstudium, nachdem ihr erhebliche Zweifel über die Vereinbarkeit ihres „widerspenstig“-kreativen Charakters mit einer akademischen Laufbahn bzw. dem Beruf als Lehrerin gekommen waren. Nach längeren Auslandsaufenthalten (u.a. von 1974 an zwei Jahre in Marokko) hatte sie bereits mit 24 Jahren ihre ersten eigenen Ausstellungen in Belgien und Spanien. Zu diesem südeuropäischen Land, seiner Kultur und Literatur (z.B. F. Garcia Lorca) unterhält sie im übrigen eine andauernde enge Beziehung, was sich auch darin zeigt, dass sie seit 1979 als regelmäßiges künstlerisches Refugium ein unwirtliches und abgelegenes asturisches Bergdorf bevorzugt. Die an der Universität Belgrad erlernte Technik der Farben-Aquatinta führte von 1979 an zum Herstellen eigener Farbradierungen und gab darüber hinaus einen wichtigen Impuls, dass sie 1984 zusätzlich mit der Malerei begann, verbunden mit der Intention, Spontaneität und unbegrenzten Farbenreichtum auch auf ihre grafische Arbeit zu übertragen. Die ersten Gemälde auf Papier dokumentierten noch deutlich die kräftigen Linien ihres persönlichen Zeichenstils, betont durch ausdrucksvolle Farbflächengestaltung. Dies änderte sich jedoch relativ rasch, als sie mit Pastell, Ölfarbe auf Leinwand, Gouache, Acryl und Farbstift zu experimentieren anfing. Auch ihre Radierungen bekamen nun einen explizit malerischen Ausdruck: der Gebrauch von Farbflächen verdrängte die allmählich an Bedeutung verlierende Linearzeichnung. Dieser stilistische und technische Reifeprozess war insgesamt gekennzeichnet durch einen großen Farbenreichtum in Verbindung mit einer starken Komposition und verschaffte der rührigen Künstlerin mit ihrem ganz individuellen Stil auf zahlreichen Messen und Ausstellungen breite internationale Anerkennung.

In einem Grenzbereich zwischen Realismus und Abstraktion treten in ihren Werken meist weibliche Figuren als verletzliche Symbole der existentiellen Problematik von Weiblichkeit hervor, die oft von Dreiecken, magischen Spiralen, Fischen, Herzen, weisen Eulen etc. behütet werden und etwas zu beobachten scheinen, was uns gerade entgeht. Die thematische Expressivität ihrer Arbeiten wird durch dieses Stilmittel und die Titelgebung (Mimosa, Help, Dreaming etc.) bisweilen mit spielerischer Ironie und humorvollen oder poetischen Anspielungen gedämpft. Das umfangreiche Oeuvre von Katrien Caymax versteht es auf besondere Weise, den aufmerksamen Betrachter immer wieder zu locken, zu provozieren, zu überraschen und seine Phantasie zu beflügeln.

In gewisser Hinsicht kann ihr Schaffen als klassisch bezeichnet werden, da sie große Sorgfalt hinsichtlich der Komposition walten lässt, aber auf der anderen Seite zeigt die Figuration auch markante zeitgenössische Züge und ist erkennbar durch die Bildsprache der modernen Medien beeinflusst.

Die wirklich sehenswerte Ausstellung ist noch bis zum 26. Oktober geöffnet- täglich von 15 bis 18 Uhr außer Montags

2002

Wittlager Kreisblatt, 06.11.2002

„Phänomen Grass“ sorgte in Bad Essen für einen Rekord

Bad Essen (ms) 
Der Nobelpreis machte Günter Grass zum Medienstar: Quasi über Nacht entdeckte die Nation in dem einstmals gefürchteten, kompromisslosen Streiter den sinnenfrohen Künstler und Genussmenschen. Auch im Schafstall sorgte das „Phänomen Grass“ für einen Rekord. Zur Eröffnung der Ausstellung mit seinen neueren Skulpturen und Graphiken drängelten sich so viele Besucher wie noch nie durch die Räume, um eine weitere Facette einer vielseitigen Persönlichkeit zu entdecken.

Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens ist es dem Kunst- und Museumsverein in Zusammenarbeit mit der Galerie Beckmann aus Rheine gelungen, diese hochkarätige Ausstellung in den Kurort zu holen. Zu sehen sind Bronzeskulpturen, Litographien und Algrafien (Aludrucke) des gelernten Bildhauers, der sich selbst als „schriftstellerischer Autodidakt“ bezeichnet. Dr. Elisabeth Mardorf führte die Besucher mit einem spannenden Vortrag durch die verschiedenen Themenbereiche der Schau. Immer wieder zog sie Parallelen zwischen dem Schriftsteller und dem bildenden Künstler Grass. Das Thema „Tanz“, das im Mittelpunkt der Ausstellung steht, sah sie als subversives Element schon in der Blechtrommel angelegt. Und auch in „Mein Jahrhundert“ versuche die Verkäuferin Ilse Lepinski niemanden geringeren als Kurt Tucholsky von den Vorzügen der rhythmischen Bewegungen zur Musik zu überzeugen.

Die dazu passenden Skulpturen und Lithographien leben von einer greifbaren Körperlichkeit und Sinnlichkeit gepaart mit einer großen Portion Humor, die sie zum Teil fast schon in die Nähe von Karikaturen rückt. Aber nicht immer sind die Verbindungen zwischen Wort und Bild so versteckt: Grass schreibt in seine Bilder, lässt Katzenaugen zwischen Auszügen aus seinem Buch „Gleisdreieck“ hervorlugen oder diktiert den Köchen die Rezepte direkt in die Köpfe. Nicht nur mit spitzer schwarzer Feder bringt er seine Ideen zu Papier. In den letzten Jahren hat Grass die Farbe entdeckt, malt Waldbilder, die an Aquarelle erinnern und ganz banal die Schönheit der Natur illustrieren.

Das Pendeln zwischen Kritik und praller Lebensfreude zeichnet nicht nur den Schriftsteller, sondern auch den Künstler Günter Grass aus. Wo seine Tanzpaare trotz aller Nähe immer auch ein wenig distanziert erscheinen, präsentierten Geneviève Watkins und Fabia de Lluca im Schafstall im Anschluss an den Eröffnungsvortrag eine Tango-Einlage voller Temperament und sprühender Erotik. So schloss sich der Kreis und dem begeisterten Tänzer Grass hätte diese Darbietung sicherlich gefallen. Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Januar 2003 in Bad Essen zu sehen. Der Schafstall ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

   

Wittlager Kreisblatt, 18.11.2002

Grass-Ausstellung sorgt für neuen Besucherrekord

Bad Essen (orf
Am 1. November ist die neue Ausstellung des Kunst- und Museumskreises Bad Essen im Schafstall an der Bergstraße eröffnet worden. Zu sehen sind noch bis zum 6. Januar Skulpturen, Algrafien und Lithografien des Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass. Die Ausstellung dürfte eine Rekordbesucherzahl erreichen.

Das wurde jetzt auf der Jahreshauptversammlung des Kunst- und Museumskreises berichtet. Bislang zählte der Verein schon mehr als 260 Gäste, die die „andere Seite“ des streitbaren Literaten kennen lernen wollten. Die Ausstellungen werden jeweils gut zwei Monate lang präsentiert. Die Vereinsvorsitzende Hiltrud von der Heyde nannte die Besucherzahlen der anderen Ausstellungen dieses Jahres zum Vergleich: 660 Interessierte kamen, um sich die Arbeiten von Elke Maria Lennartz anzuschauen - ebenfalls eine gute Resonanz. Die Ausstellungen mit Arbeiten vom René Carcan sowie Alexandra Huber zählten 490 bzw. 510 Besucher. 580 Bürgerinnen und Bürger schauten sich die Kunstwerke von Otto Beckmann im Schafstall an. Der Kunst- und Museumskreis hatte sich entschlossen, in den Sommerferien eine Ausstellungspause einzulegen. In den Ferien sinken die Besucherzahlen. Die Kosten für Aufsicht und Gebäude bleiben dagegen bestehen. In diesem Zusammenhang ist auch die Kooperation des Vereins mit dem Kur- und Verkehrsverein Bad Essen wichtig. Letzterer veranstaltet seit geraumer Zeit ebenfalls regelmäßig kulturelle Abende in den Räumen des Schafstalls. Die Einnahmen helfen bei der Instandhaltung des historischen Gebäudes.

Der Kassenbericht wies im vergangenen Jahr zudem ein Minus auf. Der Verein musste erhebliche Mittel investieren, um die Heizungsanlage im Schafstall zu erneuern. In diesem Jahr rechnet Kassenwart Andreas Hoffmeier aber wieder mit einem leichten Plus. Die Arbeit des Vereins speist sich aus mehreren Quellen. Neben den Beiträgen der derzeit rund 170 Mitgliedern zählen der Zuschusss der Gemeinde, aber auch Provisionen durch den Verkauf ausgestellter Kunstwerke dazu. Zum Beispiel hat bereits eine der Skulpturen von Günter Grass einen Interessenten gefunden. Die Exponate bleiben natürlich bis zum Ende der Ausstellung im Schafstall und gehen erst anschließend in andere Hände über.

Auf der Tagesordnung des Abends stand auch die Wahl eines neue Vorstands. Erste Vorsitzende des Kunst- und Museumskreises bleibt Hiltrud von der Heyde. Zweiter Vorsitzender ist weiter Caspar Sieveking. Zum engeren Vorstandsteam gehören außerdem der neu gewählte Schriftführer Rainer Kroll sowie Schatzmeister Andreas Hoffmeier. Zu Beisitzern wählten die Versammlungsteilnehmer Jutta Kröning, Marlies Wöhler, Helmut von der Heyde, Reinhard Wilms und Martina Sieveking.

 

Wittlager Kreisblatt, 31.10.2002

Die andere Seite des Nobelpreisträgers Grass

Bad Essen (mar
Als Schriftsteller ist er berühmt, als sinnenfroher Tänzer seit der Feier zur Nobelpreisverleihung vielen bekannt, als Grafiker und Bildhauer wird er meist nur durch Bilder in seinen Büchern oder auf Buchcovern wahrgenommen.

Am 16. Oktober wurde Günter Grass 75, und am 20. Oktober wurde in Lübeck das Günter-Grass-Haus eingeweiht, in dem das literarische und künstlerische Schaffen als Einheit präsentiert werden. Der Kunst- und Museumskreis Bad Essen feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen, und als Höhepunkt der Ausstellungen dieses Jahres wird nun die Ausstellung des Jubilars Günter Grass präsentiert. Durch das Engagement der Galerie Beckmann, Rheine, wurde es möglich, neueste Skulpturen und Grafiken von Günter Grass zum Thema „Tanz“ zu zeigen. Der Schriftsteller Grass begann seine künstlerische Laufbahn als Bildhauer und als hungernder Grafiker. Anfang der Fünfziger Jahre zeichnete er die grünen Heringe, von denen er sich hauptsächlich ernährte. Er entschied sich im Widerstreit der Kunstströmungen schon früh für die gegenständliche Moderne, und er meidet grelle Farbigkeit. Sein einziges buntes Ölgemälde malte er für seine Mutter. Bei Karl Hartung lernte er, alles Unnütze wegzulassen, Themen und Formen zu reduzieren und auf das Wesentliche und dann erst mit der Formung zu beginnen – eine Methode, die schließlich auch seinem Schreiben zugute kommt.

„Ich habe zum Glück die Möglichkeit, nach einer längeren Prosastrecke Radierungen, Litohgrafien, Aquarelle oder auch Plastiken zu machen, so dass ich nicht dauernd unter Schreibzwang stehe. Am liebsten ist mir, wenn etwas auf Papier entsteht, ob das Sätze sind oder eine Zeichnung.“. In den letzten Jahren wurden seine Bilder farbiger. In „Mein Jahrhundert“ illustrieren sie die Zeitgeschichte von hundert Jahren, in „Fundsachen für Nichtleser“ geben sie hinreißende Einblicke in den Humor und die Altersweisheit des Menschen Günter Grass. Die neuen Skulpturen und Lithografien zum Thema Tanz zeigen eine Körperlichkeit und Sinnlichkeit, die schon in früheren Arbeiten von Grass durchschien. Politisch engagierter und kritischer Künstler zu sein widerspricht nicht der prallen Daseinsfreude eines intensiv gelebten Lebens.

Die Ausstellung wird eröffnet am Freitag um 20 Uhr im Schafstall, Bergstraße 31. Es spricht Dr. Elisabth Mardorf. Fabia de Lluca und Geneviève Watkins tanzen Tango. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 15 bis 18 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 6. Januar 2003 zu sehen.